Die Faszination der Bäume

Kunstsammler Johannes Prinz beschreibt beliebtes Motiv der Willingshäuser Maler

Schäfer mit Schafherde unter den dicken Buchen
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Schäfer mit Schafherde unter den dicken Buchen in Öl auf Leinwand malte der aus Wernswig stammende Künstler Heinrich Otto. (Repro)

Auf einen besonderen Ort in Willingshausen macht der Ziegenhainer Kunstexperte Johannes Prinz aufmerksam und gewährt passend dazu einen Blick in seine Sammlung: Ein sehr beliebtes Motiv im Malerdorf waren die dicken Buchen am Ortsrand von Willingshausen in Richtung Neustadt.

Willingshausen – Die Baumgruppe wurde von mehreren Malern in Gemälden, Zeichnungen und Radierungen festgehalten. Prinz besitzt einige Originale und berichtet Wissenswertes dazu

„So ist da zum Beispiel der aus Wernswig stammende Düsseldorfer Maler Prof. Heinrich Otto, der einen Schäfer mit Schafherde unter den dicken Buchen in Öl auf Leinwand malte“, erklärt Prinz. Auch der Frankfurter Andreas Egersdörfer, der mit seinen Städelschülern regelmäßig nach Willingshausen kam, begeisterte sich für die dicken Buchen, die er mit einem Kuhgespann und einem Schwälmer Bauern darstellte. Heinrich Giebel fertigte eine Buntstiftzeichnung der dicken Buchen mit einer Strohdieme, vom gleichen Motiv fertigte Hermann Käthelhön eine Radierung, zählt der Ziegenhainer weiter auf.

Auch der Frankfurter Maler Andreas Egersdörfer begeisterte sich für die dicken Buchen. (Repro)

Heute ist von der markanten Baumgruppe nichts mehr zu sehen. In der Nähe wurde 2008 zur Erinnerung an Carl Bantzer eine Buche gepflanzt, die mittlerweile schon eine stattliche Höhe erreicht habe. Der ursprüngliche alte Baum brach laut Johannes Prinz am 17. August 1941, dem Todesjahr von Carl Bantzer, bei einem Gewitter zusammen.

Vor allem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts habe sich auch in Willingshausen die Freiluft- oder auch Pleinairmalerei (auf französisch: plein air- in freier Luft) verbreitet, erklärt Johannes Prinz. Dabei stellten die Künstler ein Stück Natur unter freiem Himmel bei natürlichen Licht- und Schattenverhältnissen und naturgegebener Farbigkeit der Landschaft dar. Diese Form der Malerei stand im Gegensatz zur Ateliermalerei.

Mit Ruhebank: 2008 wurde zur Erinnerung an Carl Bantzer eine Buche gepflanzt.

Doch keinesfalls jedes Landschaftsgemälde wurde ausschließlich im Freien gemalt, die Mehrzahl war eine Kombination von Freilicht- und Ateliermalerei.

Sehr oft wurden im Freien kleinformatige Skizzen gefertigt und die daraus hervorgehenden größeren Formate später im Atelier vervollkommnet. (Sylke Grede)

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