Dorfmühle jetzt Archehof

Willingshausen hat Bauernhof wie im Bilderbuch

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„Wir haben uns schon immer als Arche-Hof gefühlt“, sagen Susanne Korte und Jörg Haafke, hier mit einem Lamm der Coburger Fuchsschafe.

Seit diesem Sommer ist es offiziell: Die Dorfmühle Willingshausen setzt sich für gefährdete Nutztierrassen ein. Für ihr Engagement für vom Aussterben bedrohte Rassen hat sich der Bioland-Betrieb als Arche-Hof zertifizieren lassen.

Bereits im vergangenen Jahr war Susanne Korte für ihre züchterische Leistung in Bezug auf das Rote Höhenvieh von der die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) ausgezeichnet worden. Traditionelle Nutztierrassen bilden das Fundament des Bioland-Betriebes. Gemeinsam mit Jörg Haafke bewirtschaftet Agraringenieurin Susanne Korte mit der Dorfmühle Willingshausen einen Bauernhof, wie es ihn eigentlich nur noch in Bilderbüchern gibt.

1996 alte Dorfmühle gekauft

„Mir war von Anfang an klar, dass es alte, vom Aussterben bedrohte Rassen sein sollten“, sagt Susanne Korte. Nach Jahren in der Umweltbewegung und politischen Arbeit wollten die Rheinländerin hier in Willingshausen versuchen, ihren Traum von einer besseren Welt zumindest im Kleinen zu verwirklichen. 1996 haben Susanne Korte und Jörg Haafke die alte Dorfmühle gekauft. Über eine Anzeige in der Frankfurter Rundschau war Susanne Korte auf die Mühle gestoßen.

„Wir hatten eine Mühle gesucht, um selbst Ökostrom zu erzeugen“, sagt Haafke, der früher im Düsseldorfer Landtag arbeitete und in der Dorfmühle ein eigenes Büro für Landschaftsplanung betreibt. Die Idee ging auf - heute produziert die Dorfmühle 120 000 Kilowattstunden Strom jährlich, „das reicht für 35 Haushalte“, so Haafke. Zuletzt hatte die Familie Riebeling die Getreidemühle und nebenbei auch Landwirtschaft betrieben.

Größte Nachzucht in Hessen: 20 Muttertiere des Roten Höhenviehs leben in Willingshausen.

In den vergangenen 23 Jahren haben sich Korte und Haafke in der Dorfmühle einen landwirtschaftlichen Betrieb neu aufgebaut, und das gegen den allgemeinen Trend. 1997 zogen die ersten Schweine, ein Jahr später Schafe ein. 1999 die drei ersten Kühe. 75 Hektar Grünland, das meiste davon gepachtet, gehört mittlerweile zu dem Bioland-Betrieb. Nach 20 Jahren sieht sich Susanne Korte in ihrer Arbeit bestätigt: „Man kann auch mit alten Rassen wirtschaftlich arbeiten.“ Die Nachfrage nach Fleisch und Wurst aus eigener Herstellung steige, so die Biolandwirte, die auch einen eigenen Hofladen betreiben.

Verschiedene Vögel haben hier Zuhause

Das Rote Höhenvieh, das Coburger Fuchsschaf und das Vorwerkhuhn haben hier ein Zuhause. „Unsere Nische ist Vielfalt“, sagt Haafke. Eigentlich gehören auch die 40 Schwäbisch-Hällischen Schweine, die sich im Außenklimastall tummeln, zu den gefährdeten Nutztierrassen: In der Dorfmühle werden sie jedoch nicht reinrassig gehalten, sondern mit der Rasse Pietrain gekreuzte Tiere. Dadurch ist das Fleisch weniger fettreich und lässt sich so besser vermarkten.

Susanne Korte arbeitete früher selbst im Vorstand der GEH und half, den Atlas der bedrohten Rassen zu erstellen. Allein in Deutschland stehen 140 Nutzierrassen auf der Roten Liste. Für ihren eigenen Betrieb waren ihr die Arche-Hof-Kriterien jedoch lange zu eng gefasst.

Auch die gehören zum Arche-Hof: Die Schwäbisch-Hällischen Schweine, gekreuzt mit der Rasse Pietrain.

Erst als diese im vergangenen Jahr gelockert wurden, bewarb sie sich um die Auszeichnung als Arche-Hof. Die 200 Euro Aufnahmebeitrag nahmen sie gern in Kauf, auch die jährlichen Kontrollen, die folgen werden. „Das ist eine gute Öffentlichkeitsarbeit für uns, und wir haben uns immer schon als Arche-Hof gefühlt“, sagt Haafke.

Doch am Ende ihrer Träume ist Susanne Korte damit noch nicht. „Mein Ziel war es immer, Pferde zu züchten“, sagt sie, und weiß auch schon welche: „Das Altwürttemberger und den Schwarzwälder Fuchs.“ Auch die stehen auf der Roten Liste.

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