Auf dem Weg zum Licht

Vereinigung Malerstübchen zeigt eine große Heinrich-Giebel-Gemäldeschau

Vor dem Selbstporträt des Großvaters: Die Giebel-Enkel Christoph und Hellmut Giebel (von links) mit Helmut Geißel vom Malerstübchen. Giebel war einer der bedeutendsten Schwälmer Maler. Fotos: Diehl

Willingshausen. Mit einer umfangreichen Retrospektive würdigt die Vereinigung Malerstübchen Willingshausen dem 150. Geburtstag des großen Schwälmer Malers Heinrich Giebel.

Nicht nur die Enkel des Künstlers waren bei der Vernissage am Samstagnachmittag in der Kunsthalle Willingshausen begeistert.

Dr. Christoph Otterbeck vom Marburger Universitätsmuseum für Kunst und Kulturgeschichte gratulierte Vorsitzendem Helmut Geißel zur gelungenen Ausstellung, die 46 Gemälde umfasst und größtenteils aus Privatbesitz stammt. Otterbeck lobte sowohl Auswahl als auch Hängung der Bilder, die die Besucher die Bandbreite und Entwicklung des Schaffens Heinrich Giebels (1865 bis 1951)nachvollziehen ließen.

So beginne die Gemäldeschau mit eher düster gehaltenen Arbeiten aus den früheren Jahren und ende mit Werken, die deutlich mehr Licht und Stimmung eingefangen hätten. Giebels Entwicklung vom realen Abbild zur Gestaltung, seine handwerklich solide Arbeit, sein eigener Weg, einen Eindruck vom ländlichen Hessen seiner Zeit zu vermitteln - dies alles werde in der Ausstellung deutlich.

Publikum: Volles Haus im Gerhardt von Reutern-Haus bei der Ausstellungseröffnung.

Der in Kassel geborene Künstler, der bereits mit 14 Jahren in die dortige Akademie eintrat und später bis 1901 Erfahrungen an der Akademie in München sammelte, sei sich der Farbwerte bewusst gewesen und, wenn auch kein Avantgardist, im Laufe seines Wirkens immer weiter den Weg des Lichts gegangen als „einzigartigen, hellen, stark die Farbe betonenden Weg“, so Otterbeck. Er hob die Bedeutung der Malerkolonie für die damalige Zeit und insbesondere für Heinrich Giebel hervor: Willingshausen sei als „wichtiger Entwicklungsort der Kunst des 19. Jahrhunderts“ für Giebel das Zentrum seiner künstlerischen Existenz gewesen. Hier sei er von seinem ersten Aufenthalt als 23-jähriger Student bis hin zu seinem letzten Besuch als Maler im Alter von 76 Jahren in insgesamt 31 künstlerischen Aufenthalten die längste Zeit seines Lebens gewesen.

Als Lebensmittelpunkt wählte Giebel 1903 Kassel, wo er ein Atelier übernahm, unterrichtete und sich eine eigene künstlerische und wirtschaftliche Existenz als Maler und ab 1913 bis zu seiner Pensionierung 1934 als Universitätszeichenlehrer aufbaute. Giebel gelte als einer der Akteure der Wiederentdeckung der Natur und der Landschaftsmalerei. Er habe „die Willingshäuser Zeit als seine glücklichste“ bezeichnet, sagte Geißel. Bei von den Landfrauen gereichten Häppchen von Schwälmer Platz und einem Glas Sekt kamen die Besucher ins Gespräch, über Heinrich Giebels Gemälde, die Menschen, die Landschaften, die Stimmung.

Von Kerstin Diehl

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