Kreative Kraft

Alte Räder, neuer Zaun: Thomas Schäfer macht Schrott zu Kunst

Der finale Schliff erfolgt in der Werkstatt des Willingshäusers, hier streicht er ein altes Fahrrad, das als Kunstobjekt für den Garten gedacht ist.
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Der finale Schliff erfolgt in der Werkstatt des Willingshäusers, hier streicht er ein altes Fahrrad, das als Kunstobjekt für den Garten gedacht ist.

In unserer Serie stellen wir Menschen aus der Schwalm vor, die gerne kreativ sind und aus der Handarbeit Kraft schöpfen. So wie Thomas Schäfer aus Willingshausen.

Willingshausen – Alles in seinem Zuhause mutet künstlerisch an – das Gespür fürs Kreative scheint Thomas Schäfer im Blut zu liegen. Und wer ihn besucht, weiß nicht, welches Objekt er zuerst bestaunen soll: die selbstgebaute Theke im Eingangsbereich oder die vielen individuellen Metallgegenstände in den Regalen. Der 48-jährige Willingshäuser ist gelernter Industriemechaniker und arbeitet im Drei-Schicht-Modell in einem Lauterbacher Sägewerk. Ein gewisses handwerkliches Talent ist also schon einmal nicht von der Hand zu weisen.

Seit zehn Jahren allerdings hat er zusätzlich zum Beruf ein Nebengewerbe angemeldet, um mit seinem Hobby und den Kunstobjekten, die daraus entstehen, auch anderen eine Freude machen zu können. Schweißgeräte, eine Flex, Bohrmaschinen – Schäfers Werkstatt im ehemaligen Stall des Wohnhauses ist gut bestückt. Dort kann er sich an Hufeisen, Ketten, Stangen, altem Besteck oder vermeintlichen Schrottgegenständen bedienen. „Ich sehe eine Fettpresse oder einen Fleischwolf und weiß sofort, welches Objekt daraus werden könnte“, fasst der Schwälmer Single seine künstlerische Gabe zusammen. „Manchmal bin ich betrübt und befinde mich in einem Kreativloch. Das Einzige, was dann hilft, ist der Gang in die Werkstatt“, sagt er.

Originell: Der selbstgebaute, 15 Meter lange Zaun aus Metallschrott ist Thomas Schäfers ganzer Stolz. Zwei Sommer lang hat der Bau gedauert.

Aus Altem etwas Neues zu machen, fasziniert Schäfer: Vom Schrott-Cowboy über seine „berühmten Schafe“, die Garteneulen bis hin zum Motorrad ist jedes Teil absolut einzigartig. Besonders stolz ist der Willingshäuser auf seinen Zaun aus alten Fahrrädern und Zahnradgetrieben. Auf einer Länge von ungefähr fünfzehn Metern fasst der Zaun den hinteren Teil des Hausgartens ein. Alle dafür verwendeten Schrottelemente wurden vor der Installation händisch weiß gestrichen, damit sie auch komplett witterungsbeständig sind. Dann hat Schäfer sie stimmig arrangiert. Selbst die Ketten der alten Räder wurden wiederverwertet. Zwei Sommer gingen für das Werk ins Land.

Schäfer betreibt quasi modernes Schrott-Upcycling. Investiert hat er bisher keinen Cent in seine Werkstoffe. „Das sind alles Geschenke; entweder aus der Schrotttonne meines Arbeitgebers – natürlich in Absprache – oder von Menschen, die mir die Sachen anonym vor die Werkstatttüre stellen, weil sie wissen, dass ich garantiert etwas damit anfangen kann. Auch Freunde sammeln extra für mich.“ Ganz besonders gern fertigt Schäfer individuelle Kundenwünsche an. Je spezieller umso besser. So beispielsweise das Geschenk für seine Mutter: In der Werkstatt steht ein weiß gestrichenes, edel anmutendes Fahrrad. An die Vorderseite des Rades hat der Willingshäuser ein Tablett angebracht. Auf dieses soll ein Schild installiert werden mit der Bezeichnung „Velotheke“. Wenn das Rad fertiggestellt ist, soll es in Mutters Garten stehen.

Auch als Kursleiter ist Thomas Schäfer mittlerweile aktiv und vermittelt die Grundfertigkeiten. Coronabedingt finden aktuell aber keine Kurse statt. Kontakt: Tel. 01520 / 9122738, E-Mail an unikatom@gmail.com oder über die Homepage: www.unikato.net. (Vanessa Schnücker)

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