Keine Therapie mehr

Krebspatientin aus Willingshausen: Reise nach New York als letzter Wunsch

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Patricia Deines mit ihrem Hund Leo: „Um Leo habe ich Angst, wenn ich sterbe. Er kommt ohne mich nicht klar“, sagt die Krebspatientin aus Willingshausen.

Willingshausen. Für die krebskranke Patricia Deines gibt es keine Therapie mehr. Eine Krebsaktivistin erfüllt der Willingshäuserin ihren letzten Wunsch - eine Reise nach New York. 

Patricia Deines geht es schlecht. Ihr letzter Wunsch – eine Reise nach New York – soll Ende Januar in Erfüllung gehen. Die Willingshäuserin erkrankte vor neun Jahren an Eierstockkrebs. Seitdem kämpft sie ihren aussichtslosen Kampf. Dennoch hatte sich zwischenzeitlich ihr Zustand stabilisiert, im April 2018 allerdings wurde ein neuer Tumor entdeckt. Wir begleiten die 28-Jährige im fünften Jahr.

Sie sei zum Sterben nach Hause geschickt worden, erzählt die junge Frau. Trotzdem kämpft sie weiter. Im Oktober gab ihr eine Ärztin noch ein halbes Jahr. „Weihnachten habe ich schon mal überlebt“, sagt die 28-Jährige.

Künstliche Ernährung per Infusion

Von ihrer Krankheit ist sie sichtlich gezeichnet. Der Oberkörper gleicht einer Verhungernden, die dicken Beine zeugen von massiver Wassereinlagerung. „Ohne das Wasser in den Beinen würde ich vermutlich nur noch 53 Kilogramm wiegen“, ist sie überzeugt. Trotzdem öffnet sie dem Besuch aufrecht stehend die Tür. Sie hält sich an ihrem Infusionsständer fest. „Mein Frühstück“, sagt sie und zeigt auf die Beutel. Damit wird sie über einen dauerhaften Venenzugang künstlich ernährt. 

Dieser Port ist nur eines der äußerlichen Systeme, die ihr Leben einigermaßen erträglich machen sollen. In einer Umhängetasche trägt sie wegen der starken Schmerzen ständig eine Morphiumpumpe mit sich. „Wenn es zu schlimm wird, kann ich mir einen extra Schuss geben.“ Außerdem soll eine Ablaufsonde vom Magen in einen Beutel den Darm entlasten, denn ihr Bauchraum ist voller inoperabler Metastasen.

Ehemann Viktor Deines übernimmt pflegerische Aufgaben bei Patricia Deines.

Das Palliativpflegeteam ersetzt inzwischen ihr Mann Viktor, gekonnt löst er den Infusionsschlauch vom Port. Dafür ist er extra geschult worden. Ihr Zustand ist von der Tagesform abhängig. „Wie eine Achterbahn.“ Dennoch bemüht sie sich, aktiv zu sein – und wenn es nur ein kurzer Einkauf bei Ikea ist. 

Dabei passiert immer wieder Unvorhergesehenes. So war beim Kinobesuch kürzlich die Ablaufsonde undicht. „Ich könnte hier sitzen und auf den Tod warten. Damit will ich lieber noch etwas warten und raus gehen“, sagt sie mit leiser Stimme. Es ist ihr anzumerken, dass sie unter dem Einfluss starker Medikamente steht. Zudem strengt sie das Gespräch sehr an. 

Facebook-Blog als Tagebuch 

Dennoch ist es ihr wichtig, über ihren Gesundheitszustand zu informieren. Ihrer Facebook-Seite folgen inzwischen fast 10.000 Menschen. Dort gebe es durchaus auch kontroverse Debatten, meint sie. Einige schrecke es ab, dass sie sich derart darstelle. „Aber für mich ist es wie ein Tagebuch, das befreit – und es kommt ein Echo zurück.“

Organisiert die Reise nach New York: Krebsaktivistin Myriam von M

„I am the Queen“ steht auf ihrem Shirt. Und so fühlt sie sich, wenn sie an ihre New York-Reise denkt. Die wird von Myriam von M organisiert. Die Deutsch-Amerikanerin ist eine bekannte Krebsaktivistin und erfüllt Schwerkranken die sehnlichsten Wünsche. Patricia Deines kann es kaum noch erwarten, am 28. Januar startet die fünftägige Reise. Und Aufgeben gibt es nicht: „Ich sollte schon so lange tot sein und lebe immer noch.“

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