Die Berliner Formation The Balkonians gastierte am Samstagabend in der Hospitalkapelle in Treysa

Wahrer Rausch der Melodien

Spielfreude, die begeisterte: The Balkonians, das sind von links Markus Renner, Jenka Bühler und Mike Membury, genossen die Atmosphäre in der Hospitalskapelle. Foto: Decker

Treysa. Zum ersten Konzert der neuen Saison von Kultur vor Ort traten am Samstagabend drei Musiker aus Berlin in der Hospitalkapelle auf. Die Berliner Formation The Balkonians präsentierten gut gelaunt eine bunte Mischung aus Folk, Klezmer, Gypsy und Balkanmusik. Eine Reise von West nach Ost und auch wieder zurück versprachen die Musiker.

Bereits beim ersten französischen Lied „Bouree“ zeigte Markus Renner die große Bandbreite seines Cellos. Er zupfte und strich nicht nur die Saiten, sondern verwandelte sein Instrument in ein kleines Schlagzeug. Gitarrist Mike Hembury freute sich über den herzlichen Empfang in Treysa und über die besondere Atmosphäre in der Hospitalkapelle: „Eine so tolle location haben wir noch nie gehabt.“ Das fröhliche Klezmer-Stück „Kolomeyke“ ließ erahnen, mit wie viel Freude und überschwänglicher Begeisterung so einige jüdische Feste gefeiert werden. Den schwierigen, aber souverän gemeisterten Solopart des Cellisten belohnte das Publikum mit einem Zwischenapplaus.

Zum Tanzen lud das polnische Kreistanzlied Dikanda ein, doch blieben die rund 50 Zuhörer brav auf ihren Sitzen. Nur die Beine und Arme wippten im Takt. Die sichtbare Freude der drei Musiker am eigenen Spiel sprang auf das Publikum über.

Doch auch traurige Musik - wie das griechische Klagelied „Pelago“ - sprach die Zuhörer an. Jenka Bühler am Sopransaxophon gab mit ihren feinen Tönen der Mutter, die ihren Sohn im Krieg verloren hat, eine drängende verzweifelte Stimme. Beim rumänischen Lied „Ze Dode“ gab Mike Hembury mit seinen schnellen Schlag- und Zupfrhythmen das Tempo vor, dem sich Cello und Saxophon anpassten.

So zauberten die drei Musiker einen wahren Rausch der Melodien. Mit kleinen Erklärungen moderierte Mike Hembury den Abend, nach der Pause nicht nur in deutsch, sondern auch in englisch, da im Publikum einige Flüchtlinge saßen.

Zu einer sprachlichen Herausforderung wurde das französische Lied „Perce Oreille“. Perce Oreille heiße Ohrenkneifer, so Hembury, meine aber im deutschen den Ohrwurm, also ein Lied, welches sich im Kopf des Hörers festsetze. Seine englische Übersetzung dieser spezifischen Wortbedeutung fiel zwar etwas länger aus, dafür aber auf fruchtbaren Boden, denn mit einem Lachen zeigten die Flüchtlinge, das sie verstanden hatten.

Die bunte fröhliche Reise von West nach Ost und wieder zurück endete zwei Stunden. Das Publikum belohnte mit einem lauten, nicht enden wollenden Applaus und die drei Berliner Künstler bedankten sich mit zwei Zugaben bei ihren Zuhörern.

Von Christiane Decker

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