Schuf in russischer Kriegsgefangenschaft die „Festungsmadonna“

Kunsthalle Willingshausen zeigt bis Mai Werke von Kurt Reuber

Ausstellung: Werke des Pfarrers, Arztes und Malers Kurt Reuber sind derzeit in der Kunsthalle in Willingshausen zu sehen. Sammler Hans Christoph hielt die Laudatio zur Eröffnung. Fotos:  Rose

Willingshausen. Als Künstler ist der gebürtige Kasseler Kurt Reuber wenig bekannt. Sammler Hans Christoph brachte Licht in die Geschichte und die Geschichten von Kurt Reuber.

Er eröffnete vor viel Publikum die Ausstellung in der Kunsthalle Willingshausen. Organisiert wurde die Schau von der Vereinigung Malerstübchen mit Unterstützung der WTB und der Landfrauen. Pfarrer Markus Wagner-Breidenbach sorgte mit Musik am Klavier für den würdevolle Rahmen.

Reuber, Giebel-Schüler und enger Freund von Henner Knauf, schuf in russischer Kriegsgefangenschaft die so genannte „Festungsmadonna“, die für die Ausstellung an einer nachempfundenen Bunkerwand beeindruckend in Szene gesetzt worden war. Hans Christoph sagte in seiner Einführung: „Mir ist wichtig, dass Kurt Reubers theologische, medizinische und künstlerische Botschaft erhalten bleibt. Und verstanden wird.“

1906 in Kassel geboren habe sich bereits in Schulzeiten Reubers malerisches Talent gezeigt. Die pietistische Frömmigkeit jener Zeit empfand er alsbald als einengend, erläutert der Sammler. Sein Studium der Theologie habe Reuber in Behtel, Marburg und Göttingen absolviert. „Sein Medizinstudium hing er ganz selbstverständlich an - als sei das gar nichts besonderes“, verdeutlichte Christoph.

Zur jener Zeit knüpfte er auch Kontakte nach Willingshausen. Reuber wurde Vikar in Zella, wo er sich nach Recherchen des Sammlers ein Zimmer mietete und es mithilfe eines Vorhangs als Atelier abteilte.

Der Pfarrer sei ein überaus kritischer Beobachter gewesen. Mehrmals sei er versetzt worden, weil er sich parteipolitischen Vorgaben nicht beugte. Als prägend beschrieb Christoph auch Reubers Begegnung mit Albert Schweitzer in Marburg. Zwar leistete der Arzt und Pfarrer 1938 doch noch den Treueid: „Das rettete ihn jedoch nicht“, erklärte der Sammler.

Die Wehrmacht zog ihn ein, er wurde Truppenarzt. Als Seuchenarzt habe er sich überwiegend in der Ukraine aufgehalten. Während Henner Knauf in seiner Militärzeit überwiegend Landschaften gemalt habe, zeichnete Reuber Porträts. 1942 auch ein Selbstbildnis. 1943 geriet der Arzt in russische Kriegsgefangenschaft.

Sein im Bunker entstandenes bekanntestes Werk der „Gefangenenmadonna“ oder „Festungsmadonna“ sei bis heute ein „Symbol für den Friedenswillen“, erklärte der Sammler. Es sei auf Packpapier gemalt und als Lagerzeitung entstanden. In einer Beinprothese geschmuggelt fand die Arbeit auch den Weg zu Reubers Familie. 1944 starb Dr. Kurt Reuber an den Folgen einer Infektion.

Zu sehen ist die Ausstellung in der Kunsthalle Willingshausen noch bis zum 10. Mai jeweils Dienstag bis Freitag, 14 bis 17 Uhr sowie samstags und sonntags, 10 bis 12 und 14 bis 17 Uhr.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.