Willingshäuser Parlamentarier votierten gegen die Annahme

Gemeinde als Erbe bedacht: Sie will das Haus aber nicht

+
Um dieses Objekt geht es: Das Haus Zulauf in der Merzhäuser Straße wurde der Gemeinde Willingshausen von einer Verstorbenen vererbt. Das Parlament stimmte aber gegen die Annahme des Erbes. 

Willingshausen. Lediglich ein Punkt stand am Dienstagabend auf der Tagesordnung der Gemeindevertretung Willingshausen – es ging um eine Erbschaft.

Da bei einer möglichen Erbausschlagung auch eine Kommune die gesetzlich vorgeschriebene Sechswochenfrist einzuhalten hat, war die Zusammenkunft in der Schwälmer Stube in der Antreffhalle in Merzhausen kurzfristig angesetzt worden.

Bürgermeister Heinrich Vesper informierte zunächst über den Grund der Sitzung und teilte mit, dass eine vor Kurzem verstorbene Willingshäuserin die Gemeinde testamentarisch als Erbe bedacht habe. Neben einem geringen Barvermögen, laut Vesper nach Abzug aller Kosten vermutlich rund 500 Euro, ging es auch um ein altes Fachwerkhaus in Willingshausen. Gebäude und Grundstück seien von einem Makler auf rund 50.000 Euro geschätzt worden, berichtete der Bürgermeister den Parlamentariern: „Wenn wir es denn überhaupt verkaufen könnten.“

Im Grunde sei es ja ein Zeichen von Wertschätzung, wenn man etwas von jemandem vererbt bekommen würde, meinte Vesper, wies aber auch daraufhin, dass es im konkreten Fall dann doch nicht ganz so einfach sei. Das Erbe war eher Danaergeschenk als Segen. Der Verwaltungschef sprach von einer im Grundbuch eingetragenen Grundschuld von 110.000 Euro und sich daraus bei einer Bank noch ergebenden Verbindlichkeiten in Höhe von 70.000 Euro plus Zinsen. Die Bausubstanz des alten Hauses sei nach einer ersten Inaugenscheinnahme auch eher schlecht, erklärte der Bürgermeister: „Welche Investitionen notwendig wären, um es auf einen akzeptablen Stand zu bringen, ist noch gar nicht klar.

Nach kurzer Diskussion, Herbert Krey (FDP) erkundigte sich nach den Plänen der Bank und Thomas Justus (SPD) nach eventuellen Nutzungsmöglichkeiten seitens der Gemeinde, votierten die Gemeindevertreter einstimmig für die Ausschlagung des Erbes.

Wie geht es jetzt weiter: Da die Gemeinde das Erbe nicht möchte, kommt das sogenannte Fiskalerbrecht nach § 1936 des Bürgerlichen Gesetzbuchs zum Tragen und das Land Hessen tritt den Nachlass an.

In der Regel ist der Landesbetrieb „Bau und Immobilien Hessen“ bestrebt, geerbte Liegenschaft im Istzustand zu veräußern. Dies kann – wie kürzlich bei einem Haus in Merzhausen - auch über den Weg der Versteigerung geschehen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.