Prozess vor dem Amtsgericht Treysa: Angeklagter muss 30 Arbeitsstunden ableisten

Versuchter Diebstahl statt Raub

Treysa. Mit der Auflage, 30 Arbeitsstunden innerhalb eines halben Jahres abzuleisten, endete für einen Angeklagten sein Prozess vor dem Schöffengericht in Treysa. Ursprünglich wegen schweren Raubes angeklagt, sah der Staatsanwalt nach der Beweisaufnahme nur noch das Delikt eines versuchten Diebstahles vorliegen.

Das Opfer, eine damals 70-jährige Frau, berichtete, wie der Angeklagte im Februar 2013 nach ihren beiden Taschen gegriffen habe. Sie habe die Taschen jedoch festgehalten. Ein weiterer Mann habe dies beobachtet und gerufen: „Lassen Sie die Frau in Ruhe“. Nach einem kurzen Moment habe der Angeklagte die Taschen los gelassen und sei einfach weiter in Richtung Bahnhofsstraße gegangen. Sie selbst sei sehr erschrocken gewesen und habe auch heute immer noch Angst, wenn sie unterwegs sei, erzählte sie.

Angriff mit Besteckmesser

Ein zweiter Anklagepunkt bezog sich auf einen Angriff mit einem Besteckmesser ungefähr zwei Monate später, ebenfalls in Treysa. Opfer war eine Ergotherapeutin, die ohne ersichtlichen Grund von dem Angeklagten mit den Worten: „Ich bring dich um“ mit einem Besteckmesser angegriffen worden war. Sie wehrte die Hiebe mit einem Therapiebrett aus Holz, das sie unter dem Arm trug, ab. Ein zufällig hinzu kommender Mitarbeiter Hephatas beruhigte den Angreifer. Der Angeklagte lebte zu der Zeit der Angriffe in einer von Hephata betreuten Wohngruppe, nachdem er kurz zuvor aus der Psychiatrie entlassen worden war. Ein Erziehungswissenschaftler, der als Fachberater für die Intensivwohngruppen tätig ist, erläuterte als Zeuge, warum es damals zu mehreren aggressiven Vorfällen des geistig behinderten Mannes gekommen war. Ein von der Staatsanwaltschaft in Auftrag gegebenes Gutachten half dem Schöffengericht bei der Einschätzung des Angeklagten nur begrenzt weiter, da der Gutachter den Angeklagten selbst nicht gesprochen hatte.

Keine Idee, warum

Der Angeklagte räumte die Taten ein, konnte aber nicht erklären, warum er sie begangen hatte. „Kloppen und Klauen darf man nicht“, gab der Richter dem Angeklagten mit auf dem Weg. 

Von Christiane Decker

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