Mit Dampf durch Allendorf

Allendorfer Tüftler baut Dampftraktor

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Auf dem Dampftraktor unterwegs: Jens Groß aus Allendorf/Landsburg steckt viel Zeit ins Tüfteln.

Wenn Jens Groß mit seinem Schlepper durchs Dorf tuckert, dann ist das eine Attraktion.

Allendorf/Landsburg – Jens' Schlepper tankt nämlich keinen Diesel oder Superbenzin, sondern fährt ausschließlich mit Kohle und Dampf. So kündigt sich der 29-jährige Allendorfer mit seinem beeindruckenden Gefährt stets auch schon aus der Ferne an: Es knattert, zischt und pfeift – ein Traum für jeden Dampfmaschinenfan.

Der gelernte Industriemechaniker baute seine erste Dampfmaschinenlok noch vor Beginn seiner Berufsausbildung. „Vermutlich hat mich das Eisenbahnvirus bei einem Ausflug zur Silberseebahn in Kindertagen infiziert“, schmunzelt Groß, der jede freie Minute ins Tüfteln an seinen Dampfmaschinen steckt. Er fertigt jedes einzelne Bauteil seiner Lokomotiven und Schlepper im Detail in seiner eigenen Werkstatt.

Dampfschlepper: englischer Urtraktor als Vorbild

Für den Dampfschlepper wählte er den Maßstab 1:2,5 und nahm sich einen englischen Ur-Traktor, der Ende des 18./Anfang des 19. Jahrhunderts in der Landwirtschaft eingesetzt wurde, zum Vorbild.

„Die Nostalgie und der Spaß am Konstruieren fesseln mich“, sagt der 29-Jährige, der weiß, dass viele Gleichaltrige mit solch einem Hobby nichts anfangen können. „Hier hat man immer schwarze Finger und es braucht viel Ausdauer und Durchhaltevermögen, bis eine Maschine läuft.“

Wasser und Kohle treiben den Dampftraktor an, mit dem der Tüftler „vollgetankt“ zwei Stunden fahren kann.

So eine Maschine konstruiere sich nicht per App am Handy, meint Groß, dem das Herz aufgeht, wenn er seinen Schlepper anheizen kann, um dann eine Runde durch die Gemarkung zu drehen. Gerne nimmt er hierbei auch seine Freundin oder den Hund im kleinen Anhänger mit. An seinem Dampftraktor arbeitete Groß gut eineinhalb Jahre.

Dampfschlepper mit Zweigang-Getriebe

Zuvor schon hatte er ein Modell im Maßstab 1:4 gebaut, doch für Spazierfahrten sei der größere Schlepper einfach komfortabler.

Der Dampfschlepper hat ein Zweigang-Getriebe und eine Seilwinde wie das Originalmodell. Über den Kohle betriebenen Heizkessel wird mit einem Dampfzylinder die Kurbelwelle des Motors angetrieben. Ein Fliehkraftregler hält die Drehzahl konstant. „Den Fliehkraftregler kann man sich als Vorläufer des heutigen Tempomaten vorstellen“, erklärt Groß, der gerne allen Neugierigen die alte Technik erklärt. „Ich bin Heizer und Fahrer zugleich“, sagt Groß, der darin auch die Herausforderung beim Fahren des Modells sieht.

„Der Schlepper ist unbezahlbar“

Groß muss stets den Wasserdruck, das Kohlefeuer und nicht zuletzt auch den Verkehr im Blick haben. Und so tuckert er mit gemütlichen sechs Stundenkilometern durch die Lande. Wenn er sein Modell mit Wasser vollgetankt und genügend Kohle geladen hat, kann Groß Runden von gut zwei Stunden drehen.

„Der Schlepper ist unbezahlbar“, sagt der Allendorfer, der in seine Werkstatt in unglaublich viel Technik, Fräsen und Drehmaschinen investiert hat, um seinem Hobby nachgehen zu können. „Ich würde mich freuen, wenn ich andere Dampfmaschinenbauer kennenlernen könnte. Vielleicht meldet sich ja jemand?“, hofft Groß.

Bis dahin aber denkt er über den Bau eines weiteren Modells im Maßstab 1:2 nach. „Die Ideen gehen mir nicht aus“, sagt der begeisterte Mechaniker.

VON REGINA ZIEGLER-DÖRHÖFER

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