Reportage vom Gelände

Heile Welt im Feld: In Loshausen beginnt heute das World Music Festival

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„Ich bin ein halber Spießer“: Wenn Roland Panse nicht auf einem Festival ist, arbeitet er im Außendienst für einen Werkzeugvertrieb. Auf das World Music Festival kommt er bereits seit vielen Jahren.

Loshausen. Reggae, Ska und Yoga: Das World Music Festival lockt hunderte Besucher nach Loshausen. Viele sind schon seit Tagen dort. Wir haben sie getroffen.

Roland Panse liest ein Buch, im Schatten eines roten Ungetüms. Vor ihm auf dem Tisch liegen Tomaten, Käse und Baguette. 

„Den Feuerwehrwagen habe ich damals für 4000 Mark gekauft“, sagt Panse. Er hat ihn umgebaut, eine kleine Wohnung auf Rädern, für Urlaube, aber auch für Tage wie diese. 

Es ist das 15. Mal für ihn, hier, auf dem World Music Festival bei Loshausen. Oder? So genau weiß er das gerade nicht.

Roland Panse ist ein ruhiger Typ, der leise, aber oft lacht, und eindeutig gebürtiger Schwabe ist. Das hört man. Er ist mit seiner Frau und seiner Tochter aus Marburg angereist, „mit der Vorhut“. Bald kommen die anderen an, rund 50 Menschen werden es sein. Freunde und Bekannte. 

An einer Stange hat Panse Kleidung seiner Tochter aufgehängt. Zum Verkauf. Und am Kühler seines Feuerwehrwagens hängt der Schädel eines Tieres, eines Schafes vielleicht. „Was willste schon mit sowas machen?“, fragt der 53-Jährige. Und antwortet selbst: „Nichts.“

Alle Generationen beieinander

„Schön ist, dass hier alle Generationen sind. Alte, Eltern, und Kinder“, sagt Panse. „Nicht nur junge Leute und Techno.“ Allerdings sei es früher nicht so voll gewesen. „Da konnte man locker noch am Samstagmorgen ein Plätzchen finden.“ 

Es ist Donnerstagmittag, als er das sagt, und die Felder am Ortsausgang von Loshausen, hinter dem Kleintierzuchtverein und der Feuerwehr, sind schon jetzt gefüllt. Zelte, Campingwagen und kleine Busse. Einige sind bereits seit Tagen hier. Aus der Ferne hört man eine Kirchturmglocke läuten und aus einem Lautsprecher vor einem Zelt dringt Rock-Musik. Man kann die Felder riechen.

Unter einem Pavillon, mit einer Zigarette in der Hand, in einem Camping-Stuhl, sitzt Jens Kube. Er ist der Kassenwart der Klangfreunde – des Vereins also, der das Festival organisiert. 

„Der Stützpunkt für den Campingplatz“: (von links) Jens Kube mit seiner Frau  Nehad El-Leithy und Friedhelm Leuschen.

„Wir sind hier der Stützpunkt für den Campingplatz“, sagt der 52-Jährige. „Gibt’s hier einen Jens?“, würden die Leute fragen, die Hilfe brauchen. Auf der Suche nach Toilettenpapier zum Beispiel.

Der Platz wird knapp

Seit 2002 gibt es das Festival hier. „Ganz winzig angefangen hat das“, sagt Kube. „Leider ist es immer größer geworden.“ Leider? „Weil wir keinen Platz mehr haben. Und weil viele Leute zum Leidwesen der Bauern schon am Anfang der Woche anreisen.“ Deshalb habe man das Kontingent an Karten auf 2700 begrenzt.

Unweit von Jens Kube, auf der anderen Seite der Straße, wird im Schlosspark gerade die Bühne aufgebaut. Die ersten Essensstände werden bald öffnen. Es gibt Regionales und Veganes, im Schlossgarten spielen Kinder. Und in der Schwalm treiben zwei Fässer mit Männern darauf.

„Es gibt sehr, sehr viele liebe Menschen hier“, sagt Rico Sell. Er sitzt mit Lukas Kaiser auf einer Decke, neben seinem Auto, auf dem Campingplatz. Rico mit Gitarre, Lukas mit Bier in der Hand. 

Warten auf ihre Freunde: Lukas Kaiser (links) aus Bad Kissingen und Rico Sell aus Gießen.

Klar, auf die Musik freuen sie sich. Natürlich. Rico kennt eine, Lukas keine Band. Er habe sich gestern einiges bei YouTube angehört. „Man wird immer wieder überrascht hier.“ Auch schön: zur Abkühlung in den Fluss springen. Gerne gleich morgens.

Ein Wochenende der Begegnungen

Die Sonne steht hoch über Loshausen. Neben den blauen Toilettenhäuschen hängen bunte Girlanden und Tücher zwischen den Zelten, laufen kleine Kinder und große Hunde umher. Ein Mann singt vor sich hin, ein anderer spielt Mundharmonika. Am Weg steht eine Massage-Liege.

Früher kamen sie aus Augsburg hierher: Samiya Wagner und Stefan Benz verkaufen eigenen Honig auf dem Gelände.

Stefan Benz und Samiya Wagner verkaufen Honig. Das Paar hat eine eigene Imkerei, am Meißner. Im Schatten vor ihrem Campingwagen sitzen sie und erzählen, dass sie seit 15 Jahren kommen. Eine lange Zeit. 

„Hier geht’s um den Geist der Begegnung“, sagt Wagner. Trotz der Beliebtheit sei das Festival nach wie vor familiär. Zwischen Kommerz und Authentizität. „Man sieht sich nur einmal im Jahr. Und ist sich dann trotzdem sehr nah.“

Das ist das World Music Festival: Seit 2002 veranstaltet der Verein Klangfreunde das World Music Festival zwischen Loshausen und Zella. In diesem Jahr findet es von Freitag, 20. Juli, bis Sonntag, 22. Juli, statt. Über drei Tage spielen Bands auf der Bühne im Schlosspark. Laut Meik Koch, Vorsitzender der Klangfreunde, erwartet die Besucher Reggae, Ska und psychodelischer Rock, aber auch traditionelle afrikanische Musik. Zudem werden auf dem Gelände Workshops wie Yoga- und Salsa-Kurse angeboten. Für Kinder gibt es ein eigenes Areal mit Kinder-Tipi sowie Mal- und Spielsachen. Festivaltickets gibt es vor Ort für 30 Euro, am Sonntag ist der Eintritt frei. Camping ist kostenfrei, aber nur mit Eintrittsband möglich. Fahrzeuge kosten zusätzlich fünf Euro.

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