Jugendhilfe Leimbach setzt  auf Bio: Nichts kommt aus der Tüte

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In der Gärtnerei werden Salatpflanzen selbst gezüchtet. Ein Teil davon geht auch in den Direktverkauf.

Der Gemüseanbau der Jugendhilfe in Leimbach ist Teil eines natürlichen Kreislaufes. Ergebnis ist nicht nur die geprüfte Bioqualität eines Lebensmittels, sondern auch eine Art Lebenstraining in einer besonderen Gemeinschaft. 19 Jugendliche, meist mit Suchtproblemen, leben und arbeiten auf dem Anwesen der Fleckenbühler.  

Lebenshilfe bieten ihnen neben fünf Angestellten 13 Erwachsene, die den Weg aus der Sucht bereits geschafft haben.

Es scheint eine Idylle zu sein, der alte Bauernhof in dem kleinen Willingshäuser Ortsteil. Dahinter verbergen sich allerdings Geschichten von Drogen, Kriminalität und und Krankheit. Bei den Bewohnern, die aus ganz Deutschland kommen, war das der bittere Start ins Leben. Manche seien ganz erstaunt über die Erfahrung, dass die Suppe aus Gemüse zubereitet werde und nicht aus der Tüte kommt, erzählt Jens Draxdorf, Leiter der Gärtnerei. In den Bereichen Küche, Haustechnik und Garten arbeiten die Jugendlichen. Ziel ist es, sie zur Ausbildungsreife zu bringen.

Auf circa einem Hektar Fläche samt vier Gewächshäusern, davon drei aus Folie, baut Draxdorf mit seinem Team Biogemüse in Demeterqualität an. Die Jugendlichen bekommen ein Gespür dafür, wie aus dem Samen etwas zu essen wird, erklärt der 49-Jährige, der seit viereinhalb Jahren in der Selbsthilfegemeinschaft lebt. Manche der Jugendlichen entwickeln dabei sogar eine Vorliebe. So entdeckte einer seine Liebe zur Chili, ein anderer zu Melonen und bauten sich jeweils kleine Gewächshäuser dafür. Eine wichtige Erfahrung, meint Draxdorf: „Sie haben ein Projekt abgeschlossen, etwas geschafft.“ Der Gemüseanbau dient überwiegend zur Selbstversorgung. Auch die beiden anderen Fleckenbühler Häuser werden damit versorgt. Das Gemüse werde saisonal verarbeitet. Der Speiseplan der Lebensgemeinschaft werde immer mit der Gärtnerei abgestimmt, erklärt Draxdorf. Geerntet werde nur nach Bedarf: „Auf die Frische kommt es an.“ Den Gemüseanbau bestimmen die strengen Demeterstandards. Gedüngt wird mit dem Dung vom Biohof Fleckenbühl. Ein Grünstreifen bildet einen kleinen Puffer zur konventionellen Landwirtschaft. Die Bewohner zahlreicher Bienenstöcke sorgen für einen guten Ertrag und produzieren zugleich den hauseigenen Honig. Auch die Hühner gehören in den biologischen Kreislauf. Sie verwerten das ausgezupfte Unkraut und liefern dafür Bioeier. Ein Teil des Gemüses geht in den Direktverkauf. Es stehe aber nicht der wirtschaftliche Aspekt im Vordergrund, betont Draxdorf: Die Arbeit soll den Jugendlichen helfen. Sie bekommen Kontakt mit der Natur, übernehmen Aufgaben und Verantwortung. Und die gesunde Ernährung steht über allem.

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