Ulrich Harder stellt zeitgenössische Werke in Willingshausen aus

Der Künstler und sein Lieblingsbild: Ulrich H arder (links), daneben Markus Jesberg (Rauschenberg). Die Große Abendstimmung entstand in der Nähe von Bringhausen am Edersee.

Qualität kennt weder Zeit noch Raum. Bei den Bildern von Ulrich Harder verlieren Dimensionen des Diesseits ihre Bedeutung, möchte man meinen, sie sind einfach zeitlos schön. Hessische Landschaften in der zeitgenössischen Malerei heißt die aktuelle Ausstellung in der Kunsthalle Willingshausen, die am Samstag vor vollem Haus eröffnet wurde.

Dabei sind die Werke des Marburger Künstlers gar nicht zeitgenössisch, eigentlich. Das Malen mit Öl musste sich der 56-Jährige selbst beibringen, da es zu Zeiten seines Studiums der Kunstgeschichte sowie der Grafik und Malerei an der Universität Marburg als antiquiert galt und verpönt war. Doch genau so, wie er von früh an entgegen des Zeitgeists ein Faible für Landschaften hatte, so hatte er auch Lust, diese ganz altmodisch in Öl zu malen.

Das Auge des Betrachters wird hineingezogen in die Landschaft, als ginge er gerade darin spazieren. Harder setzt die Tradition der Landschaftsmalerei fort, wie sie in der Künstlerkolonie Willingshausen von Bantzer geprägt wurde. Er setzte jedoch mit dem Abstand eines Jahrhunderts andere künstlerische Schwerpunkte, schaffe nach dem „Prinzip der Illusion“ räumliche Tiefe durch eine imaginäre Dreidimensionalität seiner Bilder her, so seine Frau Sabine Harder vom Marburger Haus der Romanik in ihrer Einführung in die Ausstellung.

Die nordhessische Landschaft und ihre Reize sind Harder vertraut, das ist seinen Bildern mit Titeln wie Abendstimmung oder Lichter Wald anzusehen. Dabei besticht seine Kunst einerseits durch die Authentizität – der Betrachter erkennt auf Anhieb den Dörnberg, die Amöneburg oder die Kapelle Schönberg – und andererseits durch eine fast magische Verwandlung der Naturimpressionen. Dadurch, dass Harder die Landschaften als eigene Persönlichkeiten wahrnimmt, sei Harder in Zeiten von Klimawandel, in denen Natur und Landschaft als kostbares Gut angesehen werde, seiner Zeit weit voraus.

Harder ist in Willingshausen kein Neuling. Vor 19 Jahren war er als Stipendiat hier. Es war das Jahr, in dem auch seine Tochter Katharina zur Welt kam – auch sie war mit zur Vernissage gekommen. „Wir sind heute noch froh, dass wir damals Ulrich Harder gegen den ursprünglichen Willen des Kuratoriums durchgeboxt haben“, sagte Helmut Geißel, Vorsitzender der Vereinigung Malerstübchen. Harder, der bereits in Paris ausstelle, lebt heute nicht nur für, sondern auch von seiner Kunst. 200 Bilder malt er pro Jahr, und auch die 68 in der Ausstellung gezeigten Werke sind alle in den vergangenen Monaten entstanden. Zudem arbeitet er im Auftrag einer Galerie, die einen Kunst-Supermarkt beschickt.

Zu sehenbis zum 10. November in der Kunsthalle, geöffnet Dienstag bis Freitag 14 bis 17 Uhr, Samstag, Sonntag und an Feiertagen 10 bis 12 und 14 bis 17 Uhr.

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