Hochdeutsch hat Pause: Theatergruppe Zella spielte Stücke in Schwälmer Platt

Sie spielen gerne Theater: Von links Laura Schwalm, Kurt Bechtel und Christel Schwalm. Fotos: Regina Ziegler-Dörhöfer

Herzlich, traditionsbewusst und mit viel Charme und Humor spielte die Theatergruppe am Samstagabend im Landgasthof Bechtel. Über 300 Gäste füllten den Saal zu Premiere und spendeten den Darstellern, die seit Anfang des Jahres intensiv probten, großen Applaus.

Zum Auftakt spielte erstmals auch die Kindergruppe ein Theaterstück. „Der Zuspruch zur Gruppe ist so groß, dass die Rollen doppelt besetzt sind“, erklärte Marianne Friedrich, die sich wie alle Beteiligten sehr über den Schwälmer Mundart-Aufschwung freut.

„Viele Jahre war die Mundart verpönt. Heute wird in vielen jungen Familien wieder Schwälmisch gesprochen. Schwälmisch boomt!“, meinte Walter Friedrich, der seit Beginn des Theaterspiels im Jahr 1972 mit auf der Bühne steht. „Heute bin ich mit 73 Jahren der älteste Akteur. Schön, dass so viele junge Menschen nachrücken.“ In den Anfangsjahren hätte es lediglich eine Vorstellung gegeben und oftmals seien auch nur gewisse Teile des Theaterprogramm in Schwälmer Platt gehalten worden.

Am Samstag hatte Hochdeutsch eindeutig Sendepause und wurde höchstens als Stilmittel in einzelnen Szenen eingesetzt. Worte wie „Druhtesel“( Fahrrad), „Geseng“ (Gesinde), „Forgeln“ (Ferkel) oder „Wejslejtswärg“ (Frauenkleider) hatten Hochkonjunktur und waren sicherheitshalber für nicht Sprachkundige als Übersetzungshilfe auf dem Programmblatt abgedruckt.

Die 14 Kinder spielten „Es spükt ih de Ahl Schüül“ und erfreuten mit einer lustigen Geschichte um Gespenster und Gummibärchen. Für die nachfolgenden Erwachsenen hatte Vorsitzende Christel Schwalm die Werke „Ihfäll, bie ee aales Schienduur“ und „Daheem es Daheem“ auserwählt und sie ins Schwälmische übersetzt und die Rollen den 20 Akteuren zugeteilt.

Das erste Werk nahm das Publikum mit ins Gasthaus „Zur Scheitlach“, wo nicht nur die sparsame Landratsfamilie Urlaub machte, sondern auch die in die Schwalm Heimgekehrte „Matthleiß“ (Katrin Kyrez). Während der Gasthaus-Vater im „Matthleiß“ eine gute Partie für seinen schon 41jährigen Sohn Hans-Kurt ( Martin Kürschner) sieht, setzt Mutter „Mariekott“ (Reinhilde Pfeil) alles daran, die Liebschaft zu verhindern.

Im zweiten Stück hat nicht nur der prozentige „Schwälmer Hännes“ eine tragende Rolle, sondern auch Kurt Bechtel, der den Bauern „Hännes“ mimte und zwischendurch auch mal in Frauenkleider zu schlüpfen hatte. Das „Tratschtrinche“ (Annchen Wenzlik) trieb mit ihrem Dorfgeschwätz die Handlung voran. Die beiden siebenjährigen Valentina und Maximilian Bechtel ergänzten die Aufführung und zeigte, dass Theatertalent in Zella durchaus vererbt. Auch hier lösten sich die Probleme Bauerntheater gemäß auf und die Familie fand im Happy End wieder zueinander.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.