Ein Uradelsgeschlecht ist Namensgeber von Linsingen

Eine seltene Hochzeit in der Linsinger Dorfkirche: Detlef Freiherr v. Linsingen (München) und Freifrau Marion v. Linsingen, geborene v. Rosenthal, entdeckten den ehemaligen Burgsitz ihrer Vorfahren. Das Hochzeitspaar wurde nach der kirchlichen Trauung von Pfarrer Kurz verabschiedet. Lehrer Hans Göbel mit Schifferklavier und seiner Melodikagruppe sorgten für Musik. Fotos: Archiv/Haaß

Linsingen. Knapp acht Kilometer nordöstlich von Ziegenhain liegt der kleine beschauliche Ort Linsingen am Rande eines Talkessels.

Oft hat sich im Laufe der Jahrhunderte der Name eines Dorfes, einer Stadt teilweise stark gewandelt und lässt sich mit dem heutigen Ortsnamen manchmal gar nicht mehr in Verbindung bringen.

Nicht so in dem Frielendorfer Ortsteil: Seit mindestens 774 Jahren trägt das Dorf laut Landesgeschichtlichem Informationssystem Hessen (LAGIS) nahezu unverändert den Namen Linsingen.

Namensgeber des knapp 160 Einwohner zählenden Dorfes ist das Uradelsgeschlecht derer von Linsingen. Dort, wo heute die kleine Kirche steht, soll früher sogar eine Holzburg-Anlage den Macht- und Besitzanspruch des Linsinger Adels symbolisiert haben.

Linsingens mittlerweile verstorbener Chronist Heinrich Bischoff hatte 1991 bei der Erstellung der Linsinger Dorfchronik die Möglichkeit, tief in den Archiven des bis heute existierenden Adelsgeschlechts zu forschen. Im Familienarchiv von Detlev Freiherr von Linsingen fand Bischoff bei seinen Recherchen einen Hinweis auf die Entstehung des Namens und zitiert in der Chronik den mit der Region nach wie vor verbundenen Freiherrn: Der Name Linsingen zerfällt in die zwei Bestandteile „Lins“ und „ingen“. Die sehr bekannte Endung „ingen“ finden wir in Familiennamen des Adels [..] Die Endung bedeutet im Altdeutschen: Nachkommen des Lins oder Lothar oder Siegmar. […] Linus war im katholischen Frühmittelalter ein gebräuchlicher Name, denn Linus war Nachfolger des heiligen Petrus als Oberhaupt der Kirche. Der Stammvater des Geschlechts mit dem Namen Linus wird in dem Gebiet von Linsingen Landbesitz gehabt und eine Burg gebaut haben.[...] Die Nachfahren fügen den Namen des Stammvaters die Endung „ingen“an, um zu erkennen, dass sie Nachkommen des Linus und Erben des Anwesens waren, das sie weiter ausbauten.“

Von Matthias Haaß

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