Im Landkreis blieb der Sirenenalarm aus

Bevölkerungsschutz: Warnung kam bisher zu kurz

Sirene auf dem Dach des Feuerwehrhaus in Todenhausen
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Sirene auf einem Feuerwehrhaus

Im Schwalm-Eder-Kreis gibt es rund 350 Sirenen. Sie dienen seit dem Ende des Kalten Krieges überwiegend der Alarmierung der Feuerwehr. Da die Sirenen derzeit nur Feueralarm auslösen können, werden im Landkreis am Bundeswarntag keine Sirenen heulen.

Das hätte nicht nur bei der Bevölkerung Verwirrung stiften können, auch so mancher Feuerwehrangehörige hätte heute um 11 Uhr wohl nicht mit einer Funktionsprobe gerrechnet und wäre zum Feuerwehrhaus geeilt, erklärt Kreispressesprecher Stephan Bürger den Hintergrund.

Wer am heutigen Donnerstag in Kassel ist, bekommt den eindringlichen Warnton aber zu hören und braucht sich nicht zu erschrecken. Die Stadt hat angekündigt, ihre Sirenen zu testen. Da es in Kassel auch Hochleistungssirenen gibt, wird man je nach Wetterlage auch in Teilen des Schwalm-Eder-Kreises das Heulen von Sirenen wahrnehmen können.

Sirenen: Bund war im Kalten Krieg Eigentümer

Bis Mitte der 1990er Jahre war der Bund Eigentümer des Sirenennetzes. Die Sirenen wurden vom Bund in erster Linie für die Warnung im Verteidigungsfall vorgehalten. Jede Sirene war mit einem Telefonschluss gekoppelt, für den der Bund auch die Kosten getragen hat. Über das Telefonnetz konnten die Sirenen bundesweit zentral oder auch auf bestimmte Regionen begrenzt ausgelöst werden.

Für Hessen zuständig war das Warnamt VI in Usingen. Regelmäßig wurden einmal im Jahr die Sirenen von dort aus über das Telefonnetz zur Probe ausgelöst. Der einminütige auf- und abschwellende Heulton (Warnung) und der einminütige Dauerton (Entwarnung) waren dann bundesweit zu hören. Die Bedeutung der Sirenensignale stand sogar in Telefonbüchern.

Der Bund hatte den Gemeinden schon sehr früh gestattet, die Sirenen auch für die Alarmierung ihrer Feuerwehren zu nutzen und zusätzlich zum Telefonanschluss mit einem Funkempfänger auszustatten, der von den Leitstellen angesteuert wurde und immer noch wird. Im Alarmierungsfall hört man 45 Sekunden lang dreimal hintereinander das Signal, jeweils kurz unterbrochen.

Die Ausrüstung der Sirenen mit dieser Funktechnik erfolgte ab den 1970er Jahren und habe im Grunde bis heute Bestand, erklärt Kreispressesprecher Stephan Bürger.

Sirenen: Terroranschläge führten zum Umdenken

Mit dem Ende des Kalten Krieges hat der Bund nicht nur die militärische Verteidigung zurückgefahren, sondern auch die sogenannte zivile Verteidigung. An allen Enden und Ecken wurde gespart. Die Warnämter wurden Mitte der 1990er aufgelöst, das Telefonnetz für die Ansteuerung der Sirenen gekündigt und die Sirenen selbst den Städten und Gemeinden kostenlos überlassen. Die Kommunen waren somit nicht nur Eigentümer der Sirenen, sie mussten auch die laufenden Kosten tragen. Nicht alle Gemeinden waren über das Geschenk glücklich, sodass insbesondere in Städten das Sirenennetz massiv ausgedünnt wurde. Erst in den vergangenen Jahren – verstärkt nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 – erleben die Warnalagen eine Renaissance, neue Anlagen wurden aufgebaut, alte repariert – auf dem flachen Land waren sie ohnehin nie ganz verschwunden, dienen sie doch dort der Alarmierung der Feuerwehr.

Gerade vor dem Hintergrund des Klimawandels wird die Bevölkerungswarnung an Bedeutung gewinnen. Das Problem: Für die Auslösung der Sirenen stehen seit etwa 25 Jahren nur die analogen Funkempfänger zur Verfügung. Die Umrüstung auf digitale Steuergeräte laufe aber gerade an, so Bürger.

Von Matthias Haass

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