Marven Graf stellt in der Kunsthalle aus

Weisheiten vom schönen Schein

Ausstellung zum Abschluss: Kurator Berndhard Balkenhol mit Künstlerin Marven Graf. Foto: Rose

Willingshausen. „Schiehed vergedd, Agga bestedd“ ist der Titel der 41. Stipendiaten-Ausstellung in Willingshausen. Ausgerechnet eine alte Bauernweisheit in Schwälmer Platt hat sich Marven Graf für ihre Arbeit ausgesucht. Dass dahinter viel mehr steckt, als die Übersetzung, beweist die Künstlerin in ihrer Abschluss-Ausstellung, die am Freitagabend vor viel Publikum in der Kunsthalle eröffnet wurde.

Für Graf steckte hinter dieser schlichten Weisheit viel Raum, in erster Linie künstlerischer Spielraum. Sie begab sich auf die Suche nach dem Verständnis von Schönheit - in Willingshausen. Kurator Bernhard Balkenhol lenkte den Blick auf ihre Recherche, ihre Arbeit, ihre Ziele.

Natürlich entdecke sie auch in der traditionellen Schwälmer Tracht Verbindlichkeiten von Schönheit. So habe sich der Stolz der Frauen nicht nur in ihrem Auftreten, ihrer Persönlichkeit gezeigt, sondern sei auch in der Tracht ablesbar gewesen: Unter dem Unterkleid, den zehn Röcken, der Bluse, der Weste, dem Jäckchen, dem Brett, dem Tuch und der Schürze habe sich auch immer ein sogenannter stolzer Strumpf befunden.

Dass die Schwälmer Tracht ihre Anmut und Schönheit selbst heute nicht verliere, zeige die Künstlerin etwa in Modefotografien, auf denen die 14-jährige Antonia Lohrey zu sehen sei. „Früher war die eigentliche Person unter der Tracht kaum noch zu sehen, wurde quasi überschrieben. Heute ist Tracht das Gegenteil: ein exotisches Dekor zu Festlichkeiten.“

Einzig die stimulierende Hintergrundmusik fehle. Dafür habe Graf eine Soundcollage angefertigt - mit Seufzern Willingshäuser Frauen. „Als Ausdruck einer Sehnsucht, einer Resignation“, erklärte Balkenhol. „Hier bricht sie mit dem schönen Schein.“ (zsr)

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