Keine Pause

Trotz Corona wird gejagt: Schweinepest macht Gesellschaftsjagden erforderlich

Jagderfolg: Im Kampf gegen die Afrikanische Schweinepest müssen die Wildschweinbestände auch in unserer Region reduziert werden. Nur so kann ein möglicher Ausbruch der Tierseuche lokal begrenzt werden.
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Jagderfolg: Im Kampf gegen die Afrikanische Schweinepest müssen die Wildschweinbestände auch in unserer Region reduziert werden. Nur so kann ein möglicher Ausbruch der Tierseuche lokal begrenzt werden.

Auch wenn der Corona-Lockdown das gesellschaftliche Leben einschränkt: Die Jagden in den Wäldern des Schwalm-Eder-Kreises finden statt.

Schwalm-Eder - Die Jagden wurden vom Land Hessen und dem Landkreis als systemrelevant eingestuft. Darüber informierte die Oberste Jagdbehörde die Jägerschaft am 30. Oktober. Darin heißt es, dass an Gesellschaftsjagden ein besonderes öffentliches Interesse bestehe, insbesondere wenn sie der Tierseuchenprävention dienen. Grund ist neben der Regulierung der Wildbestände die Afrikanische Schweinepest. Diese schwere Virusinfektion ist für Haus- und Wildschweine tödlich. Für den Menschen stellt sie laut Bundeslandwirtschaftsministerium keine Gefahr dar. Am 10. September wurde erstmals in Deutschland bei einem toten Wildschwein im Landkreis Spree-Neiße (Brandenburg) die Afrikanische Schweinepest diagnostiziert – lediglich 400 Kilometer Luftlinie vom Schwalm-Eder-Kreis entfernt.

„Die Frage ist nicht, ob die Krankheit auch zu uns kommt, sondern wann“, sagt Petra Westphal, Forstamtsleiterin in Melsungen. Deshalb finden die 28 geplanten Jagden im Bereich der drei Forstämter Melsungen, Neukirchen und Jesberg statt. Denn der Schwalm-Eder-Kreis hat in Hessen einen der höchsten Bestände mit Hausschweinen. Sollte die ASP in der Region Fuß fassen, wären ganze Nutztierbestände gefährdet. Für die Jäger gelten bei den Jagden verschärfte Auflagen wie die Hygiene- und Abstandsregeln. Zu Beginn der Jagden gibt es kein Versammeln der Jäger und zum Ende kein Verblasen der Strecke, also kein Halali der Jagdbläser für das erlegte Wild.

Die Bewegungsjagd muss laut Hessischem Jagdverband beim Landkreis formlos beantragt werden. Insbesondere Wildschweine sollen geschossen werden, teilt Melsungens Forstamtsleiterin Petra Westphal mit. Sie haben sich hessenweit stark vermehrt „Statt einmal im Jahr setzen die Bachen mittlerweile zu jeder Zeit Frischlinge.“ Aber auch Rehwild soll bejagt werden, um Neuanpflanzungen zu schützen.

Jagen während der Pandemie

Man sei sich daher Seiten der Jägerschaft der besonderen Verantwortung bewusst, sagt der Sprecher des Kreisjagdverein Hubertus Ziegenhain, Elias Knell und bittet bei der Bevölkerung gleichzeitig um Verständnis für die auch in Coronazeiten notwendigen Bewegungsjagden: „Die Jagd ist systemrelevant, gerade vor dem Hintergrund der ASP.“ Seitdem die Seuche vor einigen Wochen erstmals auf der deutschen Seite aufgetretene ist, sind die Jäger alarmiert. Luftlinie sind es nur rund 400 Kilometer. Man schätze die Gefahr für einen Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest als hoch ein, sagt Knell. Das Virus ist für Wildschweine hoch ansteckend. Bereits achtlos weggeworfene Brote mit infizierter Wurst oder Fleisch können die ASP in den Schwalm-Eder-Kreis tragen.

Das Problem, je mehr Wildschweine, desto größer natürlich auch die Zahl der potenziellen Virusträger. Und Schweine gibt es mehr als genug. In den vergangenen zehn Jahren sei die Zahl der erlegten Tiere immer größer geworden, sagt Knell. Aus diesem Grund appelliert auch der Vorsitzende der Jagdhundesolidaritätskasse - Schwalm, Heinrich Riehm, die Bewegungsjagden zu forcieren. Auf diese Weise könne der Schwarzwildbestand effektiver reduziert werden, meint Riehm und sagt, dass die coronabedingten Einschränkungen bei diesen Freiluftveranstaltungen sicher eingehalten werden.

Jagen unter Corona-Auflagen

Dem stimmt auch der Sprecher der Kreisjagdverein zu. Auch wenn an größeren Bewegungsjagden durchaus bis zu 100 Jäger teilnehmen würden, achte man streng auf die Einhaltung der im Kampf gegen das Coronavirus zwingend erforderlichen Hygienevorgaben. Neben der Büchse und dem Fernglas gehören auch Alltagsmaske und Desinfektionsmittel zur neuen Normalität beim Ansitz. Der gesamte gesellige Teil bei der Jagd sei entfallen, erklärt Elias Knell. Selbst die Sicherheitsbelehrung vor der Jagd wird nicht mehr vor der ganzen Gruppe durchgeführt, sondern per E-Mail an Teilnehmer verschickt.

Die Rückmeldung erfolgt ebenfalls auf den elektronischen Weg. Nicht nur der Kampf gegen die Afrikanische Schweinepest verbietet größerer Jagdunterbrechungen. Die Waidmänner müssen auch den Rehwildbestand im Blick behalten. Nach den drei trockenen Sommern müsse der Wald Gelegenheit bekommen sich zu erholen, so Knell und erklärt, dass die Jagd in diesem Zusammenhang dem Schutz frisch angepflanzter Jungbäume diene.

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