Spiel mit der Wahrnehmung 

Bildhauerin Emilia Neumann stellt in Willingshausen aus

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Emilia Neumann ist Stipendiatin in der Malerkolonie Willingshausen. Die Ausstellung in der der Kunsthalle ist noch bis zum 15. Dezember zu sehen.

Emilia Neumanns herausfordernde Installation „Milieu und Fazies“ spielt mit Assoziationen.  Die 34-Jährige ist die erste Bildhauerin unter den bereits 49 Stipendiaten der Künstlerkolonie.

In den vergangenen Monaten hat die aus Frankfurt stammende Bildhauerin im kleinen Hirtenhaus („Dort stoß ich mir auch nicht den Kopf an, weil ich nicht so groß bin“) in Willingshausen gelebt, im Atelier und in der Werkstatt der Kunsthalle gearbeitet. Entstanden ist eine mehrteilige Installation, deren Mittelpunkt sieben Gipsobjekte bilden. 

„Sie sind nicht aufgehängt, sie hängen ab“, betont die Künstlerin: Die aalförmigen circa drei Meter langen Gipsskulpturen scheinen an den cremefarbenen Fitnessbändern flach über dem Boden in einer Linie zu tanzen, zu fließen, zu fliegen. Der sichtbare Wahrnehmung ist eine Art Täuschung: Hellblaue, rosa Farbschlieren im weißen Gips lassen diesen Eindruck entstehen – die Pastellfarben nehmen dem Material die Schwere. Auch der Entstehungsprozess regt zum Nachdenken an. 

Nicht nur, weil die Bildhauerin in ihrem Schaffensdrang durchs Atelier und die Werkstatt wirbelte. Dort schätzte sie, dass ihre Vorgänger bereits deutliche Spuren hinterlassen haben. „Wenn ich im Arbeitsflow bin, sau ich oft rum.“ Meist arbeite sie mit Gegenständen aus dem Alltag, erzählt die 34-Jährige. Oft ist es Sperrmüll. 

Arbeit mit Alltagsgegenständen

In diesem Fall war es ein Surfbrett, das sie mit Silikon abgegossen hat, so eine Negativform verformte und mit Gips und Farbe abgoss. Alle sieben Gipsobjekte haben nur eine Ursprungsform, sind aus einem Guss. Bewusst bricht sie die fließende Schönheit ihre Skulpturen mit Bruchkanten und narbenartigen Einschlüssen.

Fast scheint es, als bilde diese Arbeitsweise die Brücke zum Titel ihrer Ausstellung „Milieu und Fazies“: Im Milieu sieht sie die Umwelt, in den Fazies die Eigenschaften, die das Milieu formen. 

In Anlehnung an den geologischen Begriff „Facies“, die Eigenschaften, die ein Gestein geprägt haben, hat sie den Ausstellungsraum in der Kunsthalle wie einen Raum in einem Naturkundemuseum gestaltet. Eine der beiden Papierarbeiten versperrt zunächst den Blick auf die Gipsobjekte, gleicht einer Art Informationstafel, eine weitere eine Verortungstafel.

Die Frage nach dem lokalen Bezug ihrer Arbeit scheint sie etwas zu erstaunen. „Es ist der kreative Prozess, der hier stattgefunden hat“, erklärt sie. Außerdem betrachte sie ihre Arbeit als eine Aufforderung zum eigenständigen Denken – will den Betrachter nicht einengen. „Mehr Freiheit bieten.“

Ausstellung: Die Ausstellung in der der Kunsthalle ist noch bis zum 15. Dezember zu sehen.

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