Der Junker, der ein Bauer war

Freundschaft zum Landgrafen ließ Leimbacher Bauern in die Geschichte eingehen

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Hier besuchte Landgraf Karl von Hessen den Bauern Hoose: Der Välteshof in Leimbach.

Leimbach.Junker Hooß ist in der Schwalm kein Unbekannter: Als berühmtester Bauer Leimbachs sind heute Straßen nach ihm benannt. Wer war dieser Mann? Eine Spurensuche.

Von der Seite sieht das alte Herrenhaus des Välteshofs aus wie ein staunendes Gesicht: Das Fachwerk rahmt zwei winzige Fenster ein wie zwei aufgerissene Augen. Ein grau getünchter Fensterladen auf Höhe der Parterre wird in der Vorstellung zu einem Mund, der ein überraschtes O formt - als könne das Haus selbst kaum glauben, was es alles erlebt hat.

Herr des Välteshofs 

1555 wurde der Välteshof in Leimbach erstmals urkundlich erwähnt. In die Schwälmer Geschichte ging er jedoch erst Ende des 17. Jahrhunderts ein, als Johannes Hooß, genannt der Junker, als Familienoberhaupt das Gut verwaltete. 1670 als fünftes Kind des Välten Hooß geboren, übernahm er mit nur 19 Jahren den Hof von seinem jung verstorbenen Vater. Im gleichen Jahr heiratete er die junge Catharina Fenner aus Ransbach, mit der er vier Kinder bekam. Nach dem Tod von Catharina vermählte er sich mit Elisabeth Riebeling. Aus dieser Ehe gingen acht Kinder hervor, von denen aber nur drei das Erwachsenenalter erreichten.

Freund des Landgrafen 

Berühmt in der Schwalm machte Hooß seine ungewöhnliche Freundschaft mit Landgraf Karl von Hessen. In einigen Geschichten heißt es, dass sie sich in einem Wald bei Leimbach begegneten, wo der Landgraf sich bei einem Jagdausflug verlaufen habe. Hooß habe ihn zurück nach Leimbach geführt.

Es ist unklar, ob das Kennenlernen genau so stattgefunden hat. Als gesichert gilt aber, dass sich zwischen den ungleichen Männern eine lebenslange Freundschaft entwickelte. „Hinsichtlich ihres heiteren Temperaments passten Fürst und Bauer trefflich zusammen“, heißt es in dem 1863 veröffentlichtem Buch „Die Gartenlaube“ von Ernst Keil.

Zudem ist belegt, dass der Landgraf zu Gast auf der Hochzeit von Hooß und dessen zweiter Frau war. „Auf der Feier tanzte der Bräutigam [Hooß] mit der Landgräfin“, berichtet die 800-Jahr-Chronik von Leimbach, „und bat Landgraf Karl um die Erlaubnis und große Ehre, seine Tanzpartnerin nach guter alter Sitte küssen zu dürfen.“

Die Bitte gewährte der Graf - allerdings nur gegen einen Beutel voller Dukaten.

Junker als Ehrentitel 

Die Ernennung zum Junker ist nicht mit einem Adelsbrief belegt, soll sich aber im Ziegenhainer Schloss zugetragen haben. Nach reichlich Essen und Wein soll der Landgraf Hooß einen Wunsch gewährt haben. „Ein Edelmann wolle er sein, soll Johannes geantwortet haben, worauf der Landgraf ihn kurzerhand zum Junker ernannte“, schreibt die Leimbacher Chronik dazu.

Namensgeber und Bildmotiv 

Mit Hoose ließ sich sogar bezahlen: In den 20er-Jahren zierten Szenen seiner Geschichte das Notgeld in der Schwalm, das in Treysa als Zahlungsmittel akzeptiert wurde.

Der Junker Johannes Hooß starb 1755 mit 85 Jahren. In der Erinnerung lebt er aber weiter: Mehrere Straßen in der Schwalm tragen seinen Namen. In den 20er Jahren zierten Szenen seiner Geschichte das Notgeld, mit denen in Treysaer Geschäften bezahlt werden konnte. Der Hof in Leimbach ist heute noch in der Hand seiner Nachkommen: Sie halten Herrenhaus, Scheune und Ländereien in Schuss und denken nicht daran, zu verkaufen. Mit dem jüngst geborenen Enkel sei auch die Nachfolge gesichert, heißt es. Sein Name ist Johannes.

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