Der Name des Frielendorfer Ortsteiles Todenhausen hat nichts mit dem Tod zu tun

Vom Tuten eines Hornes

Ortsansicht: Seit 1971 ist das Dorf Todenhausen ein Teil der Großgemeinde Frielendorf. Foto: Haaß

Todenhausen. So naheliegend, wie es auf den ersten Blick erscheint, ist die Sache mit dem Namen des Frielendorfer Ortsteils Todenhausen nicht. Schon Todenhausens Chronist Heinrich Bischoff stellte 1987 in der Dorfchronik „Todenhausen: Das Dorf am Sendberg“ fest, dass der Name mit Tod oder Toten mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nichts zu tun habe.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Todenhausen laut Landesgeschichtlichem Informationssystem Hessen (LAGIS) 1197 als Deidenhusen. Damals hatte das naheliegende Prämonstratenserkloster Spieskappel Besitztümer in dem kleinen Dorf am Fuße des Sendbergs.

Gegründet wurde der Ort vermutlich bereits in der großen fränkischen Siedlungsperiode um 500 nach Christus. Ein Indiz dafür sei die Endung -hausen, schreibt der mittlerweile verstorbene Bischoff in der Dorfchronik.

Als weitere historische Namensformen im Laufe der Jahrhunderte führt LAGIS Thudenhusen, Thodenhusen, Dodenhausen und schließlich Todenhausen auf. Bei seinen Recherchen zu den Ursprüngen des Ortsnamens ist Dorfchronist Heinrich Bischoff auf eine Arbeit von Doktor Bernd Helbig aus Dillich gestoßen. In dem 1938 herausgegebenen Werk „Das Amt Homberg an der Efze“ geht der Autor davon aus, dass Thudenhusen vom Tuten eines Horn herzuleiten sei.

Blasen zum Gerichtstag

Helbig vermutete nach Studium verschiedener historischer Quellen, dass zu der Zeit der sogenannten Sendgerichte Gerichtsbedienstete vom 339 Meter hohen Sendberg durch das Blasen von Hörnern oder eben Tuten die Bevölkerung zum Gerichtstag gerufen haben. Der Sendberg sei nachweislich bis ins 13. Jahrhundert Schauplatz solcher Gerichte gewesen, so der Heimatforscher aus Dillich: „Da das Dorf in der Nähe eines Berges liegt, der einem Heiligen geweiht ist, dem Heiligen Simon, lässt sich schließen, dass es vorher ein den germanischen Göttern geweihter Berg war. Die Christen nahmen germanische Heiligtümer gern zu ihrem Heiligennamen. Der Name hat nichts mit Toten zu tun […] Wenn es aber eine vorchristliche Kultstätte war, dann gehörte der Berg zu den Punkten der Heimat, die ein Nachrichten- und Alarmsystem unserer Vorfahren bildeten. Von diesem Berg wurden Feuer- und Hornsignale gegeben.“

Fünftgrößer Ortsteil

Seit 1971 ist Todenhausen Teil der Großgemeinde Frielendorf und mit seinen 635 Einwohnern der fünftgrößte Ortsteil. Auf dem Sendberg werden schon lange keine Gerichte mehr abgehalten, dafür hat man von dort einen wunderbaren Blick über die Dachlandschaft von Todenhausen und die ganze Ebene bis zum Knüll. Der alte Gerichtsplatz dient einmal im Jahr als Festplatz für die traditionelle Pfingstfeier.

Neben dem Frielendorfer Ortsteil findet sich der Namen deutschlandweit übrigens nur noch einmal. Im Landkreis Marburg-Biedenkopf gibt es ebenfalls ein Todenhausen. Dort geht der Name vermutlich auf einen Einsiedler aus der Karolingerzeit namens Dudin oder Dudo zurück.

Von Matthias Haass

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