Ab 1. September

Horst Brandt  findet Nachfolger für seine Bäckerei in Loshausen  

In der Backstube wird Bäckermeister Horst Brand in Zukunft nicht mehr stehen. Mit dieser Maschine werden dort Brötchen in Form gebracht. Foto: Kim Henneking

Eine „außergewöhnliche Lebensleistung“ nennen Fachkollegen das Werk von Horst Brandt. Im Alter von 70 Jahren gibt der Loshäuser sein Geschäft ab.

Die Bäckerinnung Schwalm-Eder hat ihn kürzlich verabschiedet: „Generationen von Bäckern ist der Name Horst Brandt ein fester Begriff – als Ausbilder, als Mitglied im Gesellenprüfungsausschuss, als Fachlehrer in der Berufsschule.“

Angefangen hat diese Laufbahn im elterlichen Betrieb, sagt Horst Brandt. „Mein Weg war vorbestimmt, aber ich habe den Beruf gerne ergriffen.“ Sein Vater habe die Bäckerei 1948 eröffnet. Schon damals befand sie sich an der Kasseler Straße 36 in Loshausen. Das alte Bauernhofgebäude wich in den 60er-Jahren einem Neubau.

1982 übernahm der Sohn das Geschäft. Hatte die Bäckerei zu Beginn nur einen Gesellen beschäftigen können, waren es zu dem Zeitpunkt schon fünf gewesen. „Heute sind es drei Filialen (Neukirchen und Zimmersrode) und 16 Angestellte“, sagt Brandt. Die Backstubenfläche hat sich von 100 auf 350 Quadratmeter vergrößert. In der Berufsschule Ziegenhain gab Brandt zudem sein Wissen aus Praxis und Theorie an Lehrlinge weiter. „Das hat großen Spaß gemacht“, sagt Brandt. Denn so habe er sich stets weiterbilden müssen.

Und tatsächlich hat er viele Veränderungen in der Produktion von Backwaren beobachten können. Wurden die Öfen zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn noch mit Kohlebriketts befeuert, sei man später zu Öl und Gas übergegangen. Heute sind die Backöfen computergesteuert.

Zudem habe sich das Sortiment vergrößert und die Auswahl an Rohstoffen vervielfacht. Mehl, Hefe, Zucker und Salz – das habe früher zum Backen gereicht. Der zwischenzeitlich verschmähte, zeitaufwendige Sauerteig habe sich auf die Zutatenliste zurückgekämpft – des Geschmackes wegen, sagt Brandt.

Als Berufseinsteiger habe er bei bestehendem Nachtbackverbot erst ab 4 Uhr backen und ab 5 Uhr die Waren ausfahren dürfen. Heute beginnt sein Tag um 1 Uhr. Schlafen geht er spätestens um 21 Uhr. Insbesondere diese Arbeitszeiten sind für ihn ein Grund, warum es immer schwieriger werde, Nachwuchs für die Branche zu gewinnen. Hinzu komme die hohe Belastung durch gesetzliche Vorschriften und zeitaufwendige Dokumentation.

Einige Bäckereien hätten begonnen, ihr Sortiment den Tageszeiten anzupassen. So wird über den Tag hinweg gebacken, anstatt die Theke schon am Morgen vollbestückt zu haben. Darin sieht der erfahrene Meister eine Möglichkeit, den Beruf attraktiver zu machen. Die Rezepte aus Familien- und Schwälmer Tradition gibt Brandt an seinen Nachfolger Stefan Stübing weiter. Den Bäcker aus Homberg hat Brandt über das Internet gefunden. Er übernimmt ab 1. September das Geschäft.

Horst Brandt will dann Städtereisen durch Europa unternehmen und an die Nordseeküste reisen. Denn in Jahrzehnten der Selbstständigkeit war das dem zweifachen Vater nicht möglich. Loshausen bleibt er aber erhalten. Er wird weiterhin im Bäckerhaus leben und seinem Nachfolger bei Fragen zur Seite stehen.

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