Willingshäuser Symposium begeistert Maler und Besucher

Künstlern über die Schulter schauen

Aus Berlin: Kurt Fitzner und Petra Kalkstein-Fitzner (von links) lassen sich an der Antreff nahe der Anglerhütte von Willingshausen von Maler Artan Shabani aus Albanien in die Freiluftmalerein einführen.
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Aus Berlin: Kurt Fitzner und Petra Kalkstein-Fitzner (von links) lassen sich an der Antreff nahe der Anglerhütte von Willingshausen von Maler Artan Shabani aus Albanien in die Freiluftmalerein einführen.

Seinem Ruf als Malerdorf gerecht wird Willingshausen dieser Tage wie zu keinem anderen Zeitpunkt im Jahr. Das 3. Malersymposium führt neben acht Künstlern auch drei Dutzend Malschüler nach Willingshausen, um den Profis über die Schultern zu schauen.

Willingshausen – Fahd Al Dweh nutzt die Chance wie kaum ein anderer – der 15-Jährige aus Treysa malt jeden Tag mit einem anderen Künstler, immer nachmittags von 14 bis 18 Uhr. Dann nehmen sich die aus ganz Europa und Russland angereisten Maler Zeit, ihr Wissen weiterzugeben. Am Donnerstagnachmittag steht er mit seiner Staffelei neben Margreet Boonstra am Wasserbassin am Waldrand von Willingshausen. Die Künstlerin aus Friesland in den Niederlanden ist zum ersten Mal in Willingshausen, andere wie Igli Arapi aus Italien oder Ilmari Rautio aus Finnland zog es bereits zum dritten Mal zur Arbeitswoche mit anschließender Ausstellung in die Schwalm.

„Eine bezaubernde Landschaft“, sagt die 53-Jährige Boonstra, die sich der Plein-Air-Malerei verschrieben hat, und bei Wind und Wetter malt. Sie liebt die Hügel hier in der Schwalm, den Himmel sowieso. „Bei mir zu Hause ist ja alles flach“, so die Westfriesin.

Kaffee, Acrylfarbe und Pinselführung

Fahd Al-Dweh, der vor ein paar Jahren aus dem Irak geflüchtet ist und nun in Treysa ein neues Zuhause gefunden hat, hat seine Staffelei direkt neben der Künstlerin platziert, um ihre Pinselführung beobachten zu können. Durch „Kunst für Uns“, einem Willingshäuser Angebot für Kinder, entstand vor einiger Zeit der Kontakt, seitdem hat er das Malen für sich entdeckt.

Während Margreet Boonstra ihr Motiv des Ährenfelds am Weg und Waldrand in Öl auf Leinwand festhält, nutzt Fahd wie alle Schüler Acrylfarbe – „dies ist für den Anfang leichter“, erklärt Boonstra. Immer mal kommen auch Besucher vorbei, um den Künstlern beim Arbeiten zuzuschauen – ein Ehepaar aus Neukirchen kommt jeden Tag, um im Café unterhalb der Kunsthalle einen Kaffee zu trinken und dann die Malenden aufzuspüren. „Das ist ja das, was wir wollen – offen sein für alle“, sagt Ulrike Becker-Dippel von der Willingshäuser Touristik Betriebsgesellschaft.

Sie und ihr Team sorgen dafür, dass es den Teilnehmern des Symposiums an nichts fehlt – Frühstück gibt es ab morgens um acht im Malerstübchen, Kaffee liefert sie am Nachmittag direkt zu den Künstlern an die Anglerhütte, ans Wasserbassin, ans Merzhäuser Wehr, in die Willingshäuser Kirche oder an die Grillhütte von Merzhausen, diesmal erstmals auch eine Künstlerstation.

„Es ist alles super organisiert, wir brauchen uns um nichts zu kümmern und können einfach nur malen“

Und nach dem gemeinsamen Abendessen im Gerhardt-von-Reutern-Haus gibt es noch Musik oder Lesung im Hof. „Es ist alles super organisiert, wir brauchen uns um nichts zu kümmern und können einfach nur malen“, schwärmt Margret Boonstra, und auch Kurt Fitzner, der mit seiner Frau Petra Kalkstein-Fitzner aus Berlin als Schüler teilnimmt, kommt ins Schwärmen. Kurator Ben Kamili, den sie in Berlin kennengelernt hatten, habe ihnen nicht zu viel versprochen. Künstler und Schüler sind im Ort privat und in der Gürren Stubb untergebracht, vier von ihnen im Hirtenhaus aus dem Jahr 1562.

Auch dieses sei etwas Besonderes, so Margret Boonstra: „In so einem alten Haus zu wohnen, das hatte ich noch nie.“ Gefördert wird das Willingshäuser Malersymposium vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Nach drei Jahren laufe die Finanzierung aus, so Ulrike Becker-Dippel: „Einen neuen Finanzier zu finden wird unsere kommende Aufgabe sein.“ (Kerstin Diehl)

Neue Impulse: Malerin Ann Larsson-Dahlin aus Schweden mit Kurator Ben Kamili.

Termin:

Ausstellung: Sonntag, 11. Juli, bis Sonntag, 8. August, in der Kunsthalle Willingshausen, geöffnet dienstags bis sonntags von 14 bis 17 Uhr, Samstag, Sonntag und Feiertag zusätzlich von 10 bis 12 Uhr, der Eintritt kostet 5 Euro, 2,50 Euro ermäßigt.

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