Junge Erwachsene suchten Schule heim, pöbelten und zerstörten

Trio verbreitete Schrecken an Melanchthon-Schule Steinatal

Luftbild des Gymnasiums: Die Melanchthon-Schule (MSS) im Steinatal ist das Gymnasium der Landeskirche und liegt mitten im Wald. Foto: Archiv

Willingshausen. „Angst", so sagt Claus Otto, Schulleiter der Melanchthon-Schule Steinatal unumwunden, breitete sich in der Schule aus. „Wir wussten ja nicht, was die wollten", berichtet Otto. Und eigentlich weiß das auch noch immer niemand so recht.

Was war geschehen? In dem idyllisch, aber einsam im Wald bei Trutzhain gelegenen Gymnasium waren erstmals vorige Woche zwei junge Fremde auf dem Schulgelände aufgetaucht und sorgten für Irritationen. Diese Woche kehrten sie noch zwei Mal zurück, am Mittwoch hatten sie dann auch eine, wie sich später herausstellte, 20 Jahre alte Frau mitgebracht.

Nach dem Bericht von Kriposprecher Markus Brettschneider liefen sie durch Schulhausgänge und drangen in Klassenzimmer ein. Dabei zerstörten sie Papiere und Notenblätter, pöbelten Schüler und Lehrer an. Schüler berichteten, dass einer der Männer, 19 und 21 Jahre alt, den Arm zum Hitlergruß hob.

Das bestätigte im Gespräch mit der HNA Schulleiter Claus Otto und beschrieb das hochgradig befremdliche Verhalten der Eindringlinge: „So etwas habe ich noch nie erlebt, sie warfen Dinge um, hielten Schüler fest, attackierten, verbreiteten Angst.“ Immer, wenn sie angesprochen wurden, seien die jungen Leute davon gerannt.

Claus-Hartwig Otto

Die Belastung für die Schulgemeinde sei erheblich. Zugleich lobte der Schulleiter die Lehrkräfte, die beherzt eingegriffen hätten und die Polizei, die sehr schnell vor Ort gewesen sei. Bei der Motivation zu den Übergriffen gab sich Otto zurückhaltend, was eine Verortung im rechtsradikalen Milieu angeht, „ich sehe das eher als jugendlichen Unfug“.

Eine rechte Gesinnung der Täter hält auch die Polizei nicht für wahrscheinlich. Zuversichtlich zeigte sich der Schulleiter, dass die verstörenden Ereignisse an der „Schule ohne Rassismus“ (Leitbild seit November 2013) mitsamt der Schulsozialarbeiterin gut verarbeitet werden können.

Im Tagesverlauf des Freitag hat sich ein Anrufer bei Schulleiter Otto gemeldet und sich für die Taten entschuldigt beziehungsweise die Verantwortung übernommen.

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