Stadtgeschichtlicher Arbeitskreis dokumentierte Verlauf der historische Wasserleitung

Wasser für die ganze Stadt

Mit Johannismann: Der Stadtgeschichtliche Arbeitskreis Treysa arbeitete den Verlauf der historischen Wasserleitung nach. Auf dem Foto ist der Marktkumpf in Treysa zu sehen.

Treysa. Mitte der 1980er-Jahre wurde der Verlauf des Treysaer Wassergrabens zum ersten Mal untersucht und dokumentiert: Bernd Raubert, Vorsitzender des Stadtgeschichtlichen Arbeitskreises, stand 1989 in regelmäßigem Kontakt zum Landesamt für Denkmalpflege.

Schon damals beschäftigte man sich mit dem Weiterbau der A49. „Ein Großteil der historischen Wasserleitung beziehungsweise des Grabensystems ist heute noch erhalten, viele Abschnitte sind aber schlicht nicht mehr feststellbar“, erklärt Raubert. Das Wasserversorgungssystems Treysas wurde im Mittelalter erbaut und erdacht. Denn obwohl viele Brunnen gegraben worden war, so gelang es doch nicht, die Oberstadt ausreichend mit Wasser zu versorgen.

Vom Katzenbach gespeist entstand ein Graben entlang der Höhenlinie bis nach Treysa. Unterhalb Sachsenhausens befand sich eine Ableitungsstelle, deren Wasserzufluss mittels einer Staustufe reguliert wurde. Über ein Grabensystem gelangte das Wasser dann bis zum Büttenteich, einem flachen Sammelteich, der südwestlich des Altstadtberges, etwa auf der Höhe Hephatas lag. Dort wurde das Wasser von der damals ansässigen Papiermühle – später war es das Haus Nazareth – benötigt. „Aus dem künstlich angelegten Teich wurde das Wasser in hölzernen Wasserleitungsröhren auf den 8,20 Meter tiefer liegenden Altstadtberg geleitet. Damit konnte man das Tal mittels es artesischen Prinzips überwinden“, erläutert der Stadtgeschichtler.

Einige dieser hölzernen Röhren sind noch erhalten und gehören zur Sammlung des Stadtgeschichtlichen Arbeitskreises. Bis in das 19. Jahrhundert wurden die Röhren in Treysa hergestellt. „Auch, um die Instandhaltung der Wasserleitung gewährleisten zu können“, erklärt Raubert.

Aus Frankenhainer Wäldern

Das Buchenholz wurde aus dem herrschaftlichen Wäldern bei Frankenhain bezogen. Die Bearbeitung der so genannten „Röhrenheister“ erfolgte in einem speziellen Bohrhäuschen am Roten Rain. Dort wurden die Röhren zugeschnitten, die Teilstücke waren bis zu zweieinhalb Meter lang, und und mithilfe einer wasserbetriebenen Mühle gebohrt. Das Wasser sprudelte in der Oberstadt aus drei Kümpfen, dem Brau-, dem Strauch- und dem Marktkumpf mit dem Johannismännchen. Der Marktkumpf wurde 1949 bei der Umgestaltung des Platzes an seine heutige Stelle versetzt.

Der Wassergraben bildete gleichzeitig die Gemarkungsgrenze zwischen Treysa und Frankenhain. Die Hugenottensiedlung, 1701 gegründet, bekam von Landgraf Karl die Erlaubnis, ihren Wasserbedarf aus dem Graben entnehmen zu dürfen. „Zur Unterhaltung der gesamten Anlage waren über die Jahrhunderte Wasserleiter im Dienste der Stadt beschäftigt“, erklärt Bernd Raubert.

Seit der Ersterwähnung 1423 oblag ihnen die Aufgabe den etwa acht Kilometer langen Graben und die 1,4 Kilometer lange Röhrenleitung Instand zu halten. Besonders im Frühjahr war die Arbeit wichtig: Häufig hatte Schmelzwasser die künstlichen Dämme zerstört, sie mussten wieder hergestellt werden. Mit dem Bau des Wasserwerks 1905 wurde die historische Wasserversorgung überflüssig.

Größere Teile des Grabens seien in der Folgezeit eingeebnet worden, sagt der Geschichtsexperte. Damit verschwanden sie zunächst auch aus der Topografie. Erst Mitte der 1980er-Jahre wurde das ehemalige Grabensystem mittels alter Karten nachgezeichnet und vom Arbeitskreis aus Ausstellung dokumentiert und konzipiert.

Von Sandra Rose

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