Ein Mix aus Motiven

Wie in einer Gemäldegalerie: Kunstausstellung im Rathaus Wasenberg

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Rathausgalerie Wasenberg: Hauptamt-Mitarbeiterin Carolin Ide vor ihrem Lieblinskunstwerk: „Rotkäppchen“ von Carsten Weitzmann (2007).

Wasenberg. Das Willingshäuser Rathaus gleicht einer Gemäldegalerie. Ein Rundgang.

„Was ist denn hier los?“, habe ein Gast letzens gefragt, als sich sein Neffe im Rathaus trauen ließ. Keine Frage: Dass es sich hier um kein reines Verwaltungsgebäude handelt, in dem Pässe ausgestellt, Kanalgebühren berechnet und Trauungen geschlossen werden, erkennt der Besucher auf den ersten Blick. Das Rathaus gleicht einer Galerie – Kunst überall. Ein Rundgang.

Mette Joensen hatte schon alles eingepackt, ihr Auto stand abfahrtsbereit. Heinrich Vesper erwischte sie gerade noch: „Ich brauche ein Bild“, sagt er zu der Stipendiatin. 

1998 war das, Vesper war gerade Bürgermeister der Gemeinde Willingshausen geworden, Joensen die fünfte Kunststipendiatin und die erste, die er kennenlernte. „Wir müssen ja irgendetwas mit der Künstlerin in Verbindung bringen“, dachte er damals wie heute.

Rundgang beginnt historisch

Eindrucksvoll: Daniela Witzels „Zugriff auf den Weltensprung“ begrüßt die Besucher in der oberen Rathausetage.

Doch der Rundgang beginnt historisch: Im Foyer stehen zwei Schwälmer Puppenpaare, die die Entwicklung der Tracht veranschaulichen. Schwälmer Kunst, Tracht und Tradition seien in der Gemeinde Willingshausen untrennbar verwoben, sagt Vesper. 

Das spiegelt sich auch in vielen Arbeiten der Stipendiaten wider, die eine Brücke zur Gegenwartkunst schlagen. In der oberen Etage springt dem Besucher Daniela Witzels „Zugriff auf den Weltensprung“ sofort ins Auge. So hat die 30. Stipendiatin ihre fantasievolle, detailreiche Buntstift-Zeichnung auf Papier genannt – eine Dauerleihgabe der Sparkassenkulturstiftung.

Eine Auftragsarbeit von Michael Lampe hängt über dem Tisch, an dem sich im Willingshäuser Rathaus Paare trauen lassen: Der „Schwälmer Brautstuhl“, mit Schwälmer Sagen als Hintergrund.

Es ist der Mix von Motiven und Materialien, die die Rathaus-Galerie so interessant werden lässt. Der üppige schwarzer Blumenstrauß aus Öl und Acryl auf Leinwand (Maciek Rajca 2012) an der Wand im Sitzungszimmer, im gleichen Raum Fotografien von Fachwerkhäusern (Jürgen Bergbauer 2003) sowie eine Neuinterpretation der Tracht: Kaffeetasse auf Schnatz (Anja Köhne, 35. Stipendiatin).

Rotkäppchen hängt im Sitzungszimmer

Das Vorzimmer des Bürgermeisters macht Lust auf Urlaub – eine Südseeszene von Julia Oschatz hängt hier neben Gräfin Bernadotte, dargestellt von Michael Fieseler als Lichtgestalt. Die Szene erinnert an die Ankunft der Bundesbewertungkommission „Unser Dorf“ 1998 unter ihrem Vorsitz, als Willingshausen die Silbermedaille errang.

Auch wenn im Hauptamt nur die Konterfeis der Gemeindeparlamentarier hängen, hat Carolin Ide hat ein Lieblingskunstwerk: „Rotkäppchen“ von Carsten Weitzmann (2007) im Sitzungszimmer. „Hin und wieder hängen wir um“, so der Bürgermeister.

Nur ein Kunstwerk hat seinen festen Platz, ein Geschenk seiner Frau vom Werkhof Großropperhausen. Die Holzskulptur eines auf den Knien liegenden Mannes mit drei unterschiedlich großen und schweren Kugeln soll je nach Tagesform sein Befinden widerspiegeln. „Die Schwere lege ich nie auf“, sagt Vesper.

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