Frauen in der Malerkolonie

Willingshausen: Künstlerburg öffnet sich für Künstlerinnen

Der Ziegenhainer Kunstexperte Johannes Prinz gewährt einen Blick in seine Sammlung: Hier das Aquarell von Henriette Schmidt-Bonn „Die Antreff bei Gungelshausen“. Repros:Johannes Prinz
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Der Ziegenhainer Kunstexperte Johannes Prinz gewährt einen Blick in seine Sammlung: Hier das Aquarell von Henriette Schmidt-Bonn „Die Antreff bei Gungelshausen“. (Repro)

„Malweiber“ wurden abfällig die Frauen genannt, die um das Jahr 1900 in der Natur malten und dazu mit Staffelei, Pinsel und Palette ins Freie zogen. Der Ziegenhainer Kunstsammler Johannes Prinz hat über Willingshäuser Malerinnen recherchiert.

Willingshausen/Ziegenhain – Johannes Prinz ist im Besitz von Werken von Henriette Schmidt-Bonn und Sophie Doerr. Sie zählen zu den wenigen Malerinnen, die in Willingshausen wirkten.

Henriette Schmidt-Bonn im Atelier. (Repro)

Als die bekannteste in Willingshausen schätzt Prinz die Künstlerin Henriette Schmidt-Bonn ein. Der Kunstsammler berichtet von ihrem Werdengang: Sie ist 1873 geboren und entstammte einer Bonner Kaufmannsfamilie. 1911 kam sie zusammen mit ihrer Freundin Lilly von Asten als Schülerin von Heinrich Otto zum ersten Mal in das hessische Künstlerdorf, das sie anschließend allsommerlich zu Studienzwecken aufsuchte. Während ihr Frühwerk der Landschaftsschilderung des Niederrheins und der Eifel gewidmet ist, schildert sie in ihrem Hauptwerk in Gemälden, Aquarellen Zeichnungen und Radierungen Willingshausen, die umliegenden Gehöfte und Dörfer, die weitläufigen Wälder, Gärten und Stillleben im Kreislauf der Jahreszeiten. Den Familien Bantzer und Thielmann, besonders Alexandra Thielmann, war Henriette Schmidt-Bonn in Freundschaft verbunden. Nach ihrer Ausbombung in Düsseldorf zog sie 1942 nach Willingshausen in das Haus der Familie Thielmann, wo sie 1946 verstarb. Auf dem nahegelegenen Friedhof fand sie ihre letzte Ruhestätte. Ihren Grabstein findet man neben den Malern Wilhelm Thielmann und Wolfgang Zeller. Die Vereinigung Malerstübchen hat anlässlich einer Ausstellung im Jahr 2000 in dem Willingshäuser Heft Nr. 8 den künstlerischen Werdegang der Malerin mit zahlreichen Abbildungen umfassend dargestellt. Trotz zweier Weltkriege ist der Großteil ihrer Arbeiten erhalten geblieben. Sie sind im Besitz des Stadtmuseums Bonn, des August-Macke-Hauses Bonn, des Kunstmuseums Düsseldorf, des Marburger Universitätsmuseums und in rheinischem und hessischem Privatbesitz. Die hier abgebildeten Originale befinden sich in der Sammlung von Johannes Prinz.

Ölgemälde: Sommerblumenstrauß in brauner Vase von Henriette Schmidt-Bonn. (Repro)

Der Ziegenhainer befasste sich auch mit Sophie Doerr. Unter den in Willingshausen tätigen Künstlerinner sollte man sie besonders erwähnen, ist er überzeugt. Prinz berichtet: Sie wurde 1870 in Kassel-Oberneustadt geboren und starb 1936 in Kassel-Wilhelmshöhe. Die Doerrs stammten aus der Schwalm.

Ein Regentag bei Willingshausen von Sophie Doerr. (Repro)

Durch Wilhelm Thielmann, der von 1894 bis 1903 Lehrer an der Kunstgewerbeschule in Kassel war, kam sie wohl 1903 zum ersten Mal in das Künstlerdorf Willingshausen. Sie war von der dortigen Maleratmosphäre und der Landschaft begeistert. Carl Bantzer erwähnt sie in seinem Buch „Hessen in der deutschen Malerei“ an erster Stelle unter den Malerinnen der bis dahin für Frauen „unzugänglichen Künstlerburg Willingshausen“. Er würdigte ihre Arbeit dort mit den Worten, dass sie „feine Aquarelle, Zeichnungen und Ölgemälde von Landschaft und Dorf“ geschaffen hat. Viele ihrer Bilder wurden von der Stadt Kassel und dem Staat angekauft. Leider ist ein großer Teil ihrer Bilder bei den schweren Luftangriffen auf Kassel 1943 und 1944 vernichtet worden. Im Oktober 1944 brannte noch das das Haus ihres Bruders in der Querallee in Kassel restlos nieder, und damit wurden viele ihrer besten Bilder, die ihr Bruder gesammelt hatte, vernichtet. Unter den wenigen noch erhaltenen Gemälden ist ein kleines aber sehr stimmungsvolles Gemälde mit dem Titel „Regentag bei Willingshausen“. Es besitzt seit mehreren Jahren Kunstsammler Johannes Prinz. Das relativ kleine Gemälde soll auf dem geplanten Kunstpfad als Reproduktion auf einer Staffelei gezeigt werden. (Sylke Grede)

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