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Vor 60 Jahren: frostige Wetterverhältnisse sorgen für Aufruhr im Schwalm-Eder-Kreis

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Von: Jenny Breiding

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Historische Aufnahme aus den Schneewinter in 1963 von Lehrer Walter Sellmann, das er im Altkreis Ziegenhain machte: die Kellerwaldbahn fuhr 1963 in eine hohe Schneewehe und entgleiste. Archiv
Historische Aufnahme aus den Schneewinter in 1963 von Lehrer Walter Sellmann, das er im Altkreis Ziegenhain machte: die Kellerwaldbahn fuhr 1963 in eine hohe Schneewehe und entgleiste. Archiv © Walter Sellmann

Schneestürme, Eiseskälte, centimeterdicke Eisschichten auf den Straßen und jede Menge Chaos bewegten die Bürger und Bürgerinnen in der Schwalm.

Schwalm – Der diesjährige Winter lässt zu wünschen übrig. Untypisch warme Temperaturen, Regen, Dunkelheit – und kein Schnee in Sicht. Doch genau vor 60 Jahren sah es im Schwalm-Eder-Kreis und großen Teilen Deutschlands ganz anders aus: im Schneewinter 1963.

So etwas hat es bis heute kaum mehr gegeben – beim Deutschen Wetterdienst ist in einer Pressemitteilung die Rede vom „kältesten Winter seit 1881“. Diese berichtet zudem von einem gänzlich zugefrorenen Bodensee, der „zur größten Schlittschuhbahn“ Deutschlands wurde.

Das Bild zeigt die total eingeschneite Kreisstraße zwischen Jesberg und Densberg im Jahr 1962/63. Menschen versuchen, mit Schaufeln die Straße für den Verkehr freizubekommen. Das
Das Bild zeigt die total eingeschneite Kreisstraße zwischen Jesberg und Densberg im Jahr 1962/63. Menschen versuchen, mit Schaufeln die Straße für den Verkehr freizubekommen. Das ©  Archivfoto: Heimat- und Geschichtsverein Jesberg

Auch aus dem Altkreis Ziegenhain gibt es Aufnahmen dieses Rekordwinters. Der Lehrer Walter Sellmann aus Moischeid fotografierte damals die Kellerwaldbahn, die aufgrund der vielen Schneemengen entgleiste. Überall versuchten die Menschen, mit Schaufeln die Wege zu befreien. Auf den Straßen mussten die Schneepflüge ran. Schneeverwehungen hatten hier die Richtungen nach Michelsberg und Schwarzenborn „unpassierbar“ gemacht, wie die HNA berichtete.

„’General Winter’ hat ein strenges Regiment aufgezogen und denkt allem Anschein gar nicht daran, mildere Züge aufzusetzen“, heißt es in einem Artikel am 5. Januar 1963. In Treysa sind die eisigen Temperaturen schon im Dezember aufgezeichnet worden. „Trotz der Kälte, die nicht unbedingt zur Tradition des Marktes gehört“, besuchten die Menschen Ende des Jahres 1962 den Scherzmarkt in Treysa bei ungewöhnlich niedrigen Temperaturen, heißt es.

Zur Freude der Kinder blieb der Schnee eine ganze Zeit lang liegen. Stundenlanges Schneien sorgte für Schneedecken in undenkbaren Höhen. Auf einem Archivfoto sind zwei Kinder zu sehen, die vor lauter Schnee auf dem Auto ihres Vaters wie in einem Iglu saßen. Die Auswirkungen von Frost und Schnee stellten die Menschen dennoch vor Herausforderungen.

Die HNA spricht 1963 von einem drohenden Verkehrschaos im heutigen Schwalm-Eder-Kreis, Straßenwärter und andere Helfer seien bei immer weiter steigenden Schneehöhen ohne Pause im Einsatz gewesen. Zudem soll es Alarmdienste gegeben haben, die auch nachts bereit für den Einsatz waren.

Verschneite Allee mit einstigem Musikhäuschen in Fritzlar. Archiv
Verschneite Allee mit einstigem Musikhäuschen in Fritzlar. Archiv © ArchivFoto: Klaus Leise, Repro: Michael Brückmann

Die Berichte vom Januar 1963 zeugen weiter von starken Schneeverwehungen, die den Verkehr extrem behinderten. Vier Schneepflüge wurden benötigt, um das Chaos auf den Straßen in den Griff zu bekommen. Die sibirische Kälte, von der damals durchgängig die Rede war, hielt an, der Winter nahm kein Ende.

Diese Woche erreichten einige dicke Schneeflocken auch endlich die Schwalm. In kleineren Mengen und gepaart mit Sonnenschein kann Schnee bezeichnend schön für den Winter sein. Auch am Sonntag soll es wieder schneien. (Jenny Breiding)

Kontakt: Wenn sie, liebe Leser und Leserinnen, noch Fotos aus dem besonderen Schneewinter 1962/63 besitzen, senden sie uns diese gern an schwalmstadt@hna.de zu.

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