Der Hof bestimmte das Leben

Ursula und Helmut Glintzer aus Wincherode sind seit 60 Jahren verheiratet

Festlich am Hochzeitstag vor 60 Jahren.
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Festlich am Hochzeitstag vor 60 Jahren: Ursula und Helmut Glintzer.

Seit 60 Jahren sind Ursula und Helmut Glintzer aus Wincherode verheiratet. Die Eheleute lernten sich schon in der Kindheit kennen und gingen zur selben Schule. Mit 17 Jahren stellten sie fest, dass sie wirklich gut zusammenpassen.

Wincherode – Ursula und Helmut Glintzer blicken zufrieden auf 60 gemeinsame Ehejahre zurück. Aufgewachsen ist Helmut Glintzer (80) als Sohn eines Landwirts in Immichenhain. „Die Familie gibt es in dieser Region schon seit dem 15. Jahrhundert“, erklärt er. Da er seinen Vater und seinen Onkel im Zweiten Weltkrieg verloren hatte, übernahm er den Hof der Großeltern in Wincherode schon 1949 im Alter von gerade mal neun Jahren, „eigentlich hätte ich lieber studiert, Landwirt war so gar nicht mein Traumberuf“. Aber er stellte sich der frühen Verantwortung und führte den Hof bis 1995.

Ursula Glintzer (79), geb. Almasi, kam im April 1946 als Kind aus dem Sudetenland mit ihren drei Geschwistern und Eltern in Nausis am Bahnhof an, wo die Familie nun leben sollte: „Wir standen am Bahnhof und zunächst wollte uns keiner bei sich aufnehmen, da wir eine große Familie waren und mein Vater, von Beruf Zahnarzt, im Krieg seinen rechten Arm verloren hatte. Wir hatten dann doch Glück und wohnten in der ersten Zeit bei einer Familie zu fünft in einem Zimmer zwar mit Ofen aber nur einem Bett.“ So musste ein Teil der Familie auf dem Fußboden schlafen. Nach der Schule absolvierte sie eine Lehre als Verkäuferin im Textilgeschäft Wollmann in Ziegenhain und arbeitete im Anschluss für kurze Zeit bei der Firma Rohde in Immichenhain.

Diamantene Hochzeit in Woncherode: Paar lernte sich schon in der Kindheit kennen

Schon in der Kindheit lernten sich die beiden kennen. Helmut Glintzer verrät: „Wir haben uns schon im Alter von neun Jahren angefreundet, viel Zeit miteinander verbracht und gingen auch zur selben Schule. Und mit 17 Jahren haben wir dann festgestellt, dass wir wirklich gut zusammenpassen.“ Zwei Jahre später wurde geheiratet. Gerne erinnern sich beide an die Hochzeit zurück. „Ich habe ja während meiner Ausbildung nicht viel Geld verdient“, erzählt Frau Glintzer. „Im dritten Lehrjahr gerade mal 65 Mark im Monat. So habe ich mir beim Schöpflin-Versand ein Brautkleid für 35 Mark bestellt. Der Blumenstrauß, den ich mir ausgesucht hatte, war teurer als mein Kleid, nämlich 45 Mark. Wir haben noch beide überlegt, ob wir uns das leisten können“, schmunzelt die Jubilarin.

Getraut wurde das Paar in Nausis mit anschließender Feier auf dem eigenen Hof in Wincherode. „Viel Platz hatten wir nicht. So haben wir ein Zimmer komplett geräumt, Tische und Stühle zusammengestellt und mit Familie und Freunden ausgiebig gefeiert. Ein Nachbar hatte sogar seinen Plattenspieler mitgebracht. Das war damals noch etwas ganz Besonderes“, erinnern sich beide.

Diamantene Hochzeit in Woncherode: Hof wurde 1995 verpachtet

Das Paar lebte auf dem Hof und bewirtschaftete diesen gemeinsam. Als erste erblickte Tochter Ilona das Licht der Welt, es folgte Sohn Jochen und 1965 das jüngste Kind, Tochter Elke. Frau Glintzer bedauert: „Viel Zeit hatten wir leider für unsere drei Kinder nicht. Die Landwirtschaft bestimmte unser Leben. Wir hatten zudem auf dem Hof einiges zu erneuern und umzubauen. Urlaub war fast nicht möglich. In den ganzen Jahren waren wir nur einmal für drei Tage in den Bergen und ein einziges Mal mit der ganzen Familie im Teutoburger Wald.“ 1995 wurde der Hof verpachtet und endlich konnten Reisen unternommen werden. Im selben Jahr flog das Paar in die USA, „zum ersten Mal in einem Flugzeug und dann gleich so weit, das war schon aufregend für uns“. Viel Freude bereiten ihnen bis heute auch Kreuzfahrten wie zum Beispiel im Mittelmeer oder auf der Donau bis ans Schwarze Meer. „Wir haben viel nachzuholen“, so der Jubilar.

In seiner Freizeit ist er im Seniorenrat in Neukirchen beschäftigt. Auch liegt ihm das Reimen von Versen und Gedichten im Blut. So hat er schon zwei kleine Bücher mit Anekdoten aus seiner Heimat veröffentlicht. Ursula Glintzer war bis zu dessen Auflösung im örtlichen Gesangverein aktiv. Ihre drei Kinder leben in unmittelbarer Nähe, Sohn Jochen mit Familie sogar im gemeinsamen, neu gebauten Haus. Viel Freude bereiten dem Paar fünf Enkel und drei Urenkel. Die Feier des Tages wurde pandemiebedingt ganz anders, als das Paar sich eigentlich gewünscht hatte: „Wir haben bisher immer noch keinen Impftermin erhalten.“ „Aber zu meinem Achtzigsten im August holen wir alles nach,“ schildert die Jubilarin ihre Pläne. (Ute-Anemone-Lorenz)

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