Schwälmer Rad-Akrobat ist seit acht Jahren Profi

Nur Fliegen ist schöner: Die atemberaubenden Rad-Tricks des Dirtjumpers Patrick Schweika

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So sieht es aus, wenn Patrick Schweika eine Radtour macht.

Mit seinem Dirtbike war Patrick Schweika einer der Pioniere der jungen Trendsportart. Nun macht sich der Schwälmer als Architekt für Wettkampframpen einen Namen.

Eine Frage wird Patrick Schweika immer wieder gestellt, seitdem er auf seine Weise Fahrrad fährt: "Bist du lebensmüde?" Das fragen sich die meisten, wenn sie sehen, wie der 27-Jährige aus Loshausen in der Schwalm mit seinem Mountainbike durch die Luft fliegt und Tricks macht, die "Superman" und "Suicide Nohander" heißen. Schweika ist Dirtjumper und springt mit seinem speziellen Rad über künstliche Hügel.

Lebte zuletzt in Barcelona und ist nun in Koblenz zu Hause: Der Schwälmer Patrick Schweika.

Die Trendsportart findet unter Jugendlichen immer mehr Anhänger, was nicht nur daran liegt, dass die Tricks krass aussehen, sondern auch an der Gefahr, die stets mitfährt. Aber Schweika sagt: "Wenn ich mit meinem Rad 17 Meter weit springe, fühle ich mich sicherer als bei einem Sprung zu Fuß von einer eineinhalb Meter hohen Mauer."

Schon seit 2009 ist der gelernte Industriemechaniker Profi. Seitdem hat er sich einmal den Oberschenkelknochen ausgekugelt. Und im Februar riss er sich einige Bänder. Das war's. "Ich bin einer der wenigen Fahrer, die glimpflich davongekommen sind", sagt der Schwälmer, der einer der Pioniere der noch jungen Sportart war und nun einen neuen Weg sucht.

Mittlerweile baut er Rampen und konzipiert Wettkampfstrecken wie zuletzt beim Dirtmasters-Festival in Winterberg. Mit einem Zehn-Tonnen-Bagger häuft er bis zu vier Meter hohe Erdladungen an, von denen aus die Fahrer die Schwerkraft für einen Moment zu überlisten scheinen.

So ähnlich begann auch Schweikas Karriere. Als Teenager drehte er mit seinem Vater ganz normale Mountainbike-Touren in den Wäldern rund um Ziegenhain. Dann baute er sich mit Kumpels Downhill-Strecken, auf denen man ins Tal rasen konnte. Und irgendwann machte er mit seinem Rad Rückwärtssalti. Dirtjump, wie er heute in der internationalen World-League-Serie ausgetragen wird, war da noch gar nicht erfunden. "Den Sport gab es noch gar nicht", sagt Schweika, der 2007 komplett vom Downhill-Rad auf das speziell für Sprünge konzipierte Dirtbike umstieg.

Dirtjump muss man sich ein bisschen vorstellen wie Eiskunstlaufen auf zwei Rädern - nur in cool. Hier geht es nicht darum, wer der Schnellste ist, sondern "wer die geilsten Sprünge" macht, wie Schweika sagt. Seine Sprünge waren oft sehr geil. Viele deutsche Veranstaltungen hat er gewonnen, in der internationalen World-League-Serie landete er einmal auf Rang 23.

Mit 27 wäre er jetzt im besten Fußballeralter, aber Dirtjump ist eine Disziplin der Jugend. "Die Kids machen Sachen, die ich nicht mehr kann", sagt Schweika.

Darum wird er nun vom Athleten zum Architekten der Dirtjump-Szene. Trotzdem fährt er immer noch fast jeden Tag. Im Winter hat er fünf Monate in Barcelona gelebt, um zu trainieren. Zwischendurch war er in Andorra Ski fahren. Gerade ist er nach Koblenz gezogen, wo es ebenfalls ideale Trainingsbedingungen gibt. In manchen Gegenden bauen sich Jugendliche immer noch Schanzen im Wald. Vielerorts entstanden jedoch legale Anlagen für Dirtbikes. So wie 2006 an der Treysaer Ostergrundschule.

Wenn Schweika in der Heimat ist, übt er manchmal noch dort. Training bedeutet für ihn nicht das Schinden nach Trainingsplan, sondern "eine gute Zeit mit meinen Freunden zu haben". Dirtjumper sind doch eher Skateboarder als Eiskunstläufer. Darum sponsern Firmen wie der Brausehersteller Red Bull die Szene. Auch auf Schweikas Instagram-Account, der fast 7000 Abonnenten hat, sind zahlreiche Sponsoren aufgelistet.

Er wird weiterhin gut von seinem Sport leben können - ob als Radfahrer in der Luft oder als Rampenbauer am Boden. Auch im Alltag ist er mit dem Rad unterwegs. Allerdings wohnt er mit seiner Freundin nun in Koblenz auf einem Hügel. Das ist selbst für jemanden, der die Schwerkraft außer Kraft setzt, ganz schön anstrengend.

ZUR PERSON: PATRICK SCHWEIKA

Alter:

27

Ausbildung:

zum Industriemechaniker, zuvor Zivildienst bei Hephata in Treysa

Beruf:

Radprofi (Disziplin Dirtjump)

Aufgewachsen:

in Willingshausen-Loshausen, wo einst auch seine Schwester Elena Mountainbike-Rennen in der Disziplin Four Cross fuhr

Privates:

Lebt mit seiner Freundin in Koblenz

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