Vor 70 Jahren: Rudolf Peterle überlebte die Schiffskatastrophe auf der „Goya“

Vater sprang in die Ostsee

Die Goya: Das Schiff sank in dn ersten Minuten des 17. April 1945.

Olberode. Als in der Nacht vom 16. auf den 17. April 1945 der Dampfer „Goya“, überbelegt mit etwa 7200 zivilen Flüchtlingen, Soldaten und Verwundeten, in der kalten Ostsee unterging, war auch Rudolf Peterle, der Vater von Heinz und Gerhard Peterle aus Olberode, an Bord.

Zu Beginn des Jahres 1945 drängten über zwei Millionen Menschen - Zivilbevölkerung und Soldaten - nach Westen. Wegen des Vernichtungskrieges im Osten fürchteten sie die erwartete Rache der Roten Armee. Im Westen des Deutschen Reiches kam es nicht zu einer Fluchtbewegung vor den anrückenden Briten und Amerikanern.

Völlig überladen

Die „Goya“ war ursprünglich ein norwegisches Schiff, wurde aber 1940 bei der Besetzung Norwegens von der deutschen Kriegsmarine beschlagnahmt. Das völlig überladene Schiff wird am Morgen des 16. April gegen 8.30 Uhr von einer Fliegerbombe getroffen, die ein Loch in das Oberdeck reißt.

Dennoch legt das Schiff gegen 19 Uhr vor der Halbinsel Hela ab. Um 23.52 Uhr erhält die „Goya“ zwei Torpedotreffer von einem sowjetischen U-Boot. Das Schiff erbebt. Riesige Säulen von dem rasch eindringenden Wasser ergießen sich auf das Deck.

Zu wenig Schwimmwesten

Die Menschen geraten in Panik. Für nur 1500 Personen gibt es Schwimmwesten. Die Rettungsboote können in der kurzen Zeit nicht bereit gemacht werden. Langsam neigt sich das Schiff auf die Seite und bricht plötzlich in zwei Teile, die rasch untergehen. Die „Goya“ sinkt innerhalb von sieben Minuten. Die Passagiere werden in die drei Grad kalte Ostsee gerissen.

Nach Stunden kehrt das Geleitschiff zurück und 176 Menschen werden gerettet. Für über 7000 Menschen gibt es keine Überlebenschance.

Heinz und Gerhard Peterle berichten: „Unser Vater sprang von Bord, schwamm aus dem Sog des sinkenden Schiffes und konnte sich mit Hilfe eines Holzbrettes zwei Stunden über Wasser halten. Zum Glück war die See glatt und ruhig. Mit seiner noch funktionstüchtigen Taschenlampe konnte er Lichtzeichen geben und wurde dadurch von dem Geleitschiff entdeckt und halbsteif an Bord gezogen.“

Das Schicksal der „Goya“ hatten vorher schon unter anderem die Schiffe Wilhelm Gustloff, Steuben, Cap Arcona, Franken, Posen und Karlsruhe geteilt.

Über 20 000 Menschen fanden bei deren Versenkung den Tod.

Rudolf Peterle, Jahrgang 1915, kam aus Oberliebich, Sudetenland.

Dorthin konnte er nicht zurück. Er erinnerte sich, dass er zu Beginn des Krieges bei Lorenz und Anna Wagner in Olberode einquartiert war und wandte sich dorthin.

1947 heiratete er deren Tochter Elisabeth, die ihren ersten Mann, den Unterfeldwebel Johannes Gerhardt aus Christerode, ebenfalls Jahrgang 1915, im Krieg verloren hatte. Gerhardt war an seinen schweren Verletzungen im Dezember 1944 im Elsass gestorben. Repros: Lindenthal

Von Bernd Lindenthal

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