Die Bienen im Dezember: Ruhe in der Traube – Imker bereiten die Saison vor

Überwintern im Ball

Restentmilbung: Imker Jörg Seligmann beträufelt die Bienen mit einer organischen Säure, an der sich die Milben erst verletzen und dann sterben. Seligmann trägt einen Schutzkittel, da die Bienen, wenn sie gestört werden, angriffslustig sind. Foto: Göbel

Moischeid. Da viele Insekten im Winter sterben oder nicht aktiv sind, fragt man sich: Was machen Bienen im Dezember? Während es draußen kalt ist, scharen sie sich in ihren Behausungen zusammen. In einem Bienenkasten von Imker Jörg Seligmann aus Moischeid tummeln sich etwa 15 000 Bienen. Und alle kuscheln sich in den kalten Tagen eng zusammen.

Jedes Volk bildet im Winter eine Traube, die aussieht wie ein großer Bienenball im Bienenstock. In der Mitte sitzt die Königin. Sie hat jetzt nichts zu tun, das Brutgeschäft ruht in der kalten Jahreszeit.

Ein Feind der Biene ist die Varroamilbe. Die Entwicklung und Vermehrung dieser Milbe findet eigentlich in der Bienenbrut statt. Da im Winter aber keine Brut gepflegt wird, wechseln die Milben in dieser Zeit vollständig auf die erwachsenen Bienen, um zu überleben. „Um die Milbe in eine Größenrelation zu setzen, entspräche sie einer blutsaugenden Katze, die man im Nacken sitzen hat“, sagt Seligmann.

Damit die Bienen überleben, entmilbt der Imker das Bienenvolk mit einer organischen Säure – der Oxalsäure. Sie kommt übrigens auch im Honig vor. Mit einer Art Spritze wird die Lösung auf die zwischen den Waben sitzenden Bienen geträufelt. Bis die Brutschmarotzer sterben, dauert es dann noch ungefähr fünf Wochen.

Ein Knackpunkt in der Natur ist die Wintersonnenwende am 21. Dezember gewesen – der kürzeste Tag im Jahr. „Die Uhr der Bienen fängt dann an zu ticken“, sagt Seligmann. In den nächsten Wochen fangen sie an, ihre Brut anzulegen.

Bis die Bienen dann wieder im Frühjahr ausschwärmen, hat der Imker noch einiges zu tun. Jörg Seligmann arbeitet seine Stockkarten aus. Auf diesen Karten verzeichnet der Imker alle Arbeiten und Eingriffe am Volk, damit die Volksentwicklung nachvollzogen werden kann. „Die Ausarbeitung ist wichtig wegen der Zucht und der Vermehrung. „Ich kann genau sehen, welches Volk gut war und vermehrt werden kann“, sagt Seligmann.

Außerdem kümmert sich Jörg Seligmann um die Planung für die kommende Saison und um die Abrechnung. „Jedes Honigglas wird vermerkt, um zu sehen, wie der Verdienst war und was ausgegeben wurde“, sagt der Imker. Auch die Bienenkästen und die Werkstatt werden in diesen Tagen auf Vordermann gebracht. „Das muss jetzt passieren, in der Saison habe ich dafür keine Zeit“, sagt Seligmann.

Außerdem hat Jörg Seligmann auch Zeit zum Lesen, wenn seine Bienen in der Traube kuscheln.

Von Friederike Göbel

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