Willingshausen und Oberaula

Adel in der Schwalm: Zwei alte Familien stellen sich vor

Die Burg Schweinsberg in Stadtallendorf, früher Sitz der Familie von Schenck zu Schweinsberg. Heute dürfen auch Bürgerliche hier wohnen.
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Die Burg Schweinsberg in Stadtallendorf, früher Sitz der Familie von Schenck zu Schweinsberg. Heute dürfen auch Bürgerliche hier wohnen.

Bekannt sind die Windsors aus England oder das Haus Bourbon-Anjou aus Spanien. Doch auch im südlichen Schwalm-Eder-Kreis sind Adelsgeschlechter ansässig. Wir sprachen mit zwei ihrer Vertreter.

Schwalm – Wenn man vom Adel spricht, schwirren einem so einige Gedanken und Klischees durch den Kopf. Doch was davon stimmt und wie lebt der Adel eigentlich heute?

Willingshausen

Dominic von Schwertzell lebt mit seiner Familie im Schloss Willingshausen. Das Schloss ist immer noch Privateigentum der Familie, doch manchmal stellt er den Schlossgarten und Hof auch für öffentliche Veranstaltungen zur Verfügung.

Auch wenn er in einem Schloss wohne und einen Adelstitel habe, sei der Name kein Privileg, sondern am Ende nur ein normaler Familienname, so von Schwertzell. Seine Familie zählt zum hessischen Uradel und wurde das erste Mal bereits im 11. Jahrhundert urkundlich erwähnt.

Dominic von Schwertzell im Park vor dem Schloss Willingshausen, in dem er mit seiner Familie lebt.

Zwar ist kein Gründungsdatum der Familie bekannt, dennoch weiß man, dass sie schon sehr früh in ihrer Geschichte eine Lehnsfunktion in Willingshausen erfüllte. „Was heute die Bürgermeister sind, waren früher die Freiherren“, erzählt von Schwertzell.

Generell erzeuge sein Nachname immer irgendwelche Reaktionen des Gegenübers. Ob positiv oder negativ, das sei von Person zu Person unterschiedlich.

Oberaula

Auch die Familie Schenck zu Schweinsberg gehört zum hessischen Uradel und wurde das erste Mal im 12. Jahrhundert urkundlich erwähnt, weiß Donata Freifrau Schenck zu Schweinsberg. Ihre Familie diente damals den Landgrafen von Ziegenhain und Hessen. Auch agierten Familienmitglieder als Vormünder der minderjährigen Landgrafen von Hessen.

Die Burg Schweinsberg im gleichnamigen Ort bei Stadtallendorf befindet sich noch heute im Besitz der Familie. Mittlerweile ist sie allerdings in Eigentumswohnungen aufgeteilt, in denen auch Nicht-Familienmitglieder leben dürfen.

Außerdem gehören Wälder zum Familienbesitz der Schencks zu Schweinsberg. Durch die Erbteilung innerhalb der Familie werden diese aber immer kleiner, sodass man nicht mehr alleine von der Bewirtschaftung leben kann. Daher gehen die meisten Familienmitglieder auch ganz normalen beruflichen Tätigkeiten nach.

Schon gewusst?

  • dass der deutsche Adelsstand am 11. August 1919 offiziell abgeschafft wurde. Dennoch bildet er bis heute eine privilegierte und relativ geschlossene Gesellschaftsschicht.
    Außerdem durften die Mitglieder der Familien bis heute ihre Titel behalten.
  • dass in vielen Adelsfamilien die männlichen Vornamen weitergegeben werden. Um die Familienmitglieder zu unterscheiden, werden Nummern an die Vornamen gehängt. Auch Zweitnamen werden durch die Generationen der Adelsfamilien getragen.
  • dass der Adelstitel nur durch die Männer der Familie weitergegeben werden kann. Adelige Männer können ihren Titel bei einer Heirat also an bürgerliche Frauen weitergeben. Adeligen Frauen ist dieses Recht verwehrt.

Hessische Ritterschaft

Die Hessische Ritterschaft war früher eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Heute ist sie ein nicht rechtsfähiger Verein, aus dessen Mitgliedern sich das Management des ritterschaftlichen Stifts Kaufungen seit 1532 rekrutiert, so Donata Freifrau Schenck zu Schweinsberg. Die Zugehörigkeit zur Ritterschaft und zum Stift Kaufungen dient außerdem als Identifikationspunkt des hessischen Adels. In ihr werden persönliche Kontakte gepflegt und es finden Veranstaltungen und Vorträge statt. Die wichtigste Aufgabe sei, laut Dominic von Schwertzell, das soziale Engagement. Als Stiftungsziel wolle man vor allem jungen Menschen unter die Arme greifen und sie bei ihrer Ausbildung unterstützen. 

Ein Leben im Dienste des Ehrenamtes

Oberaula – Für die 70-jährige Donata Freifrau Schenck zu Schweinsberg ist ehrenamtliches Engagement mittlerweile einer ihrer Lebensmittelpunkte.

So fülle sie mindestens sechs verschiedene Ehrenämter aus. Unter anderem engagiere sie sich für einen Seniorenstift und den Verein Maisha, der afrikanische Migrantinnen und Migranten in Deutschland unterstützt, so Schenck zu Schweinsberg.

Außerdem ist sie noch immer für das Deutsche Rote Kreuz (DRK) in Fulda tätig. Hier hilft sie in Testzentren, bei Corona-Impfungen oder auch bei der Versorgung von Geflüchteten mit. „Gerade auf dem Land will man den Menschen etwas zurückgeben“, sagt sie.

Doch recht geerdete, aber auch wichtige Aufgaben, wenn man bedenkt, dass die Freifrau elf Jahre als Vizepräsidentin des DRKs tätig war. Diese Zeit beschreibt sie als herausfordernd, aber auch äußerst spannend.

Meistens musste sie unter der Woche um 5 Uhr morgens aufstehen, um den Zug in Richtung Berlin zu erwischen. Dort saß sie, in der Rolle als Vizepräsidentin, in vielen unterschiedlichen Gremien. Von politischen über gesellschaftliche und soziale Themen bearbeitete sie hier alles. Oft besuchte sie auf Auswärtsterminen aber auch Flüchtlingscamps oder reiste ins Ausland, um Menschen bei Naturkatastrophen zu unterstützen. Da die Wochen zu dieser Zeit immer recht kräfteraubend waren, verbrachte sie ihre Wochenenden gerne auf dem Land.

Dort konnte sie ihren Garten pflegen, frische Luft schnappen und die Zeit mit ihrer Familie genießen, erzählt die Freifrau.

Aufgewachsen und geboren ist Donata Schenck zu Schweinsberg in OberaulaHausen. Zu dieser Zeit hieß sie allerdings noch Freiin von Dörnberg.

Für ihre Ausbildung zur staatlich geprüften Sozialpädagogin zog es sie dann nach Kassel und Marburg. Danach lebte sie erst einmal für 34 Jahre in Wuppertal, wo auch ihre Kinder zur Welt kamen. Die Liebe zu Nordhessen und ihrer Heimat Oberaula-Hausen blieb allerdings bestehen, sodass sie nach der Pensionierung ihres Mannes zurückzog.

Mittlerweile unternimmt sie in den Ferien am liebsten etwas mit ihren elf Enkeln. Auch die Gartenarbeit ist ihr in ihrer Freizeit wichtig. So pflanzt sie Tomaten an und kocht eigene Marmelade ein. „So wie es eben viele Menschen auf dem Lande machen“, sagt sie. Obwohl es viele Vorurteile über den Adel gibt, hatte Freifrau Schenck zu Schweinsberg bis jetzt keine wirklichen Probleme in der Öffentlichkeit. Meistens sei sie aber auch „undercover“ unterwegs und würde den Nachnamen nicht an die große Glocke hängen.

In ihrer Rolle als Vizepräsidentin lernte sich aber auch Personen aus noch höheren Adelskreisen kennen. Zum Beispiel sei sie mit der Schwester von Beatrix der Niederlanden befreundet. Aber auch zum spanischen Königshaus und zum Hause Liechtenstein pflege sie bis heute Kontakte. (Jakob von Sass)

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