Profi mit Schwälmer Wurzeln

Michael Dörrbecker zählt zu den besten mexikanischen Nascar-Fahrern - Seine Großeltern kommen aus der Schwalm

Nascar-Fahrer Michael Dörrbecker auf der Rennstrecke in Mexiko.
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Nascar-Fahrer Michael Dörrbecker auf der Rennstrecke in Mexiko.

Ein Profirennfahrer zu Gast in der Schwalm: Anlässlich des 80. Geburtstags seines Großvaters Walter machte Michael Dörrbecker mal wieder einen Kurzurlaub in seiner zweiten Heimat Loshausen. Er ist ein erfolgreicher Pilot der National Association for Stock Car Auto Racing (kurz Nascar) in Mexiko.

Loshausen - Nascar ist ungefähr vergleichbar mit der Deutschen Tourenwagen Meisterschaft und ist auf dem amerikanischen Kontinent – sogar vor der Formel 1 – der beliebteste Motorsport. Der 27-Jährige gewann 2018 die mexikanische Rennserie, die als zweitbeste hinter der amerikanischen Variante gilt. Im Jahr danach fehlte ihm als Vizemeister ein Punkt zur erneuten Meisterschaft.

In dieser Saison strebt der gebürtige Gifhorner wieder den Titelgewinn an, um vielleicht bald in der bedeutsameren Nascar Truck Serie in den USA zu fahren. Sein großer Traum, den er schon in seiner Jugendzeit als Teamkollege der Söhne von Rennfahrer-Legende Hans-Joachim Stuck bei der deutschen Kartmeisterschaft verfolgte, wird aber wohl unerfüllt bleiben: Eine Karriere als Formel 1-Fahrer.

Und das, obwohl Dörrbecker nah dran war. In Mexiko und Lateinamerika wurde er Jugendkartmeister. Danach fuhr er in den europäischen Formel-Nachwuchsklassen wie der Formel 3000 und der Formel 3.5. Als Europameister der Auto GP im Jahr 2016 bewies der damalige Wahl-Italiener sein fahrerisches Talent für die Königsklasse des Automobilsports.

Sponsoren fehlten zum Aufstieg in die Formel 1

Im Anschluss erhielt er die Option in der US-IndyCar-Serie und in der GP2 (jetzt Formel 2 mit Mick Schumacher) als Probefahrer zu agieren sowie bei der Entwicklung des Formel 1-Rennwagens des Teams Racing Point mitzuwirken.

Ein Startplatz in der Formel 1 blieb dem deutsch-mexikanischen Rennfahrer aber anders als seinem Ex-Teamkollegen Lando Norris (McLaren) sowie seinen ehemaligen Konkurrenten Carlos Sainz Jr. (McLaren), Daniil Kvyat (Alpha Tauri), Esteban Ocon (Renault) und Alexander Albon (Red Bull) wegen fehlender Sponsoren verwehrt. Dörrbecker wird zwar seit 2015 von Escuderia Telmex finanziell unterstützt.

Der Auserwählte des Autorennsport-Programms, der einen Großteil des Sponsoren-Budgets für die Teilnahme an der Formel 1 erhält, ist jedoch Sergio Pérez (Racing Point). Deshalb wagte der Mann aus Mexiko-Stadt in 2017 den schweren Wechsel von den Formel-Autos zu den Stockcars. „Mein Herz hängt an der Formel 1, aber ich will mich nun in der Nascar weiterentwickeln“, erklärt der Fahrer des FedEx-Telcel-Autos (550 PS) mit der Startnummer 1.

Michael Dörrbecker bei den Schwälmer Großelteltern Rosi und Walter Dörrbecker in Loshausen.

Nascar-Pilot: Sein Opa weckte das Interesse für Motorsport in ihm

Falls es die Nascar-Saison zulässt, besucht er zweimal pro Jahr die Schwalm. Einerseits um den Kontakt zur Familie aufrechtzuerhalten, andererseits um seine emotionalen Heimatgefühle zu stillen.

Die Erinnerungen an die früheren zweimonatigen Aufenthalte in Deutschland sind sofort präsent, wenn er das Haus in der Kasseler Straße betritt. Sportarten wie Fußball, Tennis und natürlich die Formel 1 lernte er in Loshausen dank seines sportbegeisterten Großvaters kennen. Deshalb betont Miji, wie er in Mexiko genannt wird, dass sein Opa Walter Dörrbecker ein wesentlicher Grund für seine späteren Karriere-Erfolge als Rennfahrer ist: „Er hat meine Begeisterung und Mentalität für den Motorsport geweckt und mich immer unterstützt. Dafür bin ich ihm und meiner Familie über alles dankbar.“

Neben den sportlichen Aktivitäten hat er auch die kulinarischen Spezialitäten nie vergessen. „Das Schlachteessen gehörte zu den Höhepunkten. Sogar heute träume ich gelegentlich von einer Ahlen Wurst“, berichtet der Latino schmunzelnd. Vor dem Rückflug gab es deshalb noch ein großes Familienessen. Gestärkt und erholt geht es nun in Mexiko am heutigen Donnerstag (20. August) im dritten von zwölf Rennen weiter mit der Jagd nach Bestzeiten und Siegertrophäen. Im vierten Jahr als Nascar-Fahrer will Michael Dörrbecker seine zweite mexikanische Meisterschaft gewinnen.

Luis Michael Dörrbecker Rebollar

Luis Michael Dörrbecker Rebollar ist in Gifhorn bei Wolfsburg am 9. Januar 1993 geboren, zog aber vor 25 Jahren mit seiner Familie nach Mexiko. Er ist ledig und wohnt in Mexiko-Stadt.

Sein Vater Michael stammt aus Loshausen, wo seine Großeltern Rosi und Walter Dörrbecker leben. Außerdem gehören Mutter Araceli Rebollar und Schwester Shanik Dörrbecker zum engeren Familienkreis. Dörrbecker hat die deutsche und die mexikanische Staatsangehörigkeit. Wegen seiner mexikanischen Fahrerlizenzen wird jedoch die mexikanische Nationalhymne gespielt, wenn Dörrbecker Rennen gewinnt. Seine größten Erfolge sind die Meisterschaft in der Auto GP 2016 sowie der Titelgewinn (2018) und die Vize-Meisterschaft (2019) mit FedEx-Telcel in der mexikanischen NASCAR-Serie. Der Bayern München-Fan ist leidenschaftlicher Sportler, mag klassische Autos und liest gerne Geschichts- und Philosophie-Bücher.

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