Auf Funkruf zur Behandlung

Tierarztpraxis in Willingshausen stellt pandemiebedingt auf Pagersystem um

Dr. Rainer Schäfer in seinem Behandlungsraum. Auf der rechten Seite des Bildes sieht man die Pager.
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Dr. Rainer Schäfer in seinem Behandlungsraum. Auf der rechten Seite des Bildes sieht man die Pager.

Tierarzt Dr. Rainer Schäfer aus WIllingshausen hat für Praxisbesucher ein Pagersystem angeschafft. Dadurch müssen Tierhalter sich nicht mehr im Wartezimmer aufhalten und können im Auto warten.

Willingshausen – Tiere sollen sich wohlfühlen in der Praxis von Dr. Rainer Schäfer in Willingshausen. Damit sich deren Halter in der Pandemie zudem sicher fühlen, hat sich Schäfer (58) mit einem besonderen System ausgestattet. Neben allen sowieso notwendigen Hygienemaßnahmen nutzt sein Praxisteam jetzt ein Pagersystem, zu Deutsch Personen- oder Funkrufempfänger.

„Hierdurch sind die Tierhalter nicht mehr gezwungen, sich mit ihren Patienten im Wartezimmer aufzuhalten. Sie können ganz bequem im Auto warten.“ Erst wenn die Angestellten den Ruf auslösen und somit das Geräusch am Empfangsgerät ertönt, machen sie sich auf den Weg in die Praxisräume. Der Einsatz des Pagers habe sehr schnell zu einer noch „gechillteren, ruhigeren Atmosphäre’’ beigetragen. Nicht zuletzt deshalb kann sich der Tierarzt vorstellen, dieses System über die Pandemie hinaus in den Praxisalltag zu integrieren. Selbst, wenn es dann wieder eine freie Sprechstunde geben wird. Erstanden hat Schäfer die Geräte im Onlinehandel, Kosten 160 Euro.

Seit Corona den Alltag aller bestimmt, hat Schäfer komplett auf Terminsprechstunde umgestellt. Das Wartezimmer fungiert nur noch als Durchgangsraum. „Ein Aufeinandertreffen mit anderen Tierhaltern ist quasi ausgeschlossen, denn wir lösen den Ruf des nächsten Patienten ja erst aus, wenn der vorherige die Praxis bereits verlässt.’’ Selbstverständlich wird das Piepen, das beim Ruf ertönt, sofort ausgestellt, damit das Tier nicht gestört wird. Der große Hof vor der Praxis ist seitdem ein Wartehof und hat die Funktion des Wartezimmers eingenommen. „Unsere Nachbarn könnten sogar nach Hause gehen bis sie zur Behandlung gerufen werden, denn der Pager hat eine Reichweite von bis zu einem Kilometer’’, bemerkt Schäfer.

Pager beim Tierarzt: Praxis gilt inzwischen als systemrelevant

Dass seine Praxis und die seiner Kolleginnen und Kollegen überhaupt als systemrelevant eingestuft wurde, war ein harter Kampf. Denn nur auf Drängen des BpD (Bundesverband praktischer Tierärzte), der sich für die Gewährleistung der tiermedizinischen Versorgung einsetzte, sei dies erreicht worden. Schäfer geht sogar soweit, dass er erkrankte Tiere vor der Tür der in Quarantäne befindlichen Halter abholt und sie nach erfolgter Behandlung wieder dorthin zurückbringt. Die Ergebnisse bespricht er im Anschluss telefonisch. Für ihn ein selbstverständlicher Service in diesen besonderen Zeiten.

Lässt Schäfer das Jahr Revue passieren, stellt er fest, dass er, im Vergleich zum Vorjahr, ein Viertel mehr Neuregistrierungen von Hunden und Katzen zu verzeichnen hat. Ein Trend, den er zwiespältig begutachtet: einerseits gut für seine Praxis. Anderseits hofft er, dass die Anschaffung der Tiere langfristigen Charakter hat. Fatal wäre, wenn viele dieser Tiere dann, wenn alles wieder in geregelten Bahnen läuft und die Arbeitnehmer vom Homeoffice zurück an die Arbeitsstelle müssen, im Tierheim landen, weil keine Zeit mehr zur Versorgung der Tiere bleibt. Zum Praxisteam gehören insgesamt drei Angestellte, eine Tierarzthelferin und eine Praxishelferin, außerdem Schäfers 89-jährige Mutter Barbelies (Barbara Elisabeth), die den Empfang steuert. Wer mag, kann dem „Katzenflüsterer“ außerdem abends live via Instagram auf seinem Gassigang mit seiner Katze Minka folgen. (Vanessa Schnücker)

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