Wolfgang Montanus war 43 Jahre Hausmeister im Steinatal

Im Gymnasium zuhause

Schule war der Lebensmittelpunkt: Im linken Teil des Obergeschosses im Haupthaus der Melanchthon-Schule lebte die Familie Montanus. Mit dem Ruhestand folgte der Umzug nach Niedergrenzebach.
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Schule war der Lebensmittelpunkt: Im linken Teil des Obergeschosses im Haupthaus der Melanchthon-Schule lebte die Familie Montanus. Mit dem Ruhestand folgte der Umzug nach Niedergrenzebach.

Steinatal – „Irgendwo wurde immer gebaut“, sagt Wolfgang Montanus und lässt den Blick schweifen über das großzügige und schmucke Gelände der Melanthon-Schule im Steinatal. Und das Thema Bauen lässt den 67-Jährigen nicht los – gerade in den Ruhestand gegangen, werkelt Montanus jetzt im eigenen Häuschen in Niedergrenzebach statt in der Schule. 43 Jahre war der Elektriker dort für die Technik zuständig. Als Hausmeister mit Dienstwohnung im Haupthaus war wohl kaum einer so eng mit der Schule verbunden, wie Wofgang Montanus.

1977 zog er mit Ehefrau Kornelia und dem vier Wochen alten Söhnchen im Steinatal ein. Kennengelernt hatte er die Schule durch Aufträge bei seinem vorherigen Arbeitgeber, der Firma Dietz in Ziegenhain. Besonders Kornelia Montanus fiel der Umzug ins Steinatal, „so fernab vom Schuss“, schwer. „Am Ende wollte ich nicht mehr weg“, erzählt die gebürtige Rommershäuserin, die auch jetzt noch jeden Tag hoch zur Schule fährt, um die „Schulkatzen“ zu füttern. In mehr als vier Jahrzehnten ist ihnen die Melanchthon-Schule in besonderer Weise ans Herz gewachsen. „Ich könnte wahrscheinlich ein Buch über all die Geschichten schreiben“, sagt der 67-Jährige. Manches, das merkt man, behält er dabei lieber für sich – „als Hausmeister hat man überall Einblick“. Den richtigen Ton zu treffen, ist Montanus aber wohl stets gelungen: Unter vier Schulleitern hat er gearbeitet, „jeder hat an anderen Schrauben gedreht“.

Zu seinen Aufgaben gehörte unter anderem die Überwachung des schuleigenen Schwimmbades – bis heute ein absolutes Novum für eine Schule, die ihm viel aberverlangte, aber auch viel Spaß machte. Dienst nach Vorschrift, den gab es durch die räumliche Nähe selten. Nach Elternabenden und Veranstaltungen musste abgeschlossen, nach dem Rechten gesehen werden. „Wir waren immer die Letzten“, berichtet Kornelia Montanus.

Zu Zeiten des Internats – es schloss 1986 – war das Schulgelände außerhalb der Unterrichtszeiten sehr belebt, erzählt das Paar. Auch die angrenzende Gaststätte Kamjunke sei ein Treffpunkt für viele Gäste, zeitweilig bis aus Belgien, gewesen. „Nicht selten hat sich ein Schüler bei uns im Wohnzimmer ausgeweint“, erzählt der 67-Jährige.

Viele schöne Erinnerungen teilt das Ehepaar Montanus, etwa die Einweihung der Cafeteria 1994: „Nachmittags gab es ein ziemliches Unwetter und die Pausenhalle wurde buchstäblich geflutet. Musiklehrer Stefan Reitz hatte Angst um das Klavier – das musste schnell hochgestellt werden.“ Von beeindruckenden Feiern der Ehemaligen weiß Wolfgang Montanus zu berichten, Festen und Bällen, den legendären Abistreichen, die Schulleiter Klaus Geratz regelmäßig „auf die Palme“ brachten. Wenn die Schule nach Art des Künstlers Christo mit schwarzer Folie verpackt war, die Fenster des „Brettergymnasiums“ vernagelt waren und sich die Lehrer den Weg durch ein Labyrinth aus Stroh bahnen mussten.

Keinen Tag will der 67-Jährige, der seinen Ruhestand noch etwas „hinausgezögert“ hat, missen. „Es war eine tolle Zeit und viele Kontakte werden bleiben.“

Und weit weg ist Wolfgang Montanus ja nicht. „Die Kollegen werden noch manches Mal fragen, wo eine Leitung herläuft“, ist er überzeugt. „Früher gab es ja keine Pläne.“

Einen Plan für sich und seinen Ruhestand hat Montanus aber ganz klar vor Augen – wenn das Häuschen fertig renoviert ist, ist eine alte Vespa an der Reihe. Mit der kann man ja auch fix ins Steinatal fahren. Seine Frau arbeitet stundenweise noch in der Cafeteria und der Mensa.

Von Sandra Rose

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