Sein Honig ist Gold wert

Imker Horst Schmiermund aus Willingshausen erneut ausgezeichnet

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Kuscheln gegen die Kälte: Im Winter bilden Bienen eine sogenannte Wintertraube – sie wärmen sich also gegenseitig, erklärt Imker Horst Schmiermund. Alle Fotos:

Horst Schmiermund liebt seine Bienen. Und die offenbar auch ihn – denn sie belohnen den Willingshäuser mit ausgezeichnetem Honig.

Seit 1989 ist Schmiermund Bienenzüchter, gerade erst wurde er wieder prämiert. Seit 2004 nimmt er an der Herbstprüfung des Landesverbands Hessischer Imker mit Sitz in Kirchhain teil. Und holt höchste Punktzahlen bei Sauberkeit, Zustand, Geruch und Geschmack. 13 Mal reichte Schmiermund Proben ein, neun wurden mit ersten, vier mit zweiten Preisen ausgezeichnet.

"Immer mehr junge Frauen interessieren sich für die Imkerei“

Der Willingshäuser freut sich zudem, dass sein Hobby mittlerweile buchstäblich in aller Munde ist, Blühflächen angelegt werden, um das Futterangebot der Bienen zu bereichern. „Besonders immer mehr junge Frauen interessieren sich für die Imkerei“, erklärt der 77-Jährige, der sich um mehr als 20 Völker kümmert. Rund ums Jahr machen die viel Arbeit: „Im Sommer muss man dafür sorgen, dass die Bienen schwärmen, im Winter, dass sie genug Futter haben“, sagt Schmiermund.

Bienenvölker vor Varroa-Milbe schützen

Seit vielen Jahren ein Thema ist der Befall der Völker mit der Varroa-Milbe. Imker in Deutschland sind verpflichtet, dagegen vorzugehen, erklärt Schmiermund. Zugrunde liegt die Rückstandshöchstmengenverordnung der Europäischen Union – sie regelt, welche Mittel verwendet werden dürfen und gilt in allen Staaten der EU und der Schweiz. Varro-Milben können ganze Völker zerstören – im Durchschnitt koste ein Volk etwa 150 Euro, erläutert der Willingshäuser, der sich auch in der Zucht von Königinnen in der Imkerszene einen Namen gemacht hat. Auch seine Königinnen wurden schon prämiert – unter anderem als Beste Hessens. 40 bis 50 Königinnen züchtet Schmiermund pro Jahr. Denn die braucht es für ein starkes Volk, das im Durchschnitt 25 bis 30 Kilo Honig produziert.

Imker aus Willingshausen verkauft Honig von Zuhause

Horst Schmiermund verkauft seinen Honig nur noch selten auf Märkten, meist von Zuhause. „Das Herumreisen ist mir zu anstrengend“, sagt er. Der Willingshäuser mag sein Produkt am liebsten pur – auf einem Butterbrötchen. Allerdings schwört seine Frau auch in der Küche auf den eigenen Honig, beispielsweise  als Backzutat oder zum Verfeinern von Wildgerichten. Wie lang er seinem Hobby noch frönen kann, weiß Horst Schmiermund nicht. Schon jetzt sind ihm die Holzkisten, die Bienen-Heime, oft zu schwer. „Ich mache es, solange es geht.“

Seit 1926 gibt es diese Einheitsgläser des Deutschen Imkerbundes.

So kommt der Honig vom Bienenstock ins Glas

  1. Mit dem Sammeln des Nektars beginnt die Honigproduktion. Dabei ist sprichwörtlicher Bienenfleiß gefragt –für ein Pfund Honig müssen die Insekten bis zu vier Millionen Blüten anfliegen. Die Bienen geben dem Nektar körpereigene Stoffe zu, die Umwandlung zu Honig beginnt bereits beim Rückflug zum Bienenstock.
  2. Im Bienenstock übernehmen Stockbienen die Pollen und geben sie weiter. Hierbei werden Enzyme zugesetzt, schließlich landet der Honigblaseninhalt in einer Wabenzelle. Durch weiteres Umtragen wird den Pollen Wasser entzogen, körpereigene Stoffe fördern die Reifung.
  3. Schließlich werden die Wabenzellen mit Wachsdeckeln verschlossen. Der Imker weiß: Dann ist der Honig reif. Er kann die Wabenrahmen hinaus ziehen und die Bienen mit einem Besen vorsichtig zurück in ihr Zuhause zurückkehren.
  4. Der Imker schneidet die wächsernen Zelldeckel von den Waben. Meist mit einer sogenannten Entdeckelungsgabel, die dafür sorgt, dass man möglicht nicht zu tief einsticht, damit möglichst viel Honig in den Zellen hängen bleibt. In der Schleuder wird der Honig aus den Zellen geschleudert. 
  5. Die entdeckelten Waben kommen in eine Honigschleuder, die dafür sorgt, dass der Honig aus den Zellen herausgeschleudert wird und in der Maschine nach unten fließt. Ein Sieb hilft, den Honig von Wachspartikeln zu trennen.
  6. Der frisch geschleuderte Honig ist klar und dickflüssig, er kann abgefüllt werden. Meist ruht er erst zunächst in Vorratsbehältern. Über kurz oder lang wird der Honig fest. Der Imker nenn das Kandieren. Es ist ein natürlicher Vorgang und beeinträchtigt weder Qualität noch Geschmack. Damit sich keine groben Kristalle bilden, kann der Imker den Honig vor der Kandierung durchrühren.
  7. Für die Abfüllung benutzen Imker die Imker seit 1926 ein Einheitsglas des Deutschen Imkerbundes. Der Honig unterliegt strengen Richtlinien.
  8. Honig sollte kühl gelagert werden, bei etwa 16 Grad, trocken und dunkel. Horst Schmiermund achtet zudem auf die Luftfeuchtigkeit, er empfiehlt 20 Prozent. Honig sollte übrigens nicht aufgekocht werden. Wer Speisen damit abrunden möchte, sollte ihn erst nach der eigentlichen Garzeit zugeben. Kandierter Honig kann man durch vorsichtiges Erwärmen wieder schön flüssig machen – im Wasserbad bei maximal 40 Grad.

Hier können Sie nachlesen, wie Bienenvölker im Teamwork überwintern.

SCHON GEWUSST?

  • In Hessen lebten 2019 62 000 Bienenvölker leben. 2008 waren es nur 48 000.
  • Im Sommer leben durchschnittlich 40 000 Honigbienen in einem Volk zusammenleben. Weltweit gibt es neun Honigbienenarten und 20 000 Bienenarten.Ein Bienenvolk produziert pro Jahr im Schnitt 25 Kilogramm Honig. Eine Biene kann 25 Kilometer pro Stunde fliegen.
  • Bienen müssen circa 120 000 Kilometer fliegen müssen, um 500 Gramm Honig zu produzieren.
  • Eine Biene bestäubt pro Tag 7500 Blüten.
  • Bienen erwirtschaften weltweit durch ihre Bestäubungsleistung 200 bis 500 Milliarden Euro pro Jahr erwirtschaften.
  • Mehr als die Hälfte der 560 Wildbienenarten in Deutschland ist gefährdet. 42 Prozent der Insektenarten in Deutschland als extrem selten oder bereits ausgestorben. 

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