Weltbanker aus Leidenschaft

Willingshäuser arbeitet als Vizepräsident der UN-Organisation

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Beruflich: Hartwig Schäfer Gespräch mit dem Premierminister des Köngreichs Bhutan, Lyonchhen Lotay Tshering (Januar 2019). Themen: Humankapital und Bildung, Privatwirtschaftsentwicklung.

Willingshausen. Hartwig Schäfer verwaltet ein Budget von über 50 Milliarden US-Dollar, ist Vizepräsident der Weltbank und Schwälmer. Der 60-Jährige stammt aus Willingshausen.

Der Weg zur Weltbank in Washington war für den Landwirtssohn aus Willingshausen nicht vorgezeichnet. Er habe immer etwas Internationales machen wollen, erzählt er im Telefongespräch während eines Stopps am Frankfurter Flughafen zwischen zwei Terminen in Dubai und Pakistan. Seit 30 Jahren arbeitet er bei der Weltbank. Deutsch spricht er inzwischen mit leichtem Akzent. „Deutsch ist meine erste Fremdsprache gewesen“, scherzt Schäfer. Aufgewachsen sei er mit Schwälmer Platt, erst in der Schule wurde Hochdeutsch gesprochen. In den USA hat er auch die Pünktchen in seinem Nachnamen verloren. Hart Schafer nennt man ihn.

Mit 19 Jahren sei er das erste Mal in den USA gewesen, habe auf einer Farm gearbeitet, erzählt er. Es folgten Bundeswehr in Fritzlar, Landwirtschaftsstudium in Gießen und dann wieder die USA. Diesmal zum Studium der Volkswirtschaft und damit kamen die ersten Kontakte zur Weltbank. Ein Kommilitone wollte wissen, wo er sein Praktikum während der Semesterferien verbringe. Schäfer zeigte sich überrascht. Praktikum? Er wollte doch Ferien machen. Er bewarb sich bei der Weltbank und wurde als Praktikant angenommen. Das war richtungsweisend. Später dissertierte er zum Thema Entwicklungspolitik. Zwischenzeitlich arbeitete er bei der Europäischen Kommission, die Weltbank aber ließ ihn nicht los. 

Fußballgang früher: Hartwig Schäfer (vorne links) mit seinem Bruder Rainer Schäfer (hinten, Dritter von links), Reinhold Corell (hinten, Vierter von links) und Dieter Schäfer (Mitte, rechts).

Dort kann er Banker und Entwicklungshelfer sein. Das bedeutet viel Stress, ist aber auch bereichernd, meint Schäfer. Ungefähr zehn Tage im Monat ist er weltweit unterwegs. Südasien ist seine Region. Programme für acht Länder gilt es zu entwickeln, um die 200 Projekte laufen aktuell. Und immer hat er seine Teams vor Ort. Alleine in Indien hat er 300 Mitarbeiter, in der Zentrale in Washington sind es circa 80. Es ist körperlich anstrengend, gibt Schäfer zu. 2018 war er 140 Tage auf Reisen. Er erzählt von den Strategien, die er als Vielflieger entwickelt hat. Das bedeutet keinen Alkohol, wenig Essen und Pufferzeiten ausnutzen. Allein auf dem Flug nach Frankfurt habe er zwei Mal drei Stunden schlafen können. 

Und dann ist da das, was er „quality time“ nennt. Die Zeit mit seiner Familie. Er und seine Frau Tatyana – sie ist ebenfalls Weltbanker – sind Formel-1-Fans, wann immer es möglich ist, besuchen sie Rennen. Und dann ist da noch die Familie. Regelmäßig ist er im Malerdorf, besucht Mutter und Bruder. Früher, als der Vater noch lebte, habe er die Eltern häufig mit auf seine Reisen genommen und auch jetzt verbringt er noch Kurzurlaube mit seiner Mutter Barbelies. 

Erst kürzlich war mit ihr in den Hohen Tauern in Österreich. Und dann ist da noch die Eintracht. Daran ist sein Bruder Rainer beteiligt. Der Willingshäuser Tierarzt hat ihn einmal mit ins Stadion genommen und seitdem ist die SGE Pflicht, wann immer es sich einrichten lässt. Fast erübrigt sich die Frage, wo Hartwig Schäfer sich zu Hause fühlt: „In Willingshausen.“

Vortrag: Dienstag, 2. April, ab 19 Uhr präsentiert die VR-Bank Hessenland Hartwig Schäfer in der Antreffhalle in Merzhausen. Anmeldung: vrbank-hessenland.de

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