Familie Völker bewahrt ein uraltes Dokument auf

Vor 100 Jahren sandte Papst Benedigt XV einen Friedensapell: Ein Rückblick aus Oberaula

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Gott ist mit uns!: Auf dieser historischen Karte haben die Soldaten ihre Helme zum Gebet abgenommen. Auch diese Ansicht stammt aus der Sammlung von O. Schwalm, Ziegenhain. 

Oberaula. Am 1. August 1917 sandte Papst Benedikt XV. einen viel beachteten Friedensappell an alle kriegführenden Nationen, in dem er zu einem Frieden des „vollständigen und gegenseitigen Verzichts“ auf Reparationen und Annexionen aufforderte. 

Anlass genug zu fragen, wie sich die Kirchen generell während dieses Krieges verhalten haben.

In der Familie Völker in Oberaula wird ein Dokument bewahrt, „Grüße aus der Heimat für die Krieger des Kirchspiels Oberaula“ Nr. 4 vom Juni 1915, verfasst von den Seelsorgern Schuchardt und Kersting. In diesem Heimatblättchen wird der „Heldentod“ des Völkerschen Verwandten Vizefeldwebel Heinrich Kuhl aus Christerode mitgeteilt. Er war am 11. Mai 1915, ein Tag vor seinem 27. Geburtstag, seinen schweren Verletzungen an der Westfront erlegen.

Die Pastoren stellen ihre Botschaft unter einen Vers des Johannes-Evangeliums: „In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten“ (14,2). Sie versichern den Soldaten an den Fronten, dass die Heimat sie nicht vergessen habe und ihnen das Köstlichste biete, was sie zu geben vermag: „Gottes Wort aus heiliger Schrift in unserer deutschen Muttersprache.“ Angesprochen wird auch der Eintritt Italiens in den Krieg - „der schmähliche Verrat eines ehrlosen Volkes“ - , aber die Vermehrung der Feinde sei kein Grund für Mutlosigkeit, denn „Christus, der ist mein Leben, Sterben ist mein Gewinn, wenn das euer Glaube ist, dann seid ihr wohlgeborgen und habt den Frieden der Seele gefunden auch da, wo es Kugeln und Granaten regnet.“

Karte aus der Sammlung von O. Schwalm: „Gott der Gerechte“ wird Deutschland den Sieg schenken.

Der Opfertod Christi zur Befreiung von allen Sünden wird in problematischer Weise mit dem Sterben der Soldaten für Deutschlands zukünftige hegemoniale Rolle in Europa verknüpft: „Gerade die Besten, die Tüchtigsten müssen sich opfern, wenn die Welt und die Menschheit vorwärts kommen soll. (…) Mir nach, spricht Christus, unser Held, der selbst nach Darben und Dursten, nach Leiden und Kämpfen des Leibes und der Seele den vollen, ganzen Sieg davongetragen hat. Segnend soll dieser Christus Euch zur Seite stehen (…) und segnend will er die empfangen, die auf ihn trauend Treue halten bis in den Tod (…) sie haben nicht nur uns und unserem Vaterlande einen unschätzbaren Dienst erwiesen, sie haben auch für sich selbst sicherlich mehr gewonnen als verloren.“

Gefangene mussten arbeiten

Das schlichte Kirchenblättchen teilt weitere Gefallene mit: Konrad und Heinrich Diebel, die beide aus Weißenborn stammen, und Lehrer Georg Gluth, der wiederum aus Hausen kommt.

Vermisst werden Heinrich Koch, Hauptschwenda und Heinrich Bernhardt, Olberode.

Berichtet wird auch über die landwirtschaftlichen Arbeiten, die unter den gegebenen Umständen „eine starke Mehrbelastung“ bedeuteten.

Zu den bereits vorhandenen 30 Gefangenen seien aus dem Göttinger Lager weitere 40 in Oberaula untergebracht worden, die dort und in der Gemarkung Hausen zu Wegearbeiten herangezogen würden.

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