Stadtentwicklung: Gewerbepark Harthberg ist nahezu belegt

Viel Fläche für wenig Industrie am Harthberg

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Viel Lagerfläche, wenig Industrie: Der Gewerbepark Harthberg beherbergt nach Angaben der Stadt etwa 20 Betriebe, viele Gebäude werden aber ausschließlich als Lager genutzt. Umfassend saniert wurde eine Baracke im unteren Bereich (Draufsicht), hier beschäftigt ein Steuerberater 40 Mitarbeiter. 

Vor 13 Jahren schloss die Harthbergkaserne in Treysa. Doch was passierte mit dem Gelände?

Die Stadt entwickelte ein Nutzungskonzept für einen Gewerbepark. Heute sollen alle Flächen vermarktet sein.

 „Seinerzeit hat Bürgermeister Kröll alles richtig gemacht, die Verhandlungen mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) waren schwierig. 2007 hat sich mit dem Sägewerk Abalon der erste Betrieb angesidelt“, erklärt Bürgermeister Stefan Pinhard. 2009 erwarb die Stadt die restlichen 17 des 38 Hektar großen Areals.

Anfangs sei die Nachfrage eher schleppend gewesen. Für die Vermarktung sei immer das Hauptamt zuständig gewesen, so Pinhard. Stadtmanager Achim Nehrenberg bezeichnet die Ansiedlung der aktuell etwa 20 Betriebe – „so genau kann ich das nicht sagen“ – als Erfolgsstory. Einziger Hemmschuh: „Es gibt kein wirklich schnelles Internet und in der Infrastruktur immer noch weiße Flecken.“ Ein Unternehmen etwa, das online mit Leitern und Büromöbeln handelt, war kurz davor, Schwalmstadt wieder zu verlassen. Allein der Höhe des Gebäudes mit Sichtkontakt zum Treysaer Rathaus ist es zu verdanken, dass es eine Internetverbindung gibt. „Die Stadt hat echte Klimmzüge unternommen, um das Problem zu lösen“, sagt Nehrenberg.

Die Nähe zum Rundholz war entscheidend für die Ansiedlung der Firma Abalon 2007, hier Inhaber Manfred Reinkemeier.

Was auffällt: 

Der Flyer zum Gewerbepark auf der städtischen Homepage ist stark veraltet, nach einmaliger Auflage wurde er offenbar nicht aktualisiert. Informationen über die Gebäudesubstanz oder Bodenbeschaffenheit liefert er nicht. Über die Bausubstanz der Kasernengebäude vermag auch Pinhard wenig zu sagen: „Die ist unterschiedlich. Wer eine solche Immobilie kauft, muss sehen, was er damit macht.“ Auch die Sporthalle auf dem Areal hat offenbar einen Käufer gefunden – Hephata, die die Halle zuletzt zum Training nutzte, sei aber weiter Mieterin. Tatsächlich etabliert hat sich der Kindergarten Rappelkiste im früheren Offiziersheim. Anfangs etwas belächelt, ist die Einrichtung heute die beliebteste der Stadt, sagt der Bürgermeister.

Ebenfalls entstanden auf einer Fläche nach Entsiegelung nahe des Eisenwinkelweges vier Bauplätze, drei sind verkauft. Neu gebaut wurde auch eine Halle, als Winterquartier für Wohnmobile. In einem Gebäude ist ein Gästehaus entstanden: Heinrich Gringel kaufte das Haus, betrieben wird es vom Ziegenhainer Hotel Rosengarten. Als Archiv nutzt die Stadt einen weiteren Gebäudekomplex, der wohl in gutem Zustand war. Eingebaut werden mussten für 30 000 Euro lediglich ein neuer Heizkessel und ein Schornstein. Das Gebäude, in der die Flüchtlingsunterkunft untergebracht ist, gehört weiterhin dem Bund. Wie hoch die Gewerbesteuereinnahmen aus dem Gewerbepark sind, das kann Pinhard nicht sagen: „Sie sind nur ein Teil des Puzzles. Gewerbesteuern allein sind kein guter Indikator.“ Aus heutiger Sicht sei der Branchenmix gelungen: „Wir haben versucht, ein solides Portfolio anzulegen“, ist Nehrenberg überzeugt.

Größter Arbeitgeber am Harthberg ist die Firma Abalon: 

Das Sägewerk mit Inhaber Manfred Reinkemeier beschäftigt 90 Menschen. Mitte 2007 erwarb der Westfale, der ein weiteres Sägewerk in Österreich betreibt, die knapp 18 Hektar große Fläche von der Bima. Auch das Kasernengelände in Homberg sei damals eine Option für die Betriebsgründung gewesen, sagt der gelernte Jurist, dort habe aber viel brach gelegen. Entscheidender Faktor sei die Nähe zum Rundholz gewesen. Mit dem handelt Reinkemeier, vertreibt es bis nach Asien, Kanada und Mexiko. Im Jahr schneidet der Betrieb 85 000 Festmeter. Besonders stabil sei die Nachfrage nach Buche – „das ist die Brot- und Butter-Laubholzart“. Dass sich kaum produzierendes Gewerbe in der Schwalm ansiedelt, liegt laut Reinkemeier auch an der fehlenden Autobahn: „Besonders für die Logistik ist der Schulterschluss der A49/A5 wichtig.“

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