Streit um Sanierung schon seit Jahren

Malerkolonie Willingshausen: Gerhardt-von-Reutern-Haus in schlechtem Zustand

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Geben die Hoffnung nicht auf: Ulrike Becker-Dippel und Paul Dippel von der im Gerhardt-von-Reutern-Haus ansässigen Willingshausen-Touristik-Betriebsgesellschaft hoffen auf die dringend anstehende Sanierung des bedeutendensten Kulturstandorts der Schwalm – hier mit einer Skulptur von Carin Grudda.

Willingshausen. Nicht zu leugnen ist, dass das Gerhardt-von-Reutern-Haus mit seinem Museum Malerstübchen und der Kunsthalle einer der bedeutendsten Kulturstandorte in Nordhessen ist.

Äußerlich spiegelt das einstige Gasthaus, in dem die berühmten Willingshäuser Maler ein und aus gingen, das allerdings nicht wider: Fenster faulen, Gefache fallen aus dem Mauerwerk. Die fehlende Barrierefreiheit und die ausstehende energetische Sanierung runden die eher traurig anmutende Darstellung ab.

Im Willingshäuser Rathaus in Wasenberg ist man sich klar, dass das Gerhardt-von-Reutern-Haus nicht mehr den heutigen Anforderungen an Brandschutz und Barrierefreiheit in öffentlichen Gebäuden entspricht. Was fehlt, ist das Geld. Aus einer erhofften Förderung ist nichts geworden. Jetzt hofft man auf Unterstützung vom Bund.

Seit Jahren bereits wird um das Gerhardt-von-Reutern-Haus gestritten – insbesondere im Gemeindeparlament. Das wird beim Blick ins Zeitungsarchiv deutlich. Im Jahr 2012 wurde Nein zum Umbau gesagt, ein Jahr später Ja. Mal war es die Sanierung eines Brunnens, die die Renovierung insgesamt zu teuer werden lassen könnte. Ein anderes Mal wird ein Aufzug, der die Barrierefreiheit sicherstellen könnte, als unnütz empfunden.

Ulrike Becker-Dippel und Paul Dippel von der im Reutern-Haus ansässigen Willingshausen-Touristik-Betriebsgesellschaft (WTB) können darüber nur mit dem Kopf schütteln. Da werde ganz einfach öffentliches Eigentum vernachlässigt. „Es geht nicht um ‘die toten Maler’, sondern um die Auseinandersetzung der Maler mit der Schwälmer Kultur, Identität, Selbstverständnis und Lebensweise“, meint Paul Dippel. 

Eine Auseinandersetzung, die weit über die Region hinaus strahle. Unverständnis zeigt Dippel auch darüber, dass von Einzelnen in den politischen Gremien Willingshausens ständig nach Informationen gefragt werde. Jeder der Mandatsträger könne sich jederzeit ein Bild von den Missständen verschaffen, auch seien alle regelmäßig zu den acht bis neun Ausstellungseröffnungen eingeladen, sagt Dippel.

Es gibt auch Lichtstreifen am Horizont: Die bis vor einiger Zeit noch im Gerhardt- von-Reutern-Haus ansässigen Vereine haben inzwischen den Weg frei gemacht und sind ins frisch sanierte Alte Pfarrhaus umgezogen; das Rote Kreuz hat sich neue Räumlichkeiten geschaffen. Das bedeutet, dass der Sammlung des Malerstübchens nach einer Sanierung ausreichend Platz zur Verfügung stehen würde. Und sollte der Förderantrag bewilligt werden, würde der Bund 90 Prozent der circa 1,5-Millionen-Euro-Sanierung übernehmen. Die Verwaltung hofft auf einen positiven Bescheid im Frühjahr.

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