Willingshäuser und Gäste sprachen über Radierung von Kätelhön

13. Bilderschwatz: Gut für Geist und Gaumen

Stärkung wie 1910: Johannes Peter (zweiter von links), Ulli Becker-Dippel und Heike Corell (dritte und vierte von links) servierten sie nach dem Bilderschwatz in der Kunsthalle. Foto: Rose

Willingshausen. Um Hermann Kätelhöns „Dreschtag“ von 1910 ging es beim 13. Bilderschwatz in der Willingshäuser Kunsthalle. Vor gut gefülltem Haus präsentierte Ulli Becker-Dippel zusammen mit der Willingshausen Betriebs-Gesellschaft (WTB) und der Kunsthalle den unterhaltsamen Nachmittag, für den diesmal die Landfrauen Pate standen.

Vorsitzende Heike Corell gab einen kulinarisch reizvollen Ausblick: „Später dürfen Sie das probieren, was früher bei der Feldarbeit gegessen wurde.“

Becker-Dippel ordnete Ereignisse aus dem Ort im Zeitstrahl ein: Im Mai 1910 wurde etwa der Posaunenchor gegründet. Auch habe der Maler Ludwig Knaus 500 Mark für die Armen im Dorf und die Arbeit an der Schule gespendet. „1914 wurde von einem Teil des Geldes ein Schulausflug organisiert“, wusste Georg Todt aus Willingshausen.

Zu Kätelhöns Radierung sprach Johannes Peter aus Treysa. Der Student der Kunstgeschichte erläuterte den Hell-Dunkel-Kontrast und das Motiv der arbeitenden Frauen auf dem Feld, „ähnlich hat sie auch schon Thielmann in Szene gesetzt“. Jedoch habe der sie mit stolzer und aufrechter Körperhaltung abgebildet: „Damit verdeutlicht er auch die Funktion der Frauen in der Gesellschaft“, sagte Peter.

Kätelhön sei ein reiner Grafiker gewesen, der ausschließlich zeichnete und radierte, erläuterte Helmut Geißel, Vorsitzender der Vereinigung Malerstübchen. Die Szene symbolisiere auch die Industrialisierung, interpretierte der Student. Sie stelle den Wandel von einer Agrar- in eine Industriegesellschaft dar. Immer habe sich Kätelhön mit Themen wie dem Mensch und die Natur beschäftigt. Die Technik der Radierung - eine Tiefdrucktechnik - habe mehr Menschen ermöglicht, Kunst zu kaufen. Kätelhön selbst habe sich stets als Chronist bezeichnet, erklärte Peter: „Aber seine Bilder hatten nie eine sozialkritische Dimension.“

Viel lieber wäre Kätelhön Keramiker geworden, wusste Geißel: „Aber ihm fehlte eine Rippe und das beeinträchtigte ihn körperlich sehr, so dass er sich ganz dem Zeichnen widmete.

Bei Häppchen der Landfrauen - Brot mit deftigem Schmalz und frischem Kochkäse - wurde noch weiter geschwatzt.

Von Sandra Rose

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