Mehr als ein Gemälde

Bernhard Balkenhol gibt Arbeit auf: Als Kurator des Künstlerstipendiums Willingshausen setzte er Akzente

Bernhard Balkenhol bei einem Treffen vor dem Gerhardt-von- Reutern-Haus: Zum Jahresende beendet der Kasseler Hochschullehrer seine Arbeit als Kurator des Künstlerstipendiums.
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Bernhard Balkenhol bei einem Treffen vor dem Gerhardt-von- Reutern-Haus: Zum Jahresende beendet der Kasseler Hochschullehrer seine Arbeit als Kurator des Künstlerstipendiums.

In der Willingshäuser Malerkolonie geht eine Ära zu Ende: Zum Ende des Jahres beendet Bernhard Balkenhol seine Arbeit als Kurator des Künstlerstipendiums Willingshausen.

Willingshausen - 15 Jahre lang begleitete der Hochschullehrer dieses in Nordhessen einmalige Projekt. „Die Träger des Künstlerstipendiums waren sich jedoch einig, dass nach so langer Zeit ein Kurator-Wechsel vorgenommen werden soll“ , erklärt Bürgermeister Heinrich Vesper – die Gemeinde Willingshausen ist einer der Träger des Stipendiums. Deshalb hätten die Träger den Vertrag zum Jahresende 2020 gekündigt. Dies ist einvernehmlich mit Balkenhol geschehen, so Vesper. Die Entscheidung sei nicht als Kritik zu werten, betont er.

Das sieht auch Balkenhol so. Dennoch schwingt Bedauern mit, wenn er sagt, dass damit Chancen vergeben würden. „Keine Kritik, aber Angst vor der Gegenwart“, sieht der 69-Jährige dahinter. „Schade.“ Seit 2005 kuratierte der Kasseler Kunstprofessor die Willingshäuser Künstlerstipendiaten. 15 Jahre lang hat er die Auswahl der Stipendiaten, deren Arbeitsaufenthalt im Hirtenhaus, deren Ausstellungen und Kataloge betreut. Das seien 30 Mal jedes Jahr fünf Vorschläge junger Künstler aus Hessen und Thüringen gewesen, rechnet er vor. Zwei pro Jahr bekamen das Stipendium verliehen.

Balkenhol ist ein Kenner der Kunstszene: Viele Jahre kuratierte er für den Kasseler Kunstverein, als Hochschullehrer an der Kunsthochschule Kassel pflegt er enge Verbindungen zur Hessischen und Thüringer Kunstszene über seine Studenten. „Mit einem so engagierten Projekt für junge, zeitgenössische Kunst wie das Künstlerstipendium Willingshausen in die Provinz zu gehen, hatte mich damals sehr gereizt, weil ich sehen wollte, was dort und damit machbar ist“, sagt Balkenhol. Der Hochschullehrer wollte abrücken von der Tradition der Malerkolonie.

So wurde aktuelles Kunstgeschehen in seiner gesamten medialen und konzeptionellen Bandbreite über 15 Jahre in Willingshausen abgebildet – von der Zeichnung über Malerei und Skulptur bis zu Fotografie, Video- und Computerinstallationen. Und in der Tat sprachen seine Stipendiaten eine andere künstlerische Sprache als ihre Vorgänger in der Malerkolonie: Sie ließen mit dem Blick von außen besondere Reibungsflächen entstehen, gaben Stellungnahmen zu gesellschaftlichen Veränderungen ab, transformierten kritisch Tracht und Traditionen. Balkenhol spricht durchaus auch von „Zumutung“. Dennoch setzten er und seine Stipendiaten einen besonderen Prozess in Gang: Sie vermittelten den Schwälmern eine andere Perspektive auf ihre Heimat. Balkenhol zeigte nicht nur den Willlingshäusern, dass Schwälmer Kunst mehr sein kann als ein Gemälde.

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