Blick auf die Menschen seiner Zeit

Begegnungen in Merzhausen: Bildern von Wilhelm Weber-Gaul

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Annels Schnücker im Weber-Gaul-Porträt.

Mit der Ausstellung Begegnungen in Merzhausen von Wilhelm Weber-Gaul startet die Kunsthalle in das neue Jahr, traditionell mit Werken eines Schwälmer Künstlers.

Entsprechen groß war die Resonanz bei der Ausstellungseröffnung am Samstagnachmittag.

Heiner Hoffmann (78), der seine Kindheit in Merzhausen verbrachte, führte das Publikum in die Ausstellung ein. Der Architekt und Zeichner, der viele Jahre in England und zuletzt an der Technischen Universität Aachen als Professor für Bildnerische Gestaltung lehrte und selbst vor einiger Zeit in der Kunsthalle ausstellte, war eigens aus Belgien angereist. 

Hoffmann zeichnete Wilhelm Weber-Gauls Malerei nach

Anhand eines großen Skizzenblocks zeichnete er Strich für Strich nach, wie sich Wilhelm Weber-Gaul der Malerei genähert haben könnte. Das war so anschaulich und einprägsam, dass er spontanen Beifall erntete. Denn über Wilhelm Weber-Gaul, den Invaliden der Kavallerie, der in den Wirren des Zweiten Weltkriegs nach Merzhausen kam, gibt es keinerlei Aufzeichnungen über sein Leben und Werk. 

Als Invalide mit nur einem Arm begann er zu malen - mit links. Ein Amateur und Autodidakt, der 1942 im Alter von 50 Jahren wohl inspiriert von der Willingshäuser Malerkolonie mit dem Malen begann, um sich ein Zubrot zu verdienen. Der mit Eiern, Mehl und Milch entlohnt wurde, der weder ein eigenes Atelier besaß noch jemals eine Kunsthochschule besuchte.

Es ist so, als hätte ich mit 50 beschlossen, eine Karriere als Mittelstürmer zu beginnen.

Laudator Hoffmann über Weber-Gauls Anfänge

Hoffmann bescheinigte dem Merzhäuser Maler nicht nur Mut, sondern auch einen präzisen Blick und handwerkliches Können. „Es ist so, als hätte ich mit 50 beschlossen, eine Karriere als Mittelstürmer zu beginnen“, so der emeritierte Professor. Denn gerade Porträts seien eine Königsdisziplin des Malens. 

Doch gerade die Porträtmalerei hatte sich Wilhelm Weber, der sich den Namen Weber-Gaul wohl als Anspielung auf seine Vergangenheit als Kavallerist zulegte, zu eigen gemacht.

Annels Schnücker im Weber-Gaul-Porträt.

Mit Ausnahme des großen beeindruckenden liegenden Rosenstraußes und des in Öl getauchten Porträts von Annels Schnücker stammen die 90 Exponate, die in mühevoller Arbeit von Ulrike Becker-Dippel, Paul Dippel und Paul Kalbfleisch liebevoll gerahmt, gehängt und inspirierend arrangiert wurden, allesamt aus dem Archiv von Erich Korell. 

Per Zufall an die Werke gelangt

Über einen befreundeten Antiquitätensammler ist der Wasenberger vor vielen Jahren per Zufall in den Besitz der Porträtskizzen, Dorfansichten, und mit karikaturhaften Zeichnungen gelangt. Unter den Werken ist auch das große, im Mittelpunkt der Ausstellung hängenden Bild „Die Glockenheimkehr“ aus dem Jahr 1954, das 2002 dank Korell auch nach Merzhausen heimgekehrt ist und mittlerweile im Dorfgemeinschaftshaus hängt.

„So ist die Ausstellung eine interkommunale Zusammenarbeit“, lobte Erster Beigeordneter Manfred Ries augenzwinkernd: „In Merzhausen gemalt, in Willingshausen ausgestellt und aus Wasenberg kommend.“

Ausstellung bis zum 26. Januar in der Kunsthalle Willingshausen, Dienstag bis Sonntag 14 bis 17 Uhr, samstags und sonntags auch 10 bis 12 Uhr.

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