Klassen für Jugendliche ohne Hauptschulabschluss bieten jungen Flüchtlingen gute Entwicklungsmöglichkeiten

„Wer will, schafft es hier auch“

Gemeinsam vorwärts mit PuSch - Praxis und Schule: Von links Sofia (16) aus Frielendorf, Schulleiter Ralf Klinder, Sharif (16) aus Afghanistan, Yasmin (18) aus dem Iran, Vize-Schulleiterin Simone Gläser und Sebastian (17) aus Jesberg. Fotos:  Quehl

Ziegenhain. Sharif ist 16. Seit sechs Monaten ist er in Deutschland. In Afghanistan, wo er geboren wurde, besuchte er sieben Jahre die Schule. Jetzt muss der Junge, der ganz allein auf die Flucht ging und heute in Homberg in einer Wohngruppe lebt, von vorn anfangen, jedenfalls was die Sprache angeht.

Sharif will lernen, und das wird er auch, ist sich Schulleiter Ralf Klinder sicher, „in einem Jahr spricht er recht gut Deutsch“. Das zeigen die Erfahrungen, sagt Klinder, „wenn einer will, dann hat er in einer Klasse wie dieser wirklich Chancen“. Der Pädagoge weiß, dass gemeinsame Interessen der Schlüssel sind, „das bringt am meisten“.

Berufsbezogen: Sharifs Klasse ist eine von zwei „PuSch“-Klassen des Jahrgangs an den Beruflichen Schulen in Ziegenhain. PuSch, das steht für Praxis und Schule, denn für alle gilt, dass berufsbezogene Elemente im Unterricht und in Betrieben dazu gehören. Nur Sharif wird zu Anfang in den Phasen, in denen seine Mitschüler Blockpraktika absolvieren, intensiven Deutschunterricht bekommen.

Voneinander lernen: Doch das Allerwichtigste sind für den 16-Jährigen jetzt seine Klassenkameraden. Da ist vor allem Yasmin (18) aus dem Iran. Sie versteht Sharifs Sprache recht gut, übersetzt für ihn. Auch gegenüber den Muttersprachlern in seiner Klasse taut Sharif nun allmählich auf, manchmal läuft die Verständigung noch mit Mimik und Gestik, „das ist doch ganz normal“, sagt Sofia aus Frielendorf, „man lernt da Deutsch, wo Deutsch gesprochen wird“. Spaß an den Dingen, die in der Klasse gemeinsam getan werden, hat auch Sebastian (17) aus Jesberg.

„Man lernt da Deutsch, wo Deutsch gesprochen wird.“

Sofia (16)

Wege zum Abschluss: Zum Beispiel am Kochen und Backen in der großen Lehrküche. Sharif hat mitgearbeitet. Schmeckt ihm die Pizza? Ja, der junge Afghane lacht. Allerdings will er lieber in die Computer-AG wechseln, denn Sharif möchte Elektriker werden. Dafür stehen die Chancen nicht schlecht, meint Vize-Schulleiterin Simone Gläser: „Wer will, schafft hier einen qualifizierten Schulabschluss, nach oben ist alles offen.“

Von Anne Quehl

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