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Nach Tödlichen Schüssen in Schwalmstadt: Neue Details bekannt

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Von: Matthias Haaß

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Tatortabsperrung in Treysa (Schwalmstadt) am Aldi-Markt. Dort erschoss am Dienstag (7. Juni) ein Mann eine Frau und tötete sich anschließend selbst.
Tatortabsperrung in Treysa (Schwalmstadt) am Aldi-Markt. Dort erschoss am Dienstag (7. Juni) ein Mann eine Frau und tötete sich anschließend selbst. © Quehl, Anne

Nach der Tötung der 53-jährigen Schwalmstädterin sind auch drei Tage nach der Tat noch viele Fragen offen. Jetzt wurden weitere Informationen bekannt gegeben.

Schwalmstadt – Noch am Tattag hatte die Frau vormittags Anzeige gegen den 58-jährigen Täter – einen Mann aus dem Bereich Osnabrück – wegen Körperverletzung, Nötigung und Nachstellung erstattet. Wenige Stunden später fielen die tödlichen Schüsse in Schwalmstadt.

In der Nacht zuvor hatte die Polizei dem Mann in der Wohnung des Opfers einen Platzverweis erteilt. Von November 2021 bis Februar 2022 sollen die beiden eine Beziehung gehabt haben. Wann die Ermittlungen in dem Fall abgeschlossen sein werden, ist noch nicht absehbar.

Die Pressemitteilung von Staatsanwaltschaft und Polizei (HNA berichtete) brachte am Mittwoch zwar etwas Licht in den konkreten Tatverlauf, ließ aber viele Details zum Täter offen. Auch wie Aldi (Nord) mit dem Vorfall umgeht, war bislang noch nicht öffentlich bekannt. Wir fragten nach:

Mord in Aldi-Supermarkt in Schwalmstadt: Schütze im Besitz illegaler Waffe

Blick durch die Glasfassade: Hier erschießt ein Mann am Dienstag (7. Juni) zuerst eine Frau und dann sich selbst.
Blick durch die Glasfassade: Hier erschießt ein Mann am Dienstag (7. Juni) zuerst eine Frau und dann sich selbst. © Anne Quehl

War die Waffe im legalen Besitz des Täters?

Nein. Der Mann hatte nach Angaben der Staatsanwaltschaft Marburg keine waffenrechtliche Erlaubnis.

Woher stammt die Waffe des Todesschützen?

Wie der 58-jährige Mann aus dem Landkreis Osnabrück an die Waffe kam, sei Gegenstand der Ermittlungen, sagte der Sprecher gegenüber unsere Zeitung.

Wie oft wurde geschossen?

Laut Staatsanwaltschaft hat der 58-Jährige in dem Discounter vier Schüsse auf die Frau abgefeuert, bevor er sich mit einem Kopfschuss selbst umbrachte.

War der Polizei vor der Tat bekannt, dass der Täter im Besitz einer Waffe war? Und wenn ja: Warum wurde dem Mann die Waffe nicht abgenommen?

Da es sich um eine illegale Waffe handelte, war der Polizei nicht bekannt, dass der Mann im Besitz einer Waffe war.

Um was für eine Waffe handelte es sich?

Wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft gegenüber der HNA erklärte, nutzte der 58-Jährige für seine Tat eine Pistole des belgischen Herstellers Fabrique Nationale Herstal (FN). Bei einer Pistole wird die Munition in einem Magazin geladen, sodass es möglich ist, innerhalb kurzer Zeit mehrmals zu schießen. Die Menge der mitgeführten Munition ist dabei in der Regel größer als bei einem Revolver.

Wann hatte der Aldi-Markt wieder geöffnet?

Der Geschäftsbetrieb im Aldi an der Wieraer Straße ging am Mittwoch weiter.

Wurde das zur Tatzeit anwesende Personal beurlaubt?

Man sei noch immer schockiert und fassungslos, so ein Aldi-Sprecher gegenüber der HNA-Redaktion: „Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen und Freunden des Opfers.“ Natürlich haben man die am Tattag anwesenden Mitarbeiter vorläufig freigestellt, damit sie das Erlebte verarbeiten können, so der Sprecher weiter.

Woher kommt das Ersatzpersonal?

Das Ersatzpersonal kommt aus anderen Aldimärkten. „Seitens der Kolleginnen und Kollegen unserer Regionalgesellschaft und auch darüber hinaus haben wir eine Welle der Solidarität und Anteilnahme erlebt, die mich sehr bewegt hat“, sagt Michael Herbst, Geschäftsführer der für den Markt in Schwalmstadt zuständigen Aldi-Regionalgesellschaft in Hann. Münden. So hätten sich kurzfristig zahlreiche Mitarbeiter anderer Aldimärkte gemeldet, um übergangsweise für das Filialteam aus Schwalmstadt einzuspringen, sagt Herbst. „Dieses Wir-Gefühl der ALDIaner macht mich wirklich stolz“, sagt Herbst.

Bietet Aldi den Mitarbeitern psychologische Betreuung an?

Ja. Die Mitarbeiter, die am Tattag im Markt gearbeitet haben, wurden laut Aldi-Sprecher medizinisch und bis heute psychologisch und seelsorgerisch betreut.

Wie kann man sich in einer solchen extremen Situation verhalten?

Auf keinem Fall den Helden spielen, ist der eindringliche Rat eines Pressesprechers der Polizei Schwalm-Eder. Sofort den Notruf über 110 absetzen und auf die Fragen des Disponenten in der Notrufzentrale antworten. Je schneller die Polizei von dem Vorfall weiß, desto schneller sind Beamte vor Ort. Ruhe bewahren und sich selbst und andere, wenn möglich, in Sicherheit bringen.

Bei der Tat handelte sich um eine Beziehungstat. Fachleute sprechen von einem Femizid. Was versteht man darunter?

Der Begriff Femizid kommt aus dem Englischen (Femicide) und wurde von der Soziologin Diana Russel entwickelt. Vereinfacht gesagt bedeutet es, dass Männer Frauen vorsätzlich töten, nur weil sie Frauen sind. Für 2020 zählt das BKA 139 Femizide, jeden dritten Tag einen. (Matthias Haaß)

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