Ein Urgestein geht in den Ruhestand

Der stellvertretende Schulleiter Wilfried Ranft verlässt das Steinatal

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Freut sich auf neue Wege und mehr Freizeit: Wilfried Ranft (64) war 17 Jahre lang stellvertretender Schulleiter in der Melanchthon-Schule, morgen wird er in den Ruhestand verabschiedet. 

Er ist ein Urgestein der Melanchthon-Schule, 37 Jahre lang war Wilfried Ranft im Steinatal tätig

– nun wird der stellvertretende Schulleiter in den Ruhestand verabschiedet. Den gebürtigen Gießener hat es direkt nach seinem Studium in den Fächern Biologie und Chemie in die Schwalm „verschlagen“, bereut hat er das nie. „In Hessen gab es damals praktisch keine Stellen“, erinnert sich der 64-Jährige. Die Möglichkeit, an einer Schule im Ländlichen zu unterrichten, empfand Ranft als reizvoll: „Und ich bin schnell hier angekommen, die Schule bot schon damals viele Möglichkeiten“, sagt er.

Image der Schule wurde gepflegt

Wilfried Ranft startete in einer seinerzeit zweizügigen Schule mit etwa 450 Schülern und „Resten des Internats“, das bis 1985 im Steinatal angegliedert war. „Das Kollegium bestand fast nur aus Männern“, erzählt er. Die Melanchthon-Schule galt als privilegiert, viele Schüler seien abgewiesen worden, „das Image wurde gepflegt“. Und weiterentwickelt: Vor 17 Jahren wurde Ranft ins Schulleitungsteam berufen – „die Leitungsarbeit war dann mein zweiter Beruf“, sagt er. Denn immer habe er mit vollem Herzen und sehr gerne unterrichtet. Auch wenn in Chemie auch mal etwas schief ging. „Die Decke ist mittlerweile saniert“, erzählt Ranft und lacht. Als Herausforderungen beschreibt der Lehrer etwa den Ausbau der Förderangebote: „Wir haben eine Mittagsarbeitszeit eingerichtet und mit dem Bau der Mensa beste Bedingungen geschaffen.“ Auch die Digitalisierung gehe gut voran. Im Umgang mit den Schülern und Eltern habe sich in mehr als drei Jahrzehnten einiges verändert, berichtet Ranft. „Wir arbeiten auf Augenhöhe miteinander – das schätze ich sehr.“

Die Jugend ist selbstbewusster

Über das Vorurteil, dass die Jugend immer schlimmer werde, kann der 64-Jährige nur lachen. „Die Jugend ist weder schlimmer noch dümmer, sondern schlicht selbstbewusster. Und das ist gut so“, sagt der Treysaer. Ihm, der zehn Jahre nach Kriegsende zur Welt kam, sei es bis heute ein echtes Anliegen, Auseinandersetzung zu verhindern und Frieden zu stiften. Wenngleich manch Schüler-Lehrer-Beziehung nicht immer friedvoll blieb. Ranft erinnert sich an einen Förstersohn: „Es hat mich sehr geärgert, dass er den Unterschied zwischen Rot- und Blutbuche nicht kannte. Und sicher habe ich ihm das auch mehrfach gezeigt“, erzählt er. Als der Junge schließlich Abi machte, revanchierte sich der Schüler auf seine Weise. „Er setzte bei mir den Bewegungsmelder am Haus außer Kraft und pflanzte 100 junge Rotbuchen in den Vorgarten.“ Dabei habe ihm der Schüler eindrucksvoll den Spiegel vorgehalten, ohne bösartig zu sein.

Freut sich auf Ruhestand

Seinem Ruhestand blickt Ranft freudig entgegen – die drei Töchter, „alle verteilt in Deutschland“, und die drei Enkelkinder will er häufiger besuchen, die Radwege der Schwalm nutzen, den Garten umgestalten und Möbel und Spielsachen schreinern. „Ich habe mich vorbereitet und mir im Keller eine Holzwerkstatt eingerichtet.“ In der Schule werde er noch gerne Gast sein. Sein Nachfolger wird Martin Michel.

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