AFRIKANISCHE SCHWEINEPEST Bedrohung für Hunderte Betriebe

Virus kann jederzeit auftreten

Wildschwein suhlt im Dreck
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Wildschwein suhlt im Dreck. (Symbolbild)

Nirgends in Hessen werden mehr Schweine gehalten als im Schwalm-Eder-Kreis: Die Sorge vor der tödlichen Tierseuche ist wegen der drastischen wirtschaftlichen Einbußen sehr groß.

Schwalm-Eder – Die wirtschaftlichen Folgen für die Schweinehalter sind durch den erstmaligen Nachweis der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Deutschland bereits heftig. Wenn die Seuche die Region Nordhessen tatsächlich erreicht, was nun sehr realistisch ist, wird es noch ruinöser. Schon heute, so Stefan Strube (Regionalbauernverband), werde „alles getan, dass sich das Tierseuchenvirus nicht verbreitet, aber die Gefahr ist groß“.

Noch sind in Deutschland keine Hausschweine infiziert, sondern ausschließlich Wildbestände. Aber die Wildschweinwanderungen werden zur Folge haben, dass die Verbreitung fortschreitet. Die Hygienemaßnahmen in den Ställen sind ausgefeilt, die sogenannte Biosicherheit ist in Deutschland hochentwickelt. Ein Übergreifen auf die Haltungen soll so ausgeschlossen werden.

Doch die Marktverwerfungen durch die Exportverluste sind existenzbedrohend, so Strube, „sie hat jeden Mäster schon jetzt richtig Geld gekostet“. Eine Erholung der Absatzmöglichkeiten werde wohl auf sich warten lassen, ob sechs Monate, ein Jahr oder mehr wisse derzeit niemand. Deutschland müsse seine Verhandlungsposition gegenüber China stärken und ausbauen. An den nationalen Handel appelliere man, sich fair zu verhalten.

Afrikanische Schweinepest: Landwirte leiden unter den Folgen

Der Präsident des Deutschen Bauernverbands Karsten Schmal hat sich deshalb jüngst an den Fleischerverband Hessen gewandt, die massive Preissenkung von 20 Cent pro Kilo Schweinefleisch sei unverhältnismäßig und auch nicht durch die von China, Japan und anderen Ländern verhängten Importstopps zu begründen, „sie treibt unsere Schweinehalter in den Ruin“. Die Metzger sollten ein starkes Zeichen der Solidarität mit den Schweinefleischerzeugern setzen. Hintergrund: Aktuell gibt es fürs Kilo 1,27 Euro. Zum Vergleich: Vor nicht allzu langer Zeit erhielten die Erzeuger noch um 1,70 Euro, so Stefan Strube.

Vizelandrat Jürgen Kaufmann nennt die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ASP bald auf den Wildtierbestand auch unserer Region überspringt. Dann müssten Sperrzonen eingerichtet werden, das Vieh aus diesen Bereichen wäre praktisch nicht mehr loszubekommen, sodass der wirtschaftliche Schaden extrem ausfallen würde, auch für die Kette der Beteiligten dahinter, vom Futtermittelproduzenten bis zum Metzger. Während ein betroffener Betrieb für die vorgeschriebene Keulung seiner Bestände entschädigt wird, gehen die Schweinehalter in der Nachbarschaft leer aus. Hygienemaßnahmen und die Dezimierung der Wildschweinbestände seien mithin die Gebote der Stunde.

Schwarzwildbestände müssen reduziert werden

Die Kreisjagdvereine sind hier voll im Boot. Elias Knell (Hubertus Ziegenhain) unterstreicht, dass die Jägerschaft darauf eingestellt ist, die Schwarzwildbestände weiter zu vermindern. „Vor allem gehen die Jäger mit noch offeneren Augen durch die Reviere.“ Es werde vermutlich ein Jäger sein, der den Erstfund eines an ASP verendeten Wildschweinkadavers an die Behörden zu melden hat. Trotz der Coronaeinschränkungen liege nun ein großes Augenmerk auf den Drückjagden, die im Oktober beginnen.

Jürgen Kaufmann verweist zum Schluss noch auf verblüffende Zahlen: Demnach wurden im Jagdjahr 1936/37 in ganz Deutschland gerade einmal 35 500 Wildschweine geschossen, zum Vergleich 2017/18 waren es 836 000. Es gebe mithin heute 23 mal so viele Wildschweine wie vor dem Zweiten Weltkrieg und das auf der verkleinerten Staatsfläche. Der Rotwildbestand sei hingegen lediglich 1,5 mal so hoch, der des Rehwildes zweimal so hoch.

Im Schwalm-Eder-Kreis bleibe übrigens die Gebühr für die Trichinenbeschau ausgesetzt, damit die Jägerschaft „nicht auch noch Geld mitbringen muss“. So verzichtet der Kreis jährlich auf Einnahmen von rund 45 000 Euro. Es sei einfach sinnvoll, das gute Fleisch auch anzubieten zum Verzehr. Fotos: Claudia Feser / Elias Knell

Von Anne Quehl

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