Direktvermarktung in Leimbach 

Frisch auf den Tisch: Jugendliche pflanzen Gemüse und Kräuter an

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Schätzt die gute Beratung: Regina Fink aus Bernsburg.

Mit Schnur und Stöckchen sind die Beete eingezogen, so exakt, als hätte jemand den Zollstock benutzt. Bei der Jugendhilfe Leimbach wird noch gegärtnert wie zu Großmutters Zeiten.

Jugendliche und Betreuer der Suchthilfeeinrichtung ernähren sich aus eigener Produktion. Was über ist, wird direkt vor Ort vermarktet. Das kommt bei den Kunden gut an.

„So frisch bekommt man selten einen Salatkopf“, sagt Christina Plag, als Jens Draxdorf ihr ein frisch geerntetes Exemplar in den Korb legt. Zuhause in Wasenberg hat sich der neunjährige Paul selbst ein kleines Gemüsebeet angelegt, auch sein neuer Kürbis soll da in ein paar Tagen hinein.

Im Dezember bereits Planungen fürs kommende Jahr 

„Wir haben das ganze Jahr über zu tun“, sagt Jens Draxdorf von der Jugendhilfe Leimbach der Selbsthilfegemeinschaft „Die Fleckenbühler“. Im Dezember fange er an, für das nächste Gartenjahr zu planen, Saatgut zu bestellen, um Mitte Januar mit der Anzucht von Stauden- und Salatpflanzen zu beginnen. „Spätestens im März ernten wir den ersten frischen Salat.“

Ein Dutzend Jugendliche im Alter von 15 bis 21 Jahren leben, lernen und arbeiten hier, dazu noch einmal so viele Erwachsene als Mitarbeiter der Jugendhilfe. Der Garten sorgt neben Haustechtechnik, Hauswirtschaft und Küche für Tagesstruktur. Eigene Hühner und Bienen erweitern das Angebot mit Eiern und Honig, die Kartoffeln werden vom Hauptsitz der Fleckenbühler in Schönstadt bei Cölbe geliefert.

Durch Zufall Gärtner geworden

Jens Draxdorf (49) selbst ist eher durch Zufall Gärtner geworden, hat in seiner Vergangenheit selbst Suchterfahrungen gemacht wie alle Jugendlichen und Erwachsenen hier. Seit fünf Jahren arbeitet er in der Gärtnerei, seit drei Jahren leitet er sie. „Ich musste das Rad nicht neu erfinden“, sagt er und erklärt einer Kundin auch gleich den Unterschied zwischen Pflück- und Schnittsalat: „Bei Pflücksalat pflückt man immer die äußeren Blätter ab und lässt den Kern stehen, bei Schnittsalat schneidet man die Blätter großzügig über dem Boden ab.“

Gute fachliche Praxis lässt die Tomaten, Chilis, Paprika und Möhren wachsen und gedeihen: Die Gärtnerei zieht alle Blumen-, Kräuter- und Gemüsepflanzen selbst an. Ob Dill, Brennende Liebe oder rotes Basilikum: schon der Samen hat Bio-Qualität.

Kopfsalat, Radieschen und Kräuter sind hoch im Trend 

Hauptsächlich wird das Grünzeug für die Eigenversorgung der Jugendhilfe in Leimbach angebaut, doch alles, was übrig ist, geht in den Verkauf. Und das ist bisweilen eine ganze Menge. Je nach Saison, was der Garten gerade hergibt. Zurzeit sind es vor allem Kopfsalat, Radieschen und Kräuter. „Es ist regional und in Bio-Qualität, ich kaufe hier lieber ein als mit Einkaufswagen in einem großen Supermarkt“, so Regina Fink aus Bernsburg.

Wer sich selbst ein Beet anlegen möchte, ist hier auch genau richtig: Rote und weiße Kohlrabe, Rot- und Weißkohl, Sellerie, Salat, Gurken, Paprika, Zucchini oder Kürbis – alles da.

Buntes Sortiment

Die Vielfalt der Gärtnerei kann mit manchem Gartenbaumarkt mithalten. Ein großes Gewächshaus und drei riesige Folientunnel bieten neben dem Freiland den Pflanzen genügend Platz zum Wachsen und Gedeihen. Sonne, Erde, Wasser, Geduld und viele kleine Handgriffe sind nötig: Bis eine Tomatenpflanze verkauft wird, wurde sie nach der Aussaat drei Mal umgetopft.

„Ich finde das eine sehr gute, sinnvolle Sache hier“, sagt Ariane Schneider, die sich mit Jungpflanzen für ihre Hochbeete eindeckt. Und mit dem Kauf unterstützt man ja auch das Projekt“, so die Wasenbergerin.

Öffnungszeiten 

Die Gärtnerei mit Direktvermarktung hat montags bis freitags von 8 Uhr bis 12.30 Uhr und von 13.30 Uhr bis 16.30 Uhr geöffnet, samstags von 9.30 bis 12.30 Uhr. Der Verkauf läuft unter Einhaltung der Abstandsregelungen. Es wird individuell bedient, das Betreten der Gewächshäuser zur Auswahl bestimmter Pflanzen ist einzeln möglich.

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