Es liegt Liebe in der Luft

Erster Bilderschwatz in Willingshausen nach vielen Monaten

Die angehenden Konfirmanden Marlon Hahn und Sina Schuchhardt (vorn) sowie Lena Stamm und Justin Schnücker (hinten links im Bild) verteilen in Tracht Herzchen an die Besucher.
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Die angehenden Konfirmanden Marlon Hahn und Sina Schuchhardt (vorn) sowie Lena Stamm und Justin Schnücker (hinten links im Bild) verteilen in Tracht Herzchen an die Besucher.

„Ein Tropfen Liebe ist mehr als ein Ozean Verstand“, so lautete die Thematik des 45. Bilderschwatzes, zu dem die Willingshausen Touristik Betriebsgesellschaft (WTB) am Sonntagabend auf den Dorfplatz geladen hatte. Damit fand nach vielen Monaten erstmals wieder eine Freiluftveranstaltung im Malerdorf statt.

Willlingshausen – Die evangelische Kirchengemeinde Merzhausen-Willingshausen hatte die Patenschaft für den Bilderschwatz am Konfirmationssonntag übernommen und so klärte Dekan Christian Wachter zunächst über die Ursprünge der Konfirmation auf. „Vor knapp 500 Jahren entstand die Konfirmation, als es im evangelischen Hessen keine Bischöfe mehr gab und als die Landgrafen kirchliches und staatliches Recht vereinten. Konfirmation als ein Bekenntnis des eigenen Glaubens zum Ende der Schulzeit“, erklärte Wachter. Bis heute sei die Konfirmationszeit eine gute Erfahrung auf dem Weg ins Erwachsenenleben. Längst müsse nicht mehr so viel auswendig gelernt werden, ginge es doch viel mehr um die Haltung und eine gewisse Sicherheit im Glauben.

Pfarrerin Katharina Betz erzählte in einer kurzen Andacht vom Bildnis einer überlaufenden Wasserschale, die, sobald sie selbst gefüllt ist, ihr Gut im Prozess des Überlaufens weitergibt. „Seid wie die Schale und überströmt mit eurer Liebe“, so die Worte am Sonntagabend, die mit Musik zum Thema „Liebe“ umrahmt wurden. Liebe war zugleich auch das Thema der im Mittelpunkt stehenden Bilder des Bilderschwatzes. 1844 malte Jakob Becker ein Schwälmer Liebespaar am Brunnen.

Referentin Dr. Silke Gonder erläuterte Bilder der Willingshäuser Maler zum Thema Liebe.

Referentin Dr. Silke Gonder erklärte Lichteinfall, Farbwahl und Symbolik des Gemalten. „Die Liebenden haben eine Rose im Blick, reichen die Hände einander – eine Geste des Zusammenhaltes und ihrer Liebe zueinander“, so Gonder über das Ölgemälde. Im zweiten Werk, das Wilhelm Thielmann fertigte, stand die Mutterliebe im Fokus. „Auf dem Bild sind meine Großeltern zu sehen“, hieß es aus dem Publikum, sollte doch Familie Corell 1905 mit einem Leiterwagen und ihrem kranken Kind unterwegs gewesen sein. „Auf dem Heimweg“, so der Bildtitel, der die mütterliche Sorge um das in eine Decke gehüllte Kind ausdrückt. „Vielleicht schwingt auch ein Funken Hoffnung mit“, mutmaßte Gonder. Das Bild sei zur kalten Jahreszeit gemalt, denn der Baum am Haus sei kahl.

Thielmann ist vielen Willingshäusern ein Begriff, zog der Künstler im Alter von 35 Jahren doch ins Dorf, wohnte im Gasthaus Haase und heiratete. Anfang der 1920er-Jahre zog die Familie in ein eigenes Haus. Thielmann, der zahlreiche Alltagssituationen wie Kirmes, Hochzeiten, das Sammeln von Reisig, Holz- und Obstversteigerungen malte, verstarb früh im Alter von 56 Jahren.

Vier Konfirmanden des folgenden Jahrganges hatten sich zum Bilderschwatz in Tracht gekleidet und den Gästen mit selbst gebastelten Herzchen und etwas Süßem passend zum Thema eine kleine Freude bereitet. (Regina Ziegler-Dörhöfer)

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